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Neuordnung von RWE und Eon

Sorge um Energie-Arbeitsplätze in Dortmund

DORTMUND Von einer Übernahme der RWE-Töchter Innogy und Westnetz durch Eon wäre der Standort Dortmund mit Hunderten Arbeitsplätzen stark betroffen. Guntram Pehlke, Chef der Dortmunder Stadtwerke (DSW21) als größtem Anteilseigner an RWE, stellt dazu klare Forderungen.

Sorge um Energie-Arbeitsplätze in Dortmund

Was wird aus den Arbeitsplätzen im „Innogy-Tower“ am Freistuhl? Das ist nur eine von vielen Fragen, die sich bei einer Neuordnung bei den Energieunternehmen RWE und Eon stellen. Foto: Stephan Schütze

Bei den Rauchern vor dem Eingang des RWE-Turms am Freistuhl, der jetzt eigentlich „Innogy-Tower“ heißt, demonstriert man Gelassenheit. Klar war die geplante Übernahme durch Eon am Montagmorgen Gesprächsthema in den Büros. „Aber große Unruhe oder Panik ist nicht ausgebrochen“, erklären die „Innogy“-Mitarbeiter. Man warte auf das, was da kommt.

Dass es berechtigte Sorgen um den Standort Dortmund angesichts des Gesellschafts-Tauschgeschäfts zwischen den Energiekonzernen RWE und Eon gibt, ist freilich nicht zu leugnen. Gut 2800 Arbeitsplätze in der Stadt hängen an den bisherigen RWE-Gesellschaften, die von einer Übernahme betroffen wären.

Gesellschaft stärken

Deshalb gab es am Montag von Stadtwerke-Vorstandschef Guntram Pehlke klare Forderungen: „Wir erwarten, dass die Netzgesellschaft Westnetz bestehen bleibt und gestärkt wird“, erklärte er gegenüber unserer Redaktion. Es mache keinen Sinn, Jobs für hochqualifizierte Beschäftigte hin und her zu verlagern.

Westnetz mit Sitz im früheren Telekom-Hochhaus am Westfalenpark ist als Tochter der RWE-/Innogy-Gruppe bislang der größte Verteilnetz-Betreiber Deutschlands. Die bisherige RWE-Tochter Innogy wiederum organisiert vom Freistuhl aus einen Großteil des Stromvertriebs. „Hier erwarten wir, dass auch unter Eon der dezentrale Vertrieb erhalten bleibt“, erklärte Pehlke. Die Dortmunder Stadtwerke (DSW21) besitzen 23,6 Millionen und damit 3,8 Prozent der RWE-Aktien. Die kommunalen Aktionäre wiederum halten insgesamt rund 20 Prozent an RWE.

Zustimmung im Aufsichtsrat absehbar

Am Montagabend stimmte der RWE-Aufsichtsrats dem Eon-Deal zu – dem Vernehmen nach mit den Stimmen kommunaler Aktionäre und von Vertretern der Gewerkschaft Verdi auf der Arbeitnehmer-Seite. Von großem Druck auf dem Energiemarkt war die Rede und von der Chance, „starke und investitionskräftige Unternehmen aufzubauen“.

Bei Verdi in Dortmund schaut man vor allem auf die Beschäftigten bei Innogy und Westnetz, wie Bezirksgeschäftsführer Michael Bürger erklärt. Sorgen mache man sich aber auch um die RWE-Beteiligung von DSW21, wenn das eigentlich lukrative Netzgeschäft nicht mehr zum Konzern gehöre.

Beteiligung an DEW21

Eine der offenen spannenden Fragen ist, wie der Eon-Konzern, bei dem im Gegensatz zu RWE bislang kommunale Beteiligungen keine Rolle spielten, mit den Kommunen umgeht. Interessant ist vor diesem Hintergrund, dass Eon bei einer Übernahme von Innogy auch Anteilseigner beim Dortmunder Energieversorger DEW21 würde. Denn 2016 wurde der ein Jahr zuvor neu ausgehandelte RWE-Anteil an DEW von 39,9 Prozent auf Innogy übertragen. Damit wäre dann nicht mehr RWE, sondern Eon Partner des kommunalen Energieversorgers.

Auch über mögliche Auswirkungen des Energie-Deals auf die Strompreise lässt sich nur spekulieren.


Redakteur Oliver Volmerich kommentiert:

Die Bewährungsprobe

Ein bisschen erinnert das Geschäft der Energie-Riesen an Monopoly. Mit dem Unterschied, dass nicht Straßen und Häuser, sondern Tochterfirmen und Anteile munter verkauft und getauscht werden. Die Frage, was aus den betroffenen Menschen und Standorten wird, scheint dabei zweitrangig zu sein.

Doch halt! Der Einfluss auf wichtige Unternehmensentscheidungen und die Sicherung der Standorte war doch bislang das Hauptargument für das Festhalten der Stadt an der RWE-Beteiligung. Jetzt stehen die Verantwortlichen vor einer echten Bewährungsprobe. Entscheidend ist, ob es ihnen wirklich gelingt, ihren Einfluss für die Sicherung von Standorten und Arbeitsplätzen geltend zu machen.

Und auch die Interessen der Verbraucher sollte man im Blick haben: Steigende Strompreise durch den „Mega-Deal“ wären nicht zu vermitteln.

RWE in Dortmund

- Die Übernahme von Teilen des RWE-Konzerns durch Eon wäre ein weiterer Wandel für die Dortmunder Energiewirtschaft.

- Im Jahr 2000 hatte RWE die Dortmunder VEW übernommen. Wichtige Unternehmensteile behielten ihren Sitz in Dortmund.

- Aus der in Dortmund ansässigen RWE Vertriebs AG wurde 2016 die Innogy SE. Viele Vertriebsmitarbeiter haben ihren Arbeitsplatz in Dortmund. Eine weitere große RWE-Gesellschaft in Dortmund ist die Westnetz. Dazu kommen mehrere kleine Töchter wie die RWE Effizienz GmbH.

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