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Lebendige Erinnerung

Bövinghausen Wehmut? Nein, Wehmut kommt bei Elisabeth Oecking nicht auf. Dabei hätte die 82-Jährige Grund dazu: Denn jetzt gab sie den Schlüssel zur Steiger-Wohnung bei der Zeche Zollern ab, die sie 74 Jahre lang bewohnt hat.

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Und damit verlässt eine Zeitzeugin den Rhader Weg, die noch alle Etappen der Bövinghauser Zeche miterlebt hat. Denn als die kleine Elisabeth 1933 mit ihrer Familie in die schmucke Steigerwohnung einzog, da wurde nebenan kräftig Kohle gefördert. 51 Jahre lang arbeitet ihr Vater Wilhelm unter Tage, zuletzt als Steiger.

Ein Steiger, der jeden kannte, am Schritt. Aber nicht mit Namen: "Mein Vater sagte uns immer die Markennummern, wenn jemand an unserem Fenster vorbeiging", schmunzelt Elisabeth Oecking bei der Erinnerung an das eigenwillige Gedächtnis ihres Vaters. Sie sah die Zwangsarbeiter kommen und sah, wie ihr Vater für den polnischen Jungen "Heini" täglich ein Butterbrot deponierte und ihm so half, zu überleben.

Und natürlich erlebte sie auch den Niedergang der Zeche - "plötzlich war es ganz ruhig hier" und das Wiederaufblühen als Industriemuseum, dem sie bei ihrem Abschied nicht nur alte Fotos zur Verfügung stellte, sondern auch die Hausordnung, die ihr Vater vor 74 Jahren vom Bergbaubetreiber in die Hand gedrückt bekam, in der der "Betrieb eines Handels oder eines Gewerbes in der Wohnung" ebenso verboten war wie die Treppenreinigung geregelt.

74 Jahre lang hat Elisabeth Oecking in Bövinghausen gelebt und das gern. Und zu vielen Bövinghausern hat sie ein ganz besonderes Verhältnis: "Den Horst (Krumme), den hatte ich auch", erinnert sich die rüstige Seniorin. Denn ebenso wie der Bövinghauser Optiker sind auch viele andere als Kinder von ihr betreut worden. Denn "Tante Elisabeth" arbeitete jahrelang als Kindergärtnerin im katholischen Kindergarten. Doch auch bei dem Gedanken, dass sie "ihre" Kinder nicht mehr so oft sieht, kommt bei der lebenslustigen Seniorin keine Wehmut auf. "Das ist doch schon so lange her", wehrt sie ab. Und denkt lieber an ihr neues Zuhause: "Die neue Wohnung in Lütgendortmund ist zum Glück nur halb so groß und richtig schön." Irene Steiner

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