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Zeit und Raum zum Lernen

Westerfilde Es ist auffallend ruhig in der "Lernwerkstatt" der Hauptschule Westerfilde: Acht Sechstklässler sitzen an ihren Tischen, konzentrieren sich auf ihr Arbeitsmaterial, probieren, knobeln und lernen.

Rechtschreibung, Mathematik oder Englisch. Und das gern: "Das macht richtig Spaß", strahlt Amer, der mit Holzklötzen vorgegebene Formen nachbaut und damit sein räumliches Vorstellungsvermögen schult. Betreut werden die Schüler in Deutsch von Leyla Sevim. Die qualifizierte Sprachförderin kam über ein Projekt der Regionalen Arbeitsstelle für Ausländer (RAA) in die Schule und unterstützt nun die Schüler der Klassen 5 und 6 in zwei Wochenstunden beim Lernen von Grammatik und Rechtschreibung. Dazu kommen je eine Förderstunde in Englisch und Mathematik, die von Fachlehrerinnen der Schule geleitet werden.

Individuelle Förderung

Paradiesische Zustände? Eher der Versuch, grundlegende Defizite des Schulsystems auszugleichen. Denn was hier so spielerisch erscheint, ist in Wirklichkeit ein durchdachtes Fördersystem, das es den Kindern ermöglichen soll, ihre oft gravierenden Defizite individuell auszugleichen. Und das System ist so gut, dass die Hauptschule nun für ihr "innovatives Schulprojekt" von der Stadt Dortmund mit 5000 Euro gefördert wird. Vorausgegangen ist ein hartes Stück Arbeit. "Wir haben bereits im Jahr 2003/2004 mit Rechtschreibförderung angefangen", erzählt die stellvertretende Leiterin der Hauptschule, Marita Grotemeyer.

Doch man stieß schnell auf Grenzen. Denn bevor man fördern kann, muss man genau wissen, wo jedes Kind seine Probleme hat. Doch für eine genaue Diagnostik gab es keine Materialien. Und so verbrachte das Kollegium viel Zeit damit, geeignete Kriterien zu bestimmen und Materialien zu sichten, auszuwählen und zu vervielfältigen. Mit unterschiedlichem Erfolg: "Für Deutsch gibt es sehr viele Materialien, für Mathematik und Englisch noch nicht", so Veruschka Altenschmidt, die die "Individuelle Förderung" im Fach Mathematik aufbaut.

Die Schwächen, die die Lernwerkstatt ausgleichen will, sind nicht hausgemacht, sie entstanden in der Grundschule. Irgendwann kamen die Kinder nicht mehr mit. Und das teilweise schon ganz zu Beginn der Schullaufbahn. Das liegt nach Ansicht von Hauptschul-Leiter Klaus Bahn nicht an den Kollegen. "Die Grundschullehrer stehen vor Klassen mit 30 Schülern. Hier stammen viele aus Migrantenfamilien, in denen die Kinder kaum unterstützt werden. Die Lehrer sind selbst völlig verzweifelt, weil sie die Kinder nicht ausreichend fördern können."

Freude entdecken

Und so versucht die Hauptschule Westerfilde, ihre Schüler mit viel Engagement erst einmal auf den Stand einer weiterführenden Schule zu bringen. Denn sonst geht das Scheitern weiter: "Wir müssen versuchen, die Schüler und Schülerinnen zu befähigen, eine Ausbildung zu absolvieren", umreißt Schulleiter Klaus Bahn ein Ziel der Mühen. Ein anderes, nicht minder wichtiges: "Die Kinder freuen sich über jeden Erfolg, sie entdecken für sich wieder die Freude am Lernen", so Veruschka Altenschmidt. Irene Steiner

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