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Mehr Köpfe als Dächer

Das Jubiläum der Wohnungslosenhilfe ist für Anne Rabenschlag kein Grund zur Freude.

"Natürlich nicht, denn das heißt, dass es immer noch Wohnungslose in Dortmund gibt", meint die Diakoniegeschäftsführerin nüchtern. 2006 nahmen 968 Menschen die Beratung der Diakonie in Anspruch, 434 davon zum ersten Mal.

Auch nach 30 Jahren gibt es noch Lebensläufe wie den des Schlossermeisters, dessen Betrieb unverschuldet pleite ging. Während der vierfache Vater auf Montage ackerte, betrog ihn seine Frau. Ohne Halt und Selbstvertrauen folgte dann der freie Fall in die Gosse: "Der hat vier Jahre Platte gemacht und exzessiv gesoffen", erinnert sich Klaus Schröder, Leiter der zentralen Beratungsstelle (ZBS). "Nach zwei Jahren Motivationsarbeit hat es aber geklappt: Er vollzog eine klinische Entgiftung. Jetzt ist er Ausbildungsmeister und hat wieder geheiratet."

Dieser Fall ist ein typisches Schicksal eines wohnungslosen Menschen. Alkohol- oder Drogensucht, Verlust des Arbeitsplatzes, Scheidung und Verschuldung sind die wesentlichen Faktoren, die Menschen auf die "Platte" treiben. Dennoch ist jedes Schicksal individuell: "Daher gibt es bei uns kein Schema F", betont Fachbereichsleiterin Regina Adams.

Entsprechend hat sich die ZBS seit 1977 ein flexibles Angebot erarbeitet, das je nach Bedarf weit über die zentrale Beratung und den Tagesaufenthalt im Brücken-treff an der Kesselstraße hinausreicht. Arbeitspädagogische Hilfen erleichtern komplizierte Behördengänge, aufsuchende Hilfe zur Krankenpflege und das ambulant betreute Wohnen unterstützen die ersten Schritte in der neuen Wohnung. "Neuestes Kind", so Schröder, sei das Wohntraining, das beim Einrichten eines beständigen Tagesablaufs helfen soll.

So steht der traurigen Tatsache, dass viele Dortmunder kein Dach über dem Kopf haben, eine freudige gegenüber: Die ZBS hilft. Der Fall des Schlossers zeigt, wie engagiert und hartnäckig die Mitarbeiter ihrer für viele Menschen so wertvollen Arbeit nachgehen. tag

Das Jubiläumsfeier findet am Freitag (17.8.) ab 13 Uhr am Haus der evangelischen Kirche, Jägerstraße 5, statt.

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