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Verschmelzen und Auseinandergehen

Wischlingen Es war ein Sonntagabend der Gegensätze. Mozart, Sibelius, Debussy - große Musik in der kleinen Kapelle Wischlingen. Atsuko Seki und Matthias Scheffel - große Künstler vor kleinem Publikum, keine 20 Zuschauer fanden den Weg auf die schmalen Holzbänke.

Und das Instrument: Gepflegt, gestimmt, aber darüber hinaus keinesfalls geeignet für ein Konzert dieses Niveaus. Mit dumpfem, schwerfälligem Ton nahm es dem Spiel der Pianisten viel Brillanz. Es ist der Schubertpreis-Trägerin und dem Musikschuldozenten hoch anzurechnen: Sie nahmen es mit gelassenem Humor und spielten mit ganzem Einsatz.

Mozarts C-Dur-Sonate (KV19d) erwies sich als gelungener Auftakt. Perlende Läufe und eine fein akzentuierte Rhythmik spiegelten die Kunstfertigkeit des bestens eingespielten Duos wider. Eindrucksvoll ihr Engagement, sich mit jedem Satz etwas mehr über die Unzulänglichkeiten des Instruments hinweg zu heben.

Wenn in den donnernden Schlussakkorden des ersten Satzes von Sibelius' "Pelleas und Melisande" noch etwas Trotz mitzupoltern schien, gelang die Dramatik des zweiten Satzes konturiert und ausdrucksstark. Spätestens der dritte Part glänzte unüberhörbar meisterlich: Scheffels prachtvolle Basis stützte präzise, dynamisch und kontrastreich die schwebenden, artistisch flirrenden, anmutig modellierten Melodienwolken Sekis.

Es folgte ein Scheffel-Eigenwerk: "Merge... Dimerge" für zwei Pianisten. Das "Verschmelzen und Auseinandergehen war das Motto für das Stück", erklärte Scheffel.

Leuchtende Melodien

Es begann im Auseinander: Mit Verzicht auf durchgehenden Rhythmus leuchteten die Melodiesegmente auf wie zufällige Lichtreflexe im dominanten Dunkel der Pausen. Verschmolzener der zweite Satz, 20 Finger wirbelten durch das kunstvolle Arrangement.

Es sei ein guter Weg, sich seiner Musik assoziativ zu nähern, empfahl Scheffel. Gern: Die Reise durch die fremdartige Landschaft führte über einen rauschenden Bach unter raschelndem Blätterdach, durch zarte Harmoniegeflechte, über grollende, unruhige Hänge bis zu klargefrorenen Klanggipfeln. Rhythmus, Melodie, Akkorde - alles kreiste im Spannungsfeld der titelgebenden Pole.

Mit Nachdruck dankte Lieselotte Jasper vom Förderverein der Musikschule den Künstlern - auch dafür, dass sie sehr kurzfristig für das ursprünglich gesetzte Ensemble eingesprungen waren, das aus Termingründen absagen musste.

Die Mittelmäßigkeit des Pianos sei bei den bisherigen Konzerten nicht aufgefallen, bedauerte Jasper - beim ersten reinen Klavierkonzert dafür umso deutlicher. tag

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