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OP gelungen - Patient tot

Sythen Dr. Rainer Tewes legt sich für eine komplizierte Kiefer-Operation Skalpell, Bohrer und Fräse zurecht. Auf die Narkosespritze kann der Zahnarzt getrost verzichten - sein "Patient" ist bereits tot.

Zeit fürs Mittagessen auf dem Prickings-Hof: Im Restaurant des landwirtschaftlichen Vorzeigebetriebs verspeisen die Gäste saftige Schweineschnitzel. Die Köpfe der Borstenviecher kommen hinter verschlossenen Türen in einem Nebenraum auf den Tisch: Zum Abschluss einer Fortbildung auf dem Gebiet der Implantologie setzen dort 25 Zahnärzte aus dem Ruhrgebiet das theoretisch Erlernte in die Praxis um.

Dr. Tewes schlüpft in den grünen OP-Kittel und lässt die Finger in die Latex-Handschuhe flutschen. Durch seine Brillenlupe begutachtet er den grob aus dem Schädel herausgetrennten Unterkiefer eines Hausschweins, der dem menschlichen Pendant anatomisch verblüffend ähnelt.

Auf einem Porzellanteller mit Blumenmuster liegt das Präparat vor ihm. "Ein bisschen ekelig ist das ja schon", meint der Dentist und setzt das Skalpell an. "Was soll's", zuckt Tewes gelassen mit den Achseln. "Besser so, als wenn ich an meinen Patienten herumexperimentieren würde."

Denn genau darum geht es: Ungehemmt können er und seine Kollegen neue Techniken ausprobieren, Zahnimplantate im Kieferknochen zu verankern. "Wenn was schief gehen sollte, wird sich dieses Kerlchen hier ganz bestimmt nicht mehr beklagen", murmelt Dr. Wolfgang Stemmermann am Nachbartisch, während er mit einem Haken das Zahnfleisch seines Präparats behutsam beiseite schiebt.

Mundhygiene

"Die Mundhygiene meines Kandidaten lässt ziemlich zu wünschen übrig", scherzt er und kratzt an dicken Zahnsteinschichten. "Wäre das ein echter Patient, könnte ich gar kein Implantat einsetzen - da würde sich alles entzünden."

Der Simulation tut das keinen Abbruch. Surrend frisst sich Stemmermanns Bohrer in den Kieferknochen - und um den Bohrer herum surren die ersten Fliegen. Angelockt vom Verwesungsgeruch, der inzwischen in der Luft liegt.

Dr. Dr. Thomas Olivier und Kompagnon Dr. Tobias Wienhöfer vom Fortbildungsinstitut Implantologie Rhein-Ruhr bieten die Praxisschulung auf dem Prickings-Hof regelmäßig an. Weil Hausherr Thomas Döpper die Zahnärzte zuverlässig mit Schweineköpfen versorgen kann. Olivier: "Und weil es sich nach der Übung im Hofrestaurant ganz wunderbar feiern lässt."

Christoph Walter

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