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Musik für sechs Hände

Das JugendJazzOrchester ist gern gesehener Gast im domicil. Immer wieder erfrischend, mit wieviel Elan und Können der Nachwuchs musiziert. Beim Konzert am Sonntag gab auch das junge Perkussions-Ensemble SPLASH seine Visitenkarte ab.

Dessen Ziehvater ist der Dortmunder Schlagzeuger Christoph Haberer, selber ein ausgebuffter Solist. Das demonstrierte er bei "Crumbs and more in nine", wo er eine ganze Batterie von Schlagwerken bediente. "Pads" mit elektronischen Sounds und klassisches Instrumentarium wie die Becken. Dabei klingt das Ein-Mann-Orchester stark nach durchgeknalltem Drum'n' Bass.

SPLASH, das frisch gegründete Trommel-Ensemble der jungen Jazzer, debütierte im domicil mit der Komposition "Wirbelwind". Vier Musiker haben sich im Saal postiert. Sie spielen auf großen und kleineren Kesselpauken, dazu auf Bongos. Stöcke, Besen, Hände kommen zum Einsatz. Immer wieder sucht das Quartett gegenseitigen Blickkontakt, stimmt die Dynamik aufeinander ab.

Vom heftigen vierfachen Wirbel bis zum leisen Kratzen über die Felle. Später glänzt SPLASH mit Steve Reichs "Music for pieces of wood". Fünf Klanghölzer ticken und pochen, steigern sich in treibenden Rhythmus. Die Tonhöhen sind abgestuft. Das hellste Holz hört sich an wie das Klackern eines Pingpong-Balles. Selbst wenn nur drei Musiker in Aktion sind, ist der Gesamtklang erstaunlich komplex. Das hat den Charakter eines Stammestanzes, der durch ständige Wiederholung hypnotische Wirkung gewinnt. "Wow!", entfährt es einem Besucher völlig zu Recht, bevor heftiger Applaus aufbrandet.

Imponierend auch ein Stück für sechs Hände und drei Tische: Knöchel, Finger, Handkante und -fläche sorgen für fein modulierten Anschlag. Auch der Tisch ist klangvariabel, je nachdem, wo er bespielt wird.

Christoph Haberers "Melange" wird von SPLASH und dem Orchester intoniert. Nervöses Trommeln zu "fetten" Posaunen und spitzen Trompeten, wie ein Filmscore zu einer Verfolgungsjagd.

Bei "Ugly Man" von Rickie Lee Jones harmonieren Rebecca Nagel und Jasmin Hagemann (Gesang) über flächigen Bläser-Arrangements. Sehr schön und auch luzide vom Mischer ausgesteuert.

Stets ein Genuss, die jungen Jazzer. kai

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