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Von Vishnu und Stier-Samen

Wenn man auf organisierte Reise geht, wird man in Gruppen eingeteilt und bekommt einen Reiseleiter - das ist die erste, aber lange nicht letzte Lektion, die Kinder bei der "Weltreise" des Kinder- und Jugendtheaters (KJT) lernen.

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Mein Leiter heißt Bastian, ich gehöre zur grünen Gruppe. Auf geht's zur Reise um die Welt - nicht in acht Tagen, sondern in zweieinhalb Stunden. Nicht im KJT an der Sckellstraße, sondern in der Kinderausstellung "mondo mio" im Westfalenpark.

Für sein Projekt für Kinder ab acht Jahren, das am Freitag Uraufführung feierte, hat KJT-Leiter Andreas Gruhn Künstler aus zwölf Nationen gefunden: Eine indische Tempeltänzerin und eine chinesische Sängerin, einen nigerianischen Schauspieler oder eine brasilianische Theaterpädagogin tanzen, erzählen, singen vom Schöpfungsmythos, wie er sich im jeweiligen Kulturkreis erzählt wird. Sie sitzen an zwölf Stationen der Ausstellung, die sich die Zuschauer erwandern; man sinkt auf bereit liegende Kissen und lässt sich entführen in fremde Kulturen. Die Ausstellung "mondo mio" bietet dafür einen prächtigen Rahmen, den die Künstler mühelos mit farbigen Geschichten und Atmosphäre füllen.

Aus dem Samen eines Stieres wuchs eine Pflanze, aus der die Ahnen des iranischen Volkes entstanden, liest Farhang Kassraei aus einem prächtigen Bildband vor. Die gebürtige Inderin Prasanna Oommen-Hirschberg tanzt mit Rasseln an den Füßen die zehn Inkarnationen des Gottes Vishnu, der als Fisch, Schildkröte, Bauer und schließlich als Buddha erscheint - ein 2000 Jahre alter Tempeltanz nach festen Regeln.

Plötzlich findet man sich zwischen Heuballen in den rumänischen Karpaten wieder und bekommt ein folkloristisches Kostüm zum Überstreifen, während die Dorfälteste (Schauspielerin Angela Amecke) erzählt, wie Gott den Teufel aus dem Himmel verjagt hat.

Etwas befremdlich mutet nur die Station Russland an: Dort gibt es eine Leistungsschau vier kleiner Meisterinnen der rhythmischen Sportgymnastik. Unter dem kritischen Blick ihrer Trainerin verbiegen sich die 10 bis 14 Jahre alten Mädchen atemberaubend, drehen Pirouetten und lächeln dabei wie die Vollprofis. Die gymnastische Darbietung ist verbunden mit Elementen des russischen Volkstanzes, Fotos und Bilder im Hintergrund zeigen Impressionen aus Russland. Doch weniger als um den Schöpfungsmythos geht es hier um Drill und Höchstleistungen im Spitzensport, der nicht recht zum gesetzten Rahmen passt. Katrin Pinetzki

Nächster Termin: 28.10., Karten: Tel. 50 27 222, Gruppenreservierungen: 50-22 442

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