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Amazon schiebt Bezahlung von Handwerkern auf

Seit Monaten warten Amazon-Auftragnehmer auf Bezahlung

Dortmund Seit Donnerstag ist das europaweit größte Verteilzentrum von Amazon in Dortmund offiziell eröffnet. Rund 1600 Arbeitsplätze schafft das Zentrum und auch viele Dortmunder Handwerker bauten daran mit. Doch die warten immer noch auf ihre Bezahlung.

Seit Monaten warten Amazon-Auftragnehmer auf Bezahlung

Annette Werdelmann und der Schriftverkehr mit Amazon. Für sie sind es Dokumente einer Hinauszögern-Taktik. Foto: Stephan Schütze

Ein halbes Jahr nach Betriebsstart des neuen Logistikzentrums von Amazon auf der Westfalenhütte verkündete NRW Finanzminister Lutz Lienenkämper seine Freude über die 1600 Arbeitsplätze, die in den neuen Hallen am alten Stahlstandort im Norden der Stadt entstanden sind. Fast alle Arbeitsplätze beim Online-Versandhändler sind befristet.

Die Freude über Amazon hält sich bei Annette Werdelmann deutlich in Grenzen. Sie ist Inhaberin des Küchen-Studios Werdis Küchenschnäppchen in Dorstfeld. Anfangs hatte sie sich natürlich gefreut über den Auftrag, einige Räume am neuen Standort in Dortmund küchentechnisch ausrüsten zu dürfen. Dann aber ging‘s ans Bezahlen für Amazon, dessen Gründer Jeff Bezos laut Forbes-Liste reichster Mensch der Welt ist. Er soll 120 Milliarden Dollar schwer sein. Die Rechnung von Annette Werdelmann beläuft sich über knapp 16.000 Euro. Viel Geld für die Ausstatterin, wenn es nach erbrachter Leistung in ihrer Kasse fehlt.

16.000 Euro wurden nicht bezahlt

Die Rechnung an Amazon datiert vom 19. Januar 2018, angemeldet über den zentralen Account Amazon Payee, so wie es der Online-Riese jedem seiner Verkäufer vorschreibt. Die Dorstfelderin erhielt die Nachricht, Zahlungsziel seien diesmal 30 Tage, während es regulär eigentlich 60 Tage sein. Mit der nächsten Mail von Amazon Payee waren es dann auch 60 Tage und nicht mehr 30. Werdelmann behielt die Nerven. Am 20. März also hätte das Geld auf ihrem Konto sein müssen.

Dort sind die 16.000 Euro bis heute nicht verbucht, trotz vieler Mahnungen, vergeblicher Anrufversuche und reichlich Mail-Verkehr. Noch im Januar führte die Ausstatterin weitere Aufträge im Amazon-Warenzentrum aus. „In den Pförtner-Containern“ mussten Schreibtische eingepasst werden“, sagt Werdelmann. „Während meiner Rechnung-Stellung wurde von Amazon viermal die Adresse geändert. Es geht denen doch nur darum, Zeit zu schinden, um mit dem Geld arbeiten zu können“, ärgert sie sich. Auch eine Adresse in Tschechien war dabei, an die sie sich mit ihrer Rechnung wenden sollte. Die Tschechen teilten ihr mit, diese Adresse sei falsch.

Pressesprecherin verspricht Überweisung

Versuche, in der Deutschland-Zentrale von Amazon in München-Schwabing weiterzukommen, scheiterten. Dort gebe es keine Rechnungsauskünfte, erfuhr die Ausstatterin. Sie sagt, sie stehe nicht alleine dar beim Warten auf Bezahlung. Auch ein Gas-/Wasser-Installateur aus der Nachbarschaft habe am neuen Amazon-Standort in Dortmund gearbeitet und jetzt kein Geld gesehen. „Vielen Händlern und Handwerkern geht es so, dass sie monatelang auf ihr Geld warten“, so Werdelmann. An den Auftrag bei Amazon kam sie über den Bauträger, der die Hallen auf dem Westfalenhütten-Gelände errichtete.

Auf Anfrage der Redaktion in der Pressestelle von Amazon in München kam Bewegung in den Stillstand um die Begleichung der Rechnung. Sprecherin Antje Kurzmöller entschuldigte sich und sagte, sie könne sich die Verzögerung nicht erklären. Ihnen bliebe nichts anders übrig, als sofort das Geld zu überweisen.

Der Standort in Dortmund gilt als Europas modernstes Umverteilzentrum. Der Testbetrieb auf dem Westfalenhütten-Gelände, wo 2001 die Stahlproduktion endete, lief seit Ende 2017.

Von den 2000 zunächst eingestellten Mitarbeitern mussten rund 400 nach der Probezeit wieder gehen.

Der US-Gigant investierte 27 Millionen Euro vor Ort.

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