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Geburtshilfe stand schon 1998 auf der Kippe

Große Proteste vor 20 Jahren in Haltern

HALTERN Die Geburtshilfestation des Halterner Sixtus-Hospitals schließt. Deshalb trifft sich am Mittwoch (9. Mai) der Stadtrat zu einer Sondersitzung. Als 1998 erstmals das Aus drohte, gab es in Haltern heftigen Protest.

Große Proteste vor 20 Jahren in Haltern

1998 protestierten die Halterner vehement gegen die drohende Schließung der Geburtsabteilung. Foto: Sadowski

Die Entscheidung ist für die Klinikleitung unumkehrbar: Das Sixtus-Krankenhaus schließt zum 30. Juni die Geburtshilfestation. Als Geschäftsführer Andreas Hauke das am 24. April öffentlich kundtat, war die Belegschaft informiert. Die Krankenschwestern dieser Station sind bereits internistisch geschult, weil mit der Einrichtung der Komfortstation ab 2015 die Kardiologie umziehen musste und fortan die meisten Betten der Gynäkologie beanspruchte.

Die Kosten-Nutzen-Kalkulation geht für das Klinikum Ruhr-Nord schon seit langer Zeit nicht mehr auf: Von 800 notwendigen Geburten pro Jahr ist die Abteilung mit 366 im Jahr 2017 weit entfernt. Zum Bedauern des Sixtus-Hospitals entschieden sich dabei nur 190 Mütter aus Haltern für eine Geburt vor Ort.. Ärzte sind für diese kleine Station nicht mehr zu gewinnen; die Hebammen haben nur Kleinverträge und sind ansonsten freiberuflich tätig.

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Schon einmal stand die Geburtshilfe vor dem Aus – allerdings unter anderen Vorzeichen. Am 29. November 1996 unterzeichneten Haltern, Lüdinghausen, Dülmen und Stift Tilbeck einen Kooperationsvertrag. In den einzelnen Häusern mit insgesamt 700 Betten sollten Schwerpunkte gebildet und rechtzeitig Sparpotenziale genutzt werden, um ortsnahe Grundversorgung zu stärken.

Die Krankenhäuser gaben 1997 bekannt, dass das Gesundheitsministerium NRW fordere, eine Geburtshilfe-Station zu schließen. Alle drei Häuser verzeichneten zu diesem Zeitpunkt pro Jahr etwa 400 Geburten. Damit sei nicht mehr wirtschaftlich zu arbeiten, die Krankenkassen drängten auf Schließung.

Das Franz-Hospital in Dülmen renovierte dennoch seine Entbindungsstation und vereinbarte eine Kooperation mit der Coesfelder Kinderabteilung, nach der zu früh geborene oder erkrankte Babys dorthin oder zur Klinik Datteln gebracht wurden.

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1998 drohte deshalb Haltern die Schließung der gynäkologisch-geburtlichen Abteilung. Weil die Bettenzahl dann nämlich unter 200 sinken würde, war plötzlich die Existenz des ganzen Krankenhauses bedroht. In Haltern regte sich großer Widerstand, initiiert vom Krankenhaus selbst. Der damalige Bürgermeister Erwin Kirschenbaum: „Fällt die Abteilung in Haltern weg, ist die Gesamtstruktur und damit die Existenz des gesamten Sixtus-Krankenhauses bedroht.“ Im Verbund galt nur noch Konkurrenz statt Kooperation.

Mit Unterstützung der Politik, der niedergelassenen Ärzte, der Verbände und Hilfsorganisationen und Halterner Familien entwarf das Krankenhaus ein Aktionsprogramm mit Unterschriftenliste, Infostand, Abfassung einer Resolution und Demonstration, damit die Geburtshilfe in Haltern bleiben konnte. Der damalige Landtagsabgeordnete Fritz Kollorz kam im Februar nach Haltern und sagte: „Wir haben bei den Krankenhäusern in NRW eine Finanzlücke von einer Milliarde Mark. Klar ist, dass der Verteilungskampf immer härter wird.“

Im gleichen Monat wurden in der Stadt Aufkleber „Ein Herz für unser Krankenhaus“ verteilt, Eltern protestierten mit Plakaten an Kinderwagen gegen die drohende Schließung der Gynäkologie. Im März fuhren 50 Halterner nach Düsseldorf, um Listen mit 30.289 Unterschriften zum Gesundheitsministerium zu bringen.

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Am 10. Juni 1998 verkündete Dechant Bruno Pottebaum den Ausstieg aus dem Kooperationsvertrag. Hintergrund: Ursprünglich hatten die Partner vereinbart, dass die Neurologie in Dülmen aufgestockt wird, im Gegenzug die Gynäkologie schließt. Nach heftigen Demonstrationen in Dülmen hieß es plötzlich, Haltern solle die Geburtsstation schließen. Pottebaum: „Damit war die ursprüngliche Vereinbarung nach dem Prinzip ‚Geben und Nehmen‘ hinfällig.“

Gleichzeitig änderte Haltern die Trägerstruktur: Nicht mehr der Kirchenvorstand in Person des Pfarrers sollte Träger sein, sondern eine GmbH mit Geschäftsführer und Aufsichtsrat. Zum 1. Januar 1999 gründete sich die Gesellschaft „Katholische Kliniken Haltern/Marl/Westerholt“. Zu diesem Zeitpunkt hatte Haltern 220 Betten, 36 auf der Gynäkologie/Geburtshilfe. Der bisherige Verwaltungsleiter Werner Buthmann wurde neben Andreas Hauke und Norbert Fockenberg einer der drei Geschäftsführer.

Am 3. Februar verkündete das NRW-Gesundheitsministerium, die Zukunft des Sixtus-Hospitals sei gesichert. Es flossen wieder Gelder aus dem Investitionsprogramm.

Die Sondersitzung des Rates der Stadt Haltern findet am 9. Mai um 18 Uhr im neuen Rathaus, Dr. Conrads-Straße 1, statt. Sie ist öffentlich.

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