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Missbrauch: Streit um Internet-Eintrag

Darf ein verurteilter Kinderschänder im Internet an den Pranger gestellt werden? Mit dieser Frage muss sich zurzeit das Dortmunder Amtsgericht beschäftigen.

Im konkreten Fall geht es um einen Eintrag auf einer ausländischen Internetseite. Dort findet sich eine Vielzahl von Stellungnahmen betroffener Eltern. Auch eine Frau aus Dortmund hat sich auf der Solidaritätsliste verewigt. In ihrem Eintrag heißt es sinngemäß: "Mein Ex-Mann hat meine Tochter jahrelang missbraucht." So etwas dürfe man sich nicht gefallen lassen.

Ihr geschiedener Ehemann ist im März 2006 vom Dortmunder Amtsgericht zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Viel zu milde, wie die Frau meint. Nach der Verurteilung hatten sich die Eheleute sofort getrennt.

Wie es heißt, hat der Verurteilte anschließend versucht, sich in Süddeutschland ein neues Leben aufzubauen. Er wurde Gastwirt, und eigentlich soll zunächst auch alles ganz gut gelaufen sein. Bis angeblich Gäste auftauchten, die den Bericht im Internet gelesen haben wollen. Sein eigener Name ist dort zwar nicht vermerkt, dafür aber der seiner ehemaligen Ehefrau. Doch das habe gereicht, um ihn zu identifizieren, erneut zu brandmarken und wirtschaftlich zu ruinieren.

Nach Einschätzung seiner Anwälte sei eine erfolgreiche Resozialisierung des Verurteilten nicht möglich, so lange der Eintrag im Internet nicht gelöscht werde. Sogar das Wort "Todesurteil" ist in diesem Zusammenhang schon gefallen.

Weil sich seine Ehefrau aber offenbar weigert, den Eintrag aus dem Internet zu entfernen, sind nun die Richter am Zug. Sie müssen entscheiden, ob die Frau dazu gezwungen werden kann. Mit einem Urteil ist frühestens im März zu rechnen.

Jörn Hartwich

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