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Manöver statt Museum

Haltern Die Grundsteinlegung für das Museum an der damaligen Westpromenade, heute Rochfordstraße, fand im Juli 1906 statt.

In einer Urkunde, die vom 1. Vorsitzenden des Altertumsvereins, Dr. Conrads, eingemauert wurde, war der Zweck des geplanten Museums beschrieben. Neben der Ausstellung der römischen Grabungsfunde sollte das Museum auch "der Aufbewahrung und Sammlung derjenigen Gegenstände dienen, welche von den Altvorderen (Vorfahren) als Zeugen ihrer Gebräuche und Sitten auf uns gekommen sind". Sein Name war daher Römisch-Germanisches Museum.

Roter Adlerorden

Noch während der provisorischen Unterbringung in einem städtischen Verwaltungsgebäude in der Goldstraße ab 1965 war von den vier Ausstellungsräumen einer für die vorgeschichtlichen (germanischen) Funde reserviert. Dank der Großzügigkeit von Kaiser Wilhelm II., der aus seinem Allerhöchsten Dispositionsfonds 10 000 Mark springen ließ - das waren 40 Prozent der Baukosten -, konnte das Haus schon im August 1907 eingeweiht werden.

Als Seine Majestät anlässlich des Kaisermanövers Ende August 1907 in Münster weilte, überreichte er dem 1. Vorsitzenden Dr. Conrads den Roten Adlerorden 4. Klasse, wobei sich dieser wohl mit einer Einladung zur Besichtigung der Ausgrabungen in Haltern revanchierte. Aus Zeitmangel musste der Kaiser absagen. Auch ein Huldigungstelegramm an ihn am Tag der Museumseinweihung hatte nichts bewirkt.

Immerhin sollten sich die Professoren Dragendorff und Koepp bereithalten für einen Vortrag, um dabei die bemerkenswertesten Funde des Museums vorzulegen. Doch auch dazu ist es nicht gekommen. Wilhelm II. zog lieber ins Manöver.

"Nun aber ist es doch wahrscheinlich, dass bei seiner in Aussicht gestellten Wiederholung des Besuches in Münster der Kaiser seinen Weg auch nach Haltern nimmt", hoffte damals die Heimatzeitung. Auch dieser Besuch hat nicht stattgefunden.

Schenkung

In die Schlagzeilen geriet das Museum erst wieder im Jahr 1939, als überraschend für die Öffentlichkeit die Stadt eine Woche vor ihrem 650-jährigen Stadtjubiläum ein bedeutendes Geschenk erhielt. Der Verein für Geschichte und Altertumskunde übereignete ihr im Wege der Schenkung sein römisch-germanisches Museum mit allen Ausstellungsstücken.

Entsprechend salbungsvoll war die Dankesrede von Bürgermeister Schenuit. Von nun an hieß der Altertumsverein per Satzung auch "Heimatverein".

Römische Scherben waren nicht mehr gefragt. Germanische Helden und verdiente Männer der NS-Bewegung traten an die Stelle von Drusus und Varus. Wird fortgesetzt. Rudi Marwitz

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