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Die Sozialen Netzwerke in Haltern am See

Nachbarschaftsleben in der digitalen Welt

HALTERN In den Sozialen Netzwerken haben viele Leute wesentlich mehr Kontakt zu Mitmenschen als in der analogen Welt. Das birgt Gefahren fürs Zusammenleben, aber auch tolle Möglichkeiten, wie ein Halterner Beispiel zeigt.

Nachbarschaftsleben in der digitalen Welt

Ein gern genommenes Fotomotiv: Halterns Siebenteufelsturm. Foto: Foto: Benjamin Glöckner

Der Wecker im Smartphone klingelt, und wenn man das Teil so früh am Morgen schon mal in der Hand hat, kann man ja auch direkt nachgucken, was man so verpasst hat. „Die Sunny-Sunday-Kanutouren starten wieder auf der Lippe“, schreibt die Halterner Stadtagentur bei Facebook. In Recklinghausen wurde ein Tresor geklaut, schreibt die Polizei im Beitrag direkt darunter, und noch etwas tiefer muss sich jemand schweren Herzens von seinen Katzen trennen und sucht für sie ein neues liebevolles Zuhause.

Je nach Seite oder Gruppe sieht man in den Sozialen Netzwerken, vor allem bei Facebook, verschiedene Aspekte unserer Heimat. In einer Gruppe organisiert sich die Flüchtlingshilfe, woanders wird unter einem Artikel gegen Zugezogene gehetzt. Die einen freuen sich über einen Ruheforst in Sythen, die anderen ärgern sich, dass man dort nicht mehr spazieren gehen kann. Die einen beglückwünschen die Polizei für eine gute Aufklärungsquote bei Straftaten, die anderen vermuten absichtlich geschönte Zahlen der Behörde. Und ganz andere möchten einfach nur lustige Fotos ihrer Haustiere oder Bilder mit philosophischen Sprüche verbreiten.

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Alle Parteien treffen in den Kommentarspalten der großen Halterner Seiten und Gruppen aufeinander. Während Nachbarschaften, Arbeitskollegen, Sportmannschaften und andere Grüppchen, die sich im realen Leben gebildet haben, über geschlossene Whatsapp-Gruppen geschützt kommunizieren, prallen auf den großen Seiten viele ganz gegensätzliche Menschen quasi in freier Wildbahn aufeinander. Nicht selten wird dabei wüst gepöbelt und die Streithähne vergessen hinter ihren Bildschirmen die gute Kinderstube. Es gibt aber auch positive Beispiele der Nachbarschaftshilfe.

Besonders viele Fans bekam vor einigen Jahren die Seite „We Love Haltern am See“, fast 18.000. Wir lieben unsere Stadt, allein der Name gefällt. Jonas Ohlms verbreitet Anfragen von Bürgern, die sich nach den verschiedensten Dingen erkundigen. Gefundene Handys, Partyankündigungen oder Ärger über die Verteilung von Gelben Säcken. „Anfang 2011 startete ich mit Arbeitskollegen aus meiner Werbeagentur einen Wettbewerb“, erzählt Ohlms: „Jeder wollte versuchen, möglichst viele Fans auf Facebook für die eigene Stadt zu erreichen.“ Irgendwann sei daraus ein echtes Geschäft geworden. Seitdem gibt es auch bezahlte Anzeigen auf der Seite.

„Es gibt so viele positive Erlebnisse, die uns die Benutzer mitteilen“, sagt Ohlms: Es sei schön zu sehen, wie sich die Nutzer gegenseitig helfen. „Leider verbreiten sich auf Facebook, wie im echten Leben, die schlechten Gerüchte besser als die guten.“ Weil auf der Seite auch mal richtig übel gehetzt wird, müsse sie ständig überwacht werden. Auch im Urlaub und an Weihnachten. Jonas Ohlms sagt: „Wer illegale Inhalte verbreitet, wird angezeigt.“ Jeder habe das Recht, sich mit seiner eigenen Meinung, „ob dumm oder schlau“, neben seinem Foto, Vor- und Zunamen der ganzen Stadt zu präsentieren. „Manchmal frage ich mich, ob das jedem so bewusst ist“, so Ohlms.

Der Psychologe Dr. Christian Lüdke sagt: „Die Foren sind zum einen dem Wunsch nach sozialen Kontakten entsprungen. Sie sind ein bisschen wie ein Marktplatz – man trifft alte Bekannte nach Jahren wieder, tauscht sich aus.“ Es ist kein Zwang dahinter, aber man habe das Bedürfnis nach Zugehörigkeit in einer Stadt: „Das ist das menschliche Grundbedürfnis dazu zu gehören. Wir sind nun mal nicht dazu geschaffen, alleine auf unserem Planeten herumzulaufen.“

Der Halterner mit der meisten Reichweite in den Sozialen Netzwerken ist der Fußballprofi Benedikt Höwedes. Der Weltmeister hat bei Facebook, Twitter und Instagram insgesamt 1,7 Millionen Fans. Möglichst viel vom Privatleben des Promis möchten die Menschen dadurch erfahren und Höwedes lässt sie ein Stück weit auch teilhaben. Er teilte es den Nutzern mit, als er nach einer Verletzungspause wieder mit dem Training begann, er postet ein Bild beim Ausflug mit Elektro-Fahrrad und seinem wuscheligen Eurasier-Hund namens „Sommer“.

Facebook bietet auch geschlossene Gruppen an. Um die Beiträge lesen zu können, muss man eine Anfrage von Administratoren bestätigen lassen. So ist das zum Beispiel bei der Gruppe, die einfach nur „Haltern am See“ heißt und der namens „Gratis in Haltern am See“. Beide haben über 4000 Mitglieder – das ist immerhin mehr als jeder zehnte Halterner.

Die „Gratis-Gruppe“ ist die größte aus der Stadt, in ihr können die Mitglieder alles anbieten, was sie gratis verschenken möchten. Einzige Voraussetzung: Es muss gratis sein. „Die Gruppe hat Tanja Abendroth vor sechs Jahren gegründet“, berichtet Conny Schäffer, die jetzt eine von drei Administratorinnen ist. „Es ging einfach darum, dass man mit Sachen, die man selbst nicht benötigt, anderen noch eine Freude machen kann.“ Und von da an wuchs die Gruppe und wuchs und wuchs. Rund 4500 Menschen sind inzwischen Teil der Geschenk-Aktion.

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Angebote zum Verschenken müssen von dem Dreierteam erst freigeschaltet werden, weil es eine Zeit lang Überhand nahm mit Leuten, die trotzdem etwas verkaufen und Gewinn machen wollten, berichtet Schäffer. Viele Gespräche gebe es in der Facebook-Gruppe nicht, „aber beim Abholen wird gerne mal ein Schwätzchen gehalten“, sagt Conny Schäffer. Ein einzigartiges Angebot in der Stadt – und ein Vorzeigebeispiel dafür, welchen Nutzen Soziale Netzwerke den Menschen bieten können.

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