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Reise durch die Gefühle

Misia begeisterte im Konzerthaus

Türen zu ihrem kleinen Lieblingshotel ?Drama Box? irgendwo am Atlantik hat Sängerin Misia in ihrem neuen Programm geöffnet, das am Donnerstag im Konzerthaus zum letzten Mal in Deutschland zu sehen war. Ein Tango- und Bolero-Salon, ein Fado-Zimmer und viele Sehnsuchtsräume verbargen sich hinter den Türen der ?Drama Box?. Eine vielseitige Sängerin ist die zierliche kleine Frau mit dem schwarzen Kleid, den roten Handschuhen und dem großen Gefühl in der Stimme. Seit Anfang der 1990er Jahre ist sie die Stimme der Erneuerung des Fados, den sie mit Musik anderer Genres geschickt verwoben hat. In einer Mischung aus Chanson, Fado und Jazz nahm sie das Publikum auf den Rundgang durch das Hotel mit, führte auch auf der Leinwand vor der Orgelempore in ihr Lieblingszimmer mit Holz-Einzelbett, nostalgischer Tapete und altem roten Wählscheiben-Telefon auf der Bettdecke, in dem man auch im Gesang die Wellen rauschen hörte. Fado heißt Schicksal und bedeutet Sehnsucht, und die Lieder voller Melancholie und Traurigkeit lagen Misias Stimme auch noch mehr als die schnellen Titel. Sanft und gefühlvoll klang die Stimme der Portugiesin in den langsamen Balladen, die sie meist mit geschlossenen Augen sang. Begleitet von Klavier bzw. Akkordeon (Enzo D?Aversa), Geige (Luis Cunha) und Gitarren (José Manuel Neto, Carlos Manuel Proenca und Daniel Pinto) erzählte Misia in ihren vielseitigen und nicht nur portugiesischen Liedern kleine Geschichten ? auch von Dramen, die sich in der ?Drama Box? abgespielt haben. Wie dem von Sängerin Dalida im französischen Chanson. Am Schluss der dichten anderthalbstündigen Reise durch die Gefühle war ein bisschen die Luft raus. 20 Minuten am Stück redete die Portugiesin, stellte die Band vor und erzählte von der Tournee. Da hätte man sich lieber noch ein paar Fados gewünscht. Mit einem Tango aus Astor Piazzollas Operita ?Maria de Buenos Aires?, mit viel Gefühl und Seele gesungen, verabschiedete sich Misia vom Publikum und ihrem kleinen Hotel ? diesen Tango hat man in Dortmund vor einer Woche im Opernhaus ganz anders gehört. JG

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