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Kann GPS-Tracker im Schulranzen Kinder schützen?

Spion-Apps überwachen Kinder auf ihrem Schulweg

Dortmund Eine App für das Smartphone oder GPS-Tracker im Ranzen sollen den Schulweg für Kinder sicherer machen. Sie ermöglichen aber auch eine weitreichende Überwachung.

Spion-Apps überwachen Kinder auf ihrem Schulweg

Peilsender in der Schultasche sollen Autofahrer warnen. Sie lassen aber auch die Überwachung der Kinder zu (Symbolbild). Foto: dpa

Smartphone-Apps, die Eltern Zugriff auf die Kinder-Handys einräumen und die Ortung und Kontrollen zum Surfverhalten ermöglichen und sogar das Mitlesen von SMS und Chats, gibt es schon lange. Solche Spion-Software ist auch auf manchem Dortmunder Schülerhandy installiert. Fürsorglich klingende Anwendungen mit „Nanny“ im Namen teilen den jeweiligen Standort mit und lösen Alarm aus, wenn sich das Kind zu langsam oder zu schnell bewegt, nicht rechtzeitig am geplanten Ort erscheint oder sich außerhalb des vorgegebenen Bereichs aufhält. Sogar Abhören machen die Spionfunktionen möglich. Das alarmierte Pädagogen, die eine Diskussion über Datenschutz und vermeintliche Sicherheit in Gang setzten.

Das ist Überwachungstechnologie der übelsten Form“, formuliert der Vorstand der Landeselternschaft der Gymnasien und fordert die Landesregierung auf, Maßnahmen gegen die Kontrolltechnik für Schüler zu ergreifen. Dortmunder Elternvertreter sind ganz ähnlicher Meinung. „Schüler brauchen Freiräume, um sich zu entwickeln“, sagt Werner Volmer, Stadteltern-Vorsitzender. „Eine solche Technik lässt das nicht zu.“

Eine Mutter ist da anderer Meinung. Die Dortmunderin kann nichts Schlimmes an den Ortungssystemen finden. Sie nutzt eine App, um mit ihren Kindern in Verbindung zu bleiben. „So kann ich sehen, ob sie gut angekommen sind, ohne dass ich hinterhertelefonieren muss. Das beruhigt mich.“

Privatsphäre der Kinder

Spionagesoftware auf dem Handy lehnt auch die Mutter mit der Familien-App ab. „Das geht zu weit, die Kinder müssen auch ihre Privatsphäre haben.“ Die stille Kontrolle aber wolle sie nicht missen. Ihre Tochter, 13 Jahre alt, sieht das ganz locker: „Wenn es mich stört, schalte ich einfach die Ortungsdienste aus.“ Ihr älterer Bruder sähe das auch so. Die Siebtklässlerin schaut auch selbst schon mal in die App, wenn sie wissen will, wann der Papa oder die Mama nach Hause kommen.

Die neuen Schulranzen-Sender kennt sie nicht. Ein GPS-Tracker, der in den Schultaschen oder in der Bekleidung der Kinder untergebracht wird, soll sie im Straßenverkehr schützen. Dafür schickt der Tracker die Daten – laut Anbieter verschlüsselt – an eine Cloud, diese leitet dann die Information „Kind in der Nähe“ an Autos weiter, um die Fahrer auf die kleinen Verkehrsteilnehmer aufmerksam zu machen.

Spion-Apps überwachen Kinder auf ihrem Schulweg

Die Apps zeigen, wo die Kinder gerade sind. Foto: Jennifer Hauschild

„Und was ist mit den Fahrzeugen, die nicht „informiert“ werden? Den Eltern wird ein Sicherheitsgefühl vermittelt, das in der Realität uneinlösbar ist“, kritisiert der Elternverband. „Gesetzliche Möglichkeiten müssen voll ausgeschöpft werden, um digitale Schutzranzen in NRW zu verhindern“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung.

Die Hersteller werben damit, dass sich Eltern mittels einer App jederzeit über den Aufenthaltsort ihrer Kinder informieren können. Das funktioniert laut Anbieter gesichert über einen anonymen Kopplungsprozess zwischen Kind und Vertrauensperson. Die Elternvertreter beruhigt das wenig: „Unter dem Deckmantel nicht einlösbarer Sicherheit werden Daten von denen eingesammelt, die bisher noch einen Schutzraum persönlicher Freiheit hatten, den es unbedingt zu schützen gilt: unsere Kinder.“

Anti-Diebstahl-Rucksäcke

Allzu verbreitet scheint die neuartige Funktion in der Schultasche nicht zu sein. Christiane Hoppe von Bücher Köhler in Lütgendortmund jedenfalls sind die GPS-Geräte noch nicht untergekommen. Köhler organisiert jedes Jahr eine große Schulranzenmesse mit allen gängigen Marken wie Scout, Eastpak oder Ergobag. „Anti-Diebstahl-Rucksäcke mit Reißverschlusstaschen auf der Körperseite sind gefragt. Von Überwachungsranzen habe ich noch nichts gehört“, sagt sie.

Auch bei den Dortmunder Stadteltern gibt es aktuell keine Diskussion über GPS-Funktionen in der Schülerausrüstung. Vorsitzender Werner Volmer findet mit Tempolimits, Ampeln und Zebrastreifen gesicherte Schulwege sowie das Üben im Straßenverkehr viel sinnvoller als ein lückenhaftes digitales Warnsystem. „So lange das nicht sicher ist, ist es außerdem eine Einladung für Hacker, herauszufinden, wo Kinder sind.“

Eine Überwachung von Kindern hält der Elternvertreter für falsch. „Heranwachsende brauchen Freiräume, in denen sie sich bewegen können.“ Nur wenn Eltern Vertrauen in die Kinder hätten, könnten die auch Vertrauen aufbauen.

Die Landeselternschaft der Gymnasien fordert, den Einsatz der „Schutzranzen“-Technologie ganz zu unterbinden.

Die Einhaltung des Datenschutzes soll streng geprüft werden.

Schulträger sollen angewiesen werden, die GPS-Geräte in den Schulen ausschalten zu lassen.

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