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Unter 588 Bewerbern kein Kandidat

DORTMUND. Beim Thema Ausbildung scheiden sich die Geister: Die Gewerkschaften werfen den Unternehmen vor, ihrer Ausbildungsverpflichtung nicht gerecht zu werden. Die Firmen kontern, sie würden (mehr) ausbilden, wenn die Jugendlichen dafür besser geeignet wären.

Unter 588 Bewerbern kein Kandidat

<p>Max Kummer vom gleichnamigen Holzhandel mit seinen neuen Auszubildenden (oben v.l.): Marcel Jonas, Sven Wißen, Wladimir Wansitler sowie Manuel Kucklick (unten r.). Reminghorst</p>

Wir fragten in Sachen Ausbildungsfähigkeit bei den Unternehmen nach, die kürzlich den "Ausbildungspreis der Dortmunder Wirtschaft" erhalten haben. Denn denen kann man kaum unterstellen, dass sie sich vor der Ausbildung drücken wollen. Ihre Erfahrungen sind durchaus gespalten. Alle betonen, dass es selbstverständlich junge Leute gibt, die gut qualifiziert und motiviert sind. Aber es gibt eben auch andere...

"80% bewerben sich, weil sie müssen."

"Von 588 Bewerbern kam kein einziger in Frage", so die erschreckende Erfahrung von Max Kummer, Chef des gleichnamigen Holzhandels an der Bornstraße. Gesucht hat er Fachlageristen, Fachkräfte für Lagerlogistik und einen Kaufmann bzw. eine Kauffrau für Groß- und Außenhandel. Sein Eindruck: "80% bewerben sich, weil sie müssen." Die alten Tugenden Pünktlichkeit, Fleiß, Eifer vermisst der 32-Jährige bei vielen. Gerade bei Bewerbern aus sozial schwächeren Familien habe er häufig den Eindruck, "dass der Ansporn nicht so groß ist. Die denken, sie können sich durchs Leben schlagen, ohne einen Finger krumm zu machen." Erst in enger Zusammenarbeit u.a. mit der Agentur für Arbeit und der dobeq hat er schließlich fünf Lehrlinge gefunden, die sich zunächst in einem Praktikum bewährt haben.

Bewerbungen zum Schmunzeln

Bernd Weiß, seit sieben Jahren Personalleiter bei den Deutschen Gasrußwerken, weist auf ein Bewerbungsschreiben, das er archiviert hat: "Die Agentur für Arbeit hat mich darauf hingewiesen, dass ihr Betrieb einen Ausbildungsplatz anbietet." Bei so viel "Enthusiasmus" muss er passen. In diesem Jahr hat der 46-Jährige dokumentiert, wie das Bewerbungsverfahren um einen Ausbildungsplatz für eine(n) Industriekaufmann/-frau ablief. 189 Bewerbungen landeten auf seinem Schreibtisch, zum Teil äußerst knapp, ohne korrekte Anrede, ohne Unterschrift. So traurig manche Einsendungen auch sind, manchmal reizen sie - ohne Zweifel ungewollt vom Absender - zum Schmunzeln. Etwa wenn sich der Jugendliche in der Betreffzeile noch für die Ausbildung zum Industriekaufmann bewirbt, im weiteren Anschreiben aber auf seine Qualifikationen als Gymnastiklehrer eingeht.  Mehr lesen Sie morgen in der Ausgabe der Ruhr Nachrichten.

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