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Plus-Räuber legt Geständnis ab

DORTMUND Überraschung im Prozess um den brutalen Raubüberfall auf den Plus-Markt in Brechten: Fast sieben Monate nach seiner Festnahme hat der 22-jährige Angeklagte gestern ein Geständnis abgelegt.

Auslöser war eine bittere Erkenntnis. Ausgerechnet sein bester Freund hatte sich als V-Mann der Polizei entpuppt. Das ging aus Telefonüber- wachungen hervor, die der Verteidiger des Angeklagten über Nacht studiert hatte. Als er seinen Mandanten am Morgen erklärte, dass er ausspioniert worden war, trat der 22-Jährige sofort die Flucht nach vorn an. Wörtlich sagte der Angeklagte vor dem Schwurgericht: "Ich möchte die Tat jetzt gestehen." Damit steht fest, dass er es war, der nach dem missglückten Raubüberfall im Februar viermal auf den 60-jährigen Mustapha Rabai geschossen und den Mann fast getötet hat.

Die Hintergründe der Bluttat sind jedoch nach wie vor unklar. Der Angeklagte schob gestern alles auf den Polizeispitzel. "Er hat mir damals die Waffe in die Hand gedrückt und mich losgeschickt." Angebliches Motiv: Geldnot. Er selbst habe sich nur dazu überreden lassen, weil man so eng befreundet gewesen war. "Wir sind durch dick und dünn gegangen", sagte der 22-Jährige.

Dass er in Wahrheit bespitzelt wurde, war ihm offenbar nie in den Sinn gekommen. Warum das Innenministerium in Düsseldorf überhaupt einen V-Mann auf den Dortmunder angesetzt hat, wird inzwischen allerdings immer deutlicher. Der 22-Jährige gehört offenbar zur rechtsradikalen Szene, was auch seine ehemalige Freundin im Zeugenstand bestätigt hat.

Die 18-Jährige war es auch, die am Tattag gleich mehrere Kurznachrichten des Angeklagten auf ihr Handy geschickt bekam. In einer SMS heißt es zum Beispiel: "Du verstehst nicht, wie wichtig du für mich bist. Sage bitte niemanden etwas, wenn du morgen die Zeitung liest." In einer anderen steht: "Bei mir läuft alles schief: kein Job, kein Geld, keine Freundin." Der Prozess wird fortgesetzt.

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