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Wahn-sinnige Gefahr

22 000 - das ist die übliche Einwohnerzahl einer Kleinstadt - sollen in Dortmund die Droge Cannabis mindestens einmal konsumiert haben. Die Rede ist von Teenagern. Das wäre also jeder dritte Jugendliche.

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Nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) stieg die Zahl der Klinikeinweisungen NRW-weit bei den 15- bis 25-Jährigen innerhalb von fünf Jahren um über 60 Prozent auf rund 760. Es landen demnach also immer mehr junge Menschen wegen Cannabiskonsum im Krankenhaus.

Die TK: "Insgesamt werden in NRW jährlich mehr als 1100 Menschen wegen psychischer Störungen und Verhaltensauffälligkeiten nach dem Konsum von Haschisch und Marihuana im Krankenhaus behandelt." Die Krankenkasse warnt vor den Konsum-Folgen dieser aus Hanf hergestellten Rauschmittel: "Regelmäßiger Konsum erhöht das Risiko, an Psychosen wie Wahnvorstellungen oder Halluzinationen zu erkranken. Hinzu kommt, dass die Teerstoffe in Cannabis viel krebserregender sind als die im normalen Tabak. Drei bis vier Joints schädigen die Lunge so stark wie etwa 20 Zigaretten", so Meike Buchwald, Sprecherin der TK in Dortmund.

Aus Neugierde

Vor Panikmache warnt wiederum Hans Adam, Leiter der Drogenberatungsstelle (Drobs) am Schwanenwall. Schließlich lande nicht jeder, der einmal Haschisch geraucht hat, später zwingend an der Heroin-Spritze. Die weitaus meisten Jugendlichen, vornehmlich junge Männer, probierten Cannabis aus Neugierde nur aus. Eine Konsum-Steigerung in Dortmund sieht Adam nicht. "Im Gegenteil. Die hatten wir vor drei, vier Jahren." Die Drobs erweiterte damals ihr Beratungsangebot für Eltern. Adam überschlägt: jährlich 80 bis 90 Cannabis-Konsumenten, die beraten werden, und etwa 50 Eltern.

Bedarf auch in der Behandlung hartnäckiger Fälle: So richtete die LWL-Klinik in Aplerbeck eine ambulante Cannabis-Gruppe ein. Dr. Gerhard Reymann, Chefarzt der Abteilung Suchtmedizin, hält gestiegene Konsumenten-Zahlen für realistisch. Sie hätten extrem hohe Anfragen in der Beratung. Die Gruppe bietet zwölf Behandlungsplätze. Laut Reymann hätten viele Menschen, die unter einer schizophrenen Psychose litten, vormals Cannabis konsumiert.

Eine Kombination aus verstärktem Alkohol- und Cannabiskonsum sehen vermehrt die Ärzte des Klinikums. Dr. Ulrich Leyer, Oberarzt in der Unfallklinik, behandelt in der Notaufnahme vornehmlich in den Nächten zu Samstag und Sonntag zwischen 2 und 6 Uhr nicht selten Mehrfach-Drogenkonsumenten nach Stürzen oder Schlägereien. Ulrike Böhm-Heffels

Die Drobs ist erreichbar unter Tel. 47 73 76-0. Die Sucht-Ambulanz der LWL-Klinik unter Tel. 45 03-27 70. Viele Informationen über Cannabis bietet der Drogenhilfeverein Indro in Münster über www.indro-online.de

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