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In Haltern werden zum 1. August noch dringend Azubis gesucht

Ausbildungsstellen

Fast 600 offene Ausbildungsstellen verzeichnete die Arbeitsagentur Ende Juni in Haltern und Umgebung. Die Chancen für Bewerber stehen gut.

Haltern

von Eva-Maria Spiller

, 12.07.2018
In Haltern werden zum 1. August noch dringend Azubis gesucht

Vor allem im Lebensmittelhandel fehlen Auszubildende. © picture alliance / Bernd Settnik

Im Geschäftsstellenbereich der Arbeitsagentur Recklinghausen, Oer-Erkenschwick und Haltern gab es Ende Juni noch 567 unbesetzte Ausbildungsstellen. Das entspreche 0,9 Stellen pro Jugendlichem (597), der noch keine Ausbildungsstelle gefunden hat, teilt Cordula Cebulla, Pressesprecherin der Geschäftsstelle mit: „Das Verhältnis ist nahezu ausgeglichen.“

Besonders viele Stellen seien aktuell noch im Bereich Einzelhandel (Lebensmittelhandel) frei. Auch Kaufleute für Büromanagement, in der Chemiebranche, Friseure, Medizinische Fachangestellte und Handwerker (z.B. Tischler, Sanitär-Heizung-Klima) werden noch gesucht.

Mehr gemeldete Jobs

Den ausschlaggebenden Grund für das ausgewogene Stellen-Azubi-Verhältnis sieht Cebulla darin, dass wieder mehr Ausbildungsstellen gemeldet würden. Ein anderer Grund sei, dass weniger Jugendliche nach Ausbildungen suchten, weil viele sich für ein Studium entschieden.

„Es ist deutlich besser als in den Vorjahren und zu Beginn des Ausbildungsjahres“, so Cebulla. Noch 2017 habe es nur 0,5 Stellen pro Bewerber gegeben (2016: 0,6). „In den vergangenen Jahren haben sich Betriebe aus Frust über nicht geeignete Bewerber entschieden, nicht mehr auszubilden. Aber je enger der Fachkräftemangel seine Schlinge um den Hals legt, desto größer wird der Druck“, sagt Cebulla. „Es ist der Zwang, der die Betriebe treibt.“

„Das ganze Handwerk ist tot“

Gleichzeitig heiße der positive Trend aber nicht, dass jeder Bewerber für jede Stelle geeignet sei oder jeder Jugendliche auch die entsprechende Stelle haben will. „Aber jemanden nur wegen seines Zeugnisses abzulehnen, sollte und kann man sich nicht mehr erlauben“, so Cebulla. „Denn sonst gehen einige Qualifikationen eines Jugendlichen an einem Betrieb vorbei“, sagt Cebulla.

„Wir suchen zum 1. August noch Auszubildende im Verkauf und in der Produktion“, sagt die Vorgesetzte im Verkauf der Fleischerei Redlich, Nicole Walter. „Das ganze Handwerk ist tot, keiner will den Beruf mehr lernen“, so Walter.

Mangel in Haltern

Bisher habe der Betrieb zwar eine Bewerbung erhalten, aber die sei nicht infrage gekommen. „Eine 2 oder 3 in Deutsch und Mathe müssen schon sein, weil man sonst in der Berufsschule nicht weiterkommt“, so Walter. Ein Hauptschulabschluss sei ausreichend.

Auch das Sanitär- und Heizungsunternehmen Ludger Daldrup ist aktuell noch auf der Suche: „Wir suchen zum 1. August noch einen Azubi für die Ausbildung zum Installateur“, sagt Oliver Nache, Mitarbeiter im Betrieb. Trotz mehrmonatiger Zeitungsannonce habe sich bisher niemand auf die Ausbildungsstelle beworben. „Generell merkt man den Facharbeitermangel. Die Jugendlichen gehen alle erst einmal weiter zur Schule. Im Moment ist die Bereitschaft bei der Generation für den Beruf nicht da“, so Nacke. Im Betrieb komme es vor allem auf die Arbeitsbereitschaft und das Persönliche an. „Natürlich sind bessere Noten gut, aber das ist nicht der ausschlaggebende Punkt“, sagt Nacke.

Die Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen (IHK) verzeichnet aktuell ein Plus von 6,4 Prozent an unterschriebenen Ausbildungsverträgen im Kreis Rcklinghausen. Bis Ende Juni seien 893 Ausbildungsverträge in verschiedenen Handels- und Dienstleistungsbetrieben im Kreis unterzeichnet worden, teilt Carsten Taudt, Bereichsleiter Bildung und Fachkräftesicherung der IHK Nord Westfalen mit. „Bis Ende des Jahres erwarten wir rund 1800 unterzeichnete Ausbildungsverträge“, so Taudt.