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Leiterin der Stadtbücherei Haltern verrät Pläne

Stadtbücherei Haltern bald 24 Stunden geöffnet?

HALTERN. Seit einem Jahr leitet Andrea Coenen-Brinkert die Stadtbücherei Haltern. Die Diplom-Bibliothekarin hat viel frischen Wind in die Einrichtung gebracht. Im Gespräch mit Ingrid Wielens verrät die 42-Jährige, was sie in naher und ferner Zukunft noch alles vorhat.

Stadtbücherei Haltern bald 24 Stunden geöffnet?

Tiptoi-Bücher und Toniebox – neue Medien haben es Andrea Coenen-Brinkert ganz besonders angetan. Foto: Ingrid Wielens

Haben Sie sich gut in Haltern eingelebt?

Coenen-Brinkert: Ein freudiges „Ja“. Es ist natürlich ein Erbe: 37 Jahre war mein Vorgänger hier und dann bin auch noch eine Frau. Da habe ich schon gedacht: „Wie das wohl wird?“ Aber ich bin wirklich toll und herzlich aufgenommen worden. Von Mitarbeitern und Kunden. Es ist alles super.

Was hat sich geändert in der Bücherei, seit Sie hier sind?

Coenen-Brinkert: Wir haben viel eingeführt, ein bisschen die Richtung geändert. Wir haben uns alle gemeinsam entschieden, dass aus der Stadtbücherei eine Familienbibliothek werden soll. Mit Schwerpunkten, die die Familien interessieren. Augenmerk auf Kinder und Jugend. Da habe ich ganz gezielt neue Medien angeschafft. Es sind immer noch nicht alle da.

Zum Beispiel?

Coenen-Brinkert: Zum Beispiel die tiptoi-Bücher (audiodigitale Sach-, Lern- und Bilderbücher; Anm. der Redaktion). Die sind so beliebt. Dafür haben wir so viele Sponsoren bekommen. Jetzt haben wir gerade wieder eine Spende gekriegt. Und haben nochmal nachgelegt. Die Bücher werden auch gerne für die Sprachförderung von Kindern eingesetzt, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Sie hören das dann und sehen die Bilder. Das ist eine ganz tolle Sache.

Was gibt´s noch Neues?

Coenen-Brinkert: Wir haben ein neues Veranstaltungskonzept erstellt. Es gab vorher keine dauerfristigen Veranstaltungen für Kinder. Wir haben das Bilderbuchkino eingeführt – das ist die erste Leseförderung und eine feste Größe einmal im Monat. Es wird etwas vorgelesen und die Bilder werden an die Wand projiziert. Das ist Erlebnislesen. Das ist für die Kleinen ab drei – einmal im Monat. Jetzt haben wir das ganze erste Halbjahr die Kuh Lieselotte gelesen. Da habe ich die Hütte voll. Alle Karten sind ausgebucht bis August. Zum Lesen kann jeder kommen, aber anschließend basteln wir noch etwas zum jeweiligen Buch. Und dann ist da noch der Kreativnachmittag für Kinder einmal im Monat. Es wird immer etwas anderes gebastelt. Damit binden wir auch die Kinder.

Richtig eingeschlagen ist ja die Aktion „Mein Papa liest vor“ ...

Coenen-Brinkert: Das ist richtig super. Bis Ende des Jahres sind alle Veranstaltungen ausgebucht. Das hat sich als schöne Samstagsaktion etabliert. Ich überlege noch, ob wir auch noch in diesem Jahr eine Aktion „Meine Großeltern lesen vor...“ mit Märchen starten. Aber auch das Buch-Origami, das Falten von Büchern, an jedem ersten Samstag im Monat, ist total eingeschlagen. Die Kurse sind alle ausgebucht. Bibliothek ist ein kreativer Ort. Viele große Bibliotheken sind hier als offener Kreativraum mit sogenannten makerspaces viel weiter. Da werden beispielsweise 3-D-Drucker eingesetzt. Richtig gut angenommen wurden hier aber auch die Lesungen. Der Oberknaller war auch die Schreibwerkstatt für Kinder.

Welche Ziele setzen Sie sich?

Coenen-Brinkert: Mein Ziel ist es, den Leuten klar zu machen, dass die Bibliothek kein stiller Ort ist. Es soll ein Treffpunkt sein, der lebendig ist. Im besten Fall wird sie als Wohnzimmer empfunden. Ich würde mir wünschen, dass die Halterner feststellen: „Haltern braucht eine Bücherei“. Genauso wie ein Schwimmbad.

Welche Visionen gibt es?

Coenen-Brinkert: Dass meine Einrichtung genutzt wird an sieben Tagen die Woche, 24 Stunden. Das Konzept heißt „open library“ („Offene Bücherei“/Anm. d. Redaktion). Das wird ja auch immer mehr in Deutschland. Es geht um „self service“ (Selbstbedienung). Sie kommen mit Ihrem Ausweis rein – wie bei der Bank. Die Technik zum selber Ausleihen haben wir. Sie halten sich in der videoüberwachten Bibliothek auf und können sie sieben Tage die Woche nutzen. Es gibt auch Personalzeiten wie bei der Bank und sonst können Sie halt nur ausleihen. Es gibt keinen Vandalismus, keinen Ärger. Viele Kommunen machen das schon, es gibt viele gute Beispiele.

Rund um die Uhr erreichbar wie das Internet?

Coenen-Brinkert: Bibliothek ist eigentlich nicht mehr zeitgemäß. Wir haben ja hier noch Glück mit unseren Öffnungszeiten, mir liegt ja eigentlich nur der Samstag im Magen. Es gibt ja viele Bibliotheken, die wegen Personalmangels nur von 14 bis 17 Uhr geöffnet haben. Aber das Arbeitsverhalten der Leute ist heute anders, Familien kommen samstags oder abends spät noch nach der Arbeit. Wenn Sie dann um 18 Uhr zumachen, kann auch kein Buch mehr ausgeliehen werden.

Deutlich erweiterte Öffnungszeiten als ganz große Vision. Welche Ideen werden denn schon in Kürze umgesetzt?

Coenen-Brinkert: Rückgabe 24 Stunden – da arbeite ich ganz harsch dran. Ich möchte nächstes Jahr gerne eine Medienrückgabe-Klappe einführen. Das war auch ein Wunsch unserer Kunden. Geplant ist eine Medienbox, die wie eine Kleiderrückgabe funktioniert. Sie machen die Klappe auf, Medien rein, Klappe wieder zu und dann fällt das Ganze in einen Container. Für die Leute ist das dann erledigt, wir würden es am nächsten Tag zurückbuchen. Das ist eine einfache Variante, um mehr Service zu bieten. Das macht eine Bibliothek moderner. Weg vom verstaubten Image – das ist mein Ziel.

Wo gibt es noch Baustellen?

Coenen-Brinkert: Wir bieten ja auch E-Books an. Ich habe aber kein W-LAN, sprich: Ich kann den Leuten immer noch nicht zeigen, dass wir neben den physischen Medien auch ein breites Angebot an E-Books haben. Ich kann auch nicht zeigen, wie ein E-Book-Reader funktioniert. Das ist nicht zeitgemäß. Und wir haben keine Konsolenspiele.

Anfangs war noch von Verständigungsproblemen in Ihrem Team hinsichtlich der Systematik in der Bücherei die Rede. Sprechen Sie nun dieselbe Sprache?

Coenen-Brinkert: Ja (lacht). Das tun wir mittlerweile. Wir haben uns – auch im Verbund mit Recklinghausen und Marl – überlegt, dass unsere Systematik nicht mehr zeitgemäß ist. Es wird deutlich benutzerfreundlicher werden. Wir fangen im Sommer damit an, Ende des Jahres soll es fertig sein. Das war meine Hauptarbeit. Ich habe das letzte Jahr entrümpelt. Alle Medien, die die letzten vier Jahre nicht ausgeliehen worden sind, sind komplett herausgenommen worden. Ich habe alle Nachschlagewerke aus dem Bestand gezogen. Kein Mensch schlägt hier mehr im Brockhaus nach. Jetzt müssen wir noch bei den Jugendsachbüchern ran.

Wie haben sich die Nutzerzahlen entwickelt?

Coenen-Brinkert: Wir haben deutlich mehr Anmeldungen. Und jeden Monat im Schnitt 2000 Ausleihen mehr als im Vorjahresmonat.

Kauft man sich als Bücherei-Leiterin eigentlich Bücher?

Coenen-Brinkert: Ganz selten und ausgewählt. Ich bin hier in der Stadtbücherei der beste Kunde. Ich habe letztes Jahr nur zwei Bücher gekauft.

Und welche waren das?

Coenen-Brinkert: „Eine englische Ehe“ von Claire Fuller – das ist ein ganz toller Roman. Und von Steffi von Wolff „Später hat längst begonnen“. Beide Bücher haben sich echt gelohnt.

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