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Nur nicht den Anschluss verlieren

Haltern Ein Mobiltelefon haben Maria und Willi Henze seit vier Jahren in der Tasche. Ein Geschenk von Sohnemann Frank. Damit sie für den Rest der Familie überall und jederzeit erreichbar sind. Die Henzes finden das Gerät "wirklich sehr praktisch" - fühlen sich durch die vielen Knöpfe und Zeichen im Display jedoch überfordert. "Das Telefon ein- und ausschalten, eine Nummer eintippen und wählen oder einen Anruf entgegennehmen, das klappt ja ganz gut", sagt Maria Henze und lächelt: "Aber dann sind wir mit unserem Latein auch schon am Ende...- leider."

Jetzt wollen es die Henzes wissen: Wie schreibt oder empfängt man eine SMS. Wie löscht man den Posteingang? Und wie verwaltet man das virtuelle Telefonbuch? Die 62-Jährige und ihr 66-jähriger Gatte wollen schließlich den Draht - oder besser gesagt: den Funkkontakt - zu ihren Kindern und Enkeln nicht verlieren, erst recht nicht den Anschluss an den Fortschritt. Dafür fühlt sich das Ehepaar noch viel zu jung.

Bei Handy-Händler Oliver Entrop können sie ihre Fragen abfeuern. In seiner Firmenzentrale sitzen sie mit 13 weiteren Damen und Herren im besten Alter an der Kaffeetafel. Alle haben ein Handy. Einige von ihnen wissen aber nicht einmal, wie sie den Akku aufladen, geschweige denn, das Gerät anschalten können. Dumme Fragen gibt es in dieser Runde folglich nicht. Keine Erklärung ist überflüssig - auch nicht nach der x-ten Wiederholung. Jeder hat Verständnis für den anderen, die Mobilfunk-Amateure sind unter sich.

Ungeduldige Jugend

Nach dem Kursus sind Maria und Willi Henze begeistert und ein ganzes Stück schlauer. "Wenn unsere Kinder oder Enkel das Telefon erklären, drücken sie immer so schnell auf den Tasten rum, dass keiner mitkommt", erklärt Maria Henze, warum sie die sechs Euro Kursgebühr für eine sinnvolle Investition hält. "Die jungen Leute haben einfach keine Geduld!" Oliver Entrop schon. Zwei Stunden lang. Dann entlässt er die gut geschulte Gruppe.

Die nächsten Kandidaten stehen bereits in den Startlöchern, der Beratungsbedarf scheint enorm zu sein. Entrop: "Nach zwei Tagen waren alle drei Kurse komplett ausgebucht."

Christoph Walter

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