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Netz fischt Kunden

Haltern Der Versandhandel im Internet boomt. Ob Bekleidung, Elektroartikel oder Schuhe - Online-Anbieter verschleudern Markenware zu Tiefstpreisen. Darunter leiden auch Halterns Einzelhändler.

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"Dass die Leute zunehmend im Internet einkaufen, spüren wir auf jeden Fall", sagt Hardy Kleinefeld. Über mangelnden Zulauf klagt der Inhaber eines Sportgeschäfts nicht. Das Problem ist ein anderes.

"Immer häufiger kommen Kunden ins Geschäft, lassen sich ausführlich beraten, kaufen dann aber nichts, selbst wenn ihnen ein Produkt gefällt", erklärt Kleinefeld. Vielen merke man schon beim Betreten des Ladens an, dass sie von vornherein mit dem Gedanken spielen, sich die Ware ihrer Wahl nach der persönlichen Kaufberatung im Internet zu besorgen. Am meisten ärgern ihn besonders dreiste Kandidaten, die gar keinen Hehl daraus machen und den Verkäufern nach der Visite im Fachgeschäft ins Gesicht sagen, dass sie "im Netz ja sowieso alles viel billiger" bekämen.

"Aber billiger heißt eben nicht preiswerter", betont Kleinefeld. Gewiss könne er keine Dumping-Konditionen bieten, "wie ein Versandhandel irgendwo auf der grünen Wiese, der keine Innenstadtmiete, kein Fachpersonal und keine Mitarbeiterschulungen bezahlen muss." Dafür sei bei ihm das Preis-Leistungs-Verhältnis ausgewogen. "Und das wissen die meisten Kunden glücklicherweise noch zu schätzen."

Schwerer Stand

Als Elektrofachhändler hat Tim Philipps im Zeitalter des Internet-Handels einen besonders schweren Stand. TV-Geräte oder DVD-Spieler sind auf den virtuellen Märkten heiß begehrte Waren. Auch Philipps stört gewaltig, "dass die Kunden eine Beratung durch den Fachmann wünschen, aber nicht dafür zahlen wollen."

Der Kaufmann fragt sich, wie er künftig die Ausbildungskosten für solche Fachkräfte aufbringen soll, wenn der Wettbewerbsdruck durch den zunehmenden Online-Kommerz stetig wächst und die Umsätze im Einzelhandel schmälert. Philipps: "Wenn die Kinder der Kunden einen Job suchen, werde ich ihnen bald sagen müssen, dass sie sich bei Amazon in München bewerben sollen."

Auch Hans-Joachim Heckmann, Senior-Chef des gleichnamigen Modegeschäftes, bestätigt: "Durch den Internet-Handel bekommen wir spürbaren Wind von vorne." Dramatisch sei die Situation jedoch nicht. "Auch wenn es bequemer ist, per Computer von zuhause aus einzukaufen: Viele empfinden den Einkaufsbummel als Freizeitspaß und lassen dabei ihr Geld auch in den Städten."

Die frühen Ladenschlusszeiten in den Kleinstädten und die Konkurrenz durch große Einkaufszentren seien wesentlich bedenklicher, sagt Heckmann.

Kein Service-Anspruch

Oliver Entrop, Sprecher der Werbegemeinschaft und Betreiber von drei Handy-Shops in Haltern, macht der Kundschaft immer wieder deutlich: "Wer im Internet kauft, hat auch keinen Anspruch auf meinen Service - das leuchtet den meisten ein, auch wenn sie bei mir ein paar Euro mehr als im Netz zahlen müssen."

Auf die harte Konkurrenzsituation durch das Internet reagiert er, "indem ich bald selbst einen Online-Shop einrichte." Christoph Walter

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