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Auf die Wurzeln besinnen

Haltern Das tragische Schicksal seiner Großeltern kennt Sebastian Dylla nur aus Erzählungen. "Aber man muss sich auf seine Wurzeln besinnen", erklärt der 32-Jährige, warum er regelmäßig an der Schlesier-Wallfahrt teilnimmt.

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Rund 3000 heimatvertriebene Schlesier und Spätaussiedler aus ganz Deutschland pilgerten gestern auf den Annaberg. Unter ihnen Sebastian Dylla und seine Frau Anna (29). "In unserer Familie hat die Wallfahrt Tradition", sagt der junge Mann aus Unna. Die Eltern sind mit von der Partie, die Großeltern inzwischen verstorben.

"Wir kommen immer wieder gern", erzählt das Paar. Um gemeinsam zu beten. Um mittags köstliche schlesische Würstchen zu genießen. "Vor allem aber auch, um mit älteren Pilgern zu sprechen und herauszufinden, was unsere Vorfahren durchgemacht haben", meint Sebastian Dylla.

Ruth Brym aus Datteln hat am Ende des Zweiten Weltkriegs erlebt, was die Enkelgenerationen allein vom Hörensagen her kennen. Verfolgung, Vergewaltigungen, die Ermordung von Verwandten und Freunden. "Für uns war der Glaube in dieser schweren Zeit zum Überleben genauso wichtig wie das Brot", sagt die 84-Jährige. Und er ist es heute noch für sie. Brym: "Solange ich fit genug bin, werde ich an der Schlesier-Wallfahrt teilnehmen."

Vielen Pilgern in ihrem Alter stehen Tränen in den Augen, als die Landsmannschaften in landestypischer Tracht, mit Blumenkränzen auf dem Haupt und wehenden Fahnen zum Gottesdienst unter freiem Himmel einziehen. Erinnerungen an die verlorene Heimat werden wach. In solchen Momenten hat auch Hildegard Mattussek mit ihren Gefühlen zu kämpfen. "Man hat bis heute eine Menge, aber längst nicht alles bewältigt", sagt sie.

Überraschungsgast

Bischof Jan Wieczorek aus Gleiwitz hat die 1000 Kilometer weite Anreise in Kauf genommen, um mit den Pilgern auf dem Annaberg zu beten. Zur Freude der Wallfahrer taucht nach krankheitsbedingter dreijähriger Abwesenheit ein trautes Gesicht hinter dem Altar auf: Prälat Winfried König, apostolischer Visitator aus der Erzdiözese Breslau, ist gerührt, als ihn Dechant Bruno Pottebaum begrüßt und die Pilger, unter ihnen auch Halterns Vize-Bürgermeisterin Ursula Kelders, warmherzig applaudieren.

Nach dem Eröffnungsgottesdienst, den das Oberschlesische Blasorchester musikalisch gestaltet hat, singen die meisten noch ein Stündchen in einem offenen Kreis weiter. Herbert Gröger, lang gedienter Organisator der Wallfahrt, lächelt und erklärt: "Wo Schlesier sind, wird immer viel gesungen." wal

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