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Misshandlung: Zähne sprechen Bände

Ausgeschlagene Zähne, ein eingerissenes Oberlippenbändchen, ein verbrühter Mund: Solche Hinweise auf möglichen Kindesmissbrauch können auch Zahnärzte nicht übersehen.

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Misshandlung: Zähne sprechen Bände

Dr. Joachim Otto dokumentierte in seiner Praxis bereits Verdachtsfälle mit der Kamera: "Wir sehen schon Kinder, die deutlich zurück sind in ihrer Entwicklung. Auch wir als Zahnärzte können auf Hämatome achten, auf Fehl- und Unterernährung oder Verhaltensauffälligkeiten."

Rund 80 Zahnärzte und Praxismitarbeiter im Arbeitskreis Zahngesundheit ließen ihre Augen schärfen für mögliche Kindeswohlgefährdung. Bei der Fortbildungsveranstaltung in der Kinderchirurgie konfrontierte sie Chefarzt Dr. Albrecht nicht nur mit unfassbaren Fotos aus dem Klinikalltag, er lieferte auch die typischen Ausreden der Erziehungsberechtigten dazu.

Wie diese: "Mein Kind fällt häufig" (bei vielen Blutergüssen) oder: "Den Oberschenkelhalsbruch hat er sich beim Treppensteigen zugezogen." Dr. Albrecht: "Wenn Sie dann einen neun Monate alten Säugling vor sich sehen, wissen Sie, dass es nicht stimmt." Öfter habe er auch schon gehört: "Mein Kind hat diese ganz seltene Krankheit, diese Glasknochenkrankheit." Zur Wachsamkeit rät er bei Verbrühungen beider Gliedmaßen: "Kein Kind steigt mit beiden Füßen in eine kochend heiße Badewanne." Auch trinke kein Kind freiwillig kochende Getränke. Sich widersprechende Zeitangaben zu angeblichen Unfällen und Hämatome unterschiedlicher Färbung, müssten ebenso jeden Arzt aufhorchen lassen. Dr. Albrecht: "Man sieht dem Bluterguss das Alter an." Und an Bisswunden lasse sich ablesen, ob es das Gebiss eines fünfjährigen Geschwisterkindes oder das eines Erwachsenen war. Er riet den Zahnärzten, auch beim kleinsten Verdacht den behandelnden Kinderarzt zu kontaktieren.

Martina Rafalcik vom Jugendamt gab den Zahnärzten und Praxismitarbeitern einige Handlungstipps an die Hand, wenn sie glauben, einen Verdacht auf Kindeswohlgefährdung in ihrem Zahnarztstuhl sitzen zu sehen: "Es gibt z.B. eine anonyme Fachberatung, aber auch ein Notdiensttelefon, unter dem man den schlechten Gesundheitszustand eines Kindes sofort anzeigen kann." Die Aufklärungsarbeit geht weiter. bö

Fragen über E-Mail an:

sfleischer@stadt.do.de

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