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Verdacht der Untreue bei Volksbank in Nienborg

Bankkunden vermutlich um 240.000 Euro geprellt

Nienborg Ein ehemaliger Mitarbeiter der Volksbank Gronau-Ahaus soll Kundengelder veruntreut haben. Ein Kunde hatte Unregelmäßigkeiten entdeckt. Das Geldinstitut hat Strafanzeige gestellt.

Bankkunden vermutlich um 240.000 Euro geprellt

Die Volksbank hat gegen einen ehemaligen Mitarbeiter ihrer Filiale in Nienborg Strafanzeige erstattet. Ermittelt wird wegen des Verdachts der Untreue.Schlusemann Foto: Bernd Schlusemann

Die Volksbank Gronau-Ahaus hat bei der Staatsanwaltschaft in Münster Strafanzeige gegen einen ehemaligen Mitarbeiter der Filiale in Heek-Nienborg erstattet. Die Vorwürfe lauten auf Verdacht der Untreue und der veruntreuenden Unterschlagung. Kunden der Volksbank soll nach Angaben von Rechtsanwalt Werner Dillerup aus Münster ein Schaden von insgesamt rund 240.000 Euro entstanden sein. Werner Dillerup von der Kanzlei Dillerup und Rohn vertritt die Interessen eines geschädigten Volksbank-Kunden.

Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Münster, bestätigte am Mittwoch auf Anfrage der Münsterland Zeitung den Eingang einer entsprechenden Strafanzeige. Zum weiteren Verfahren sagte Martin Botzenhardt, die Staatsanwaltschaft werde nun „in Ruhe prüfen“.

Die Volksbank Gronau-Ahaus erklärte am Mittwoch auf Anfrage, dass es sich um ein laufendes Verfahren handele. Sie prüfe derzeit den Sachverhalt. Entstandene Schäden werde die Volksbank Gronau-Ahaus regulieren. Weiter äußerte sich die Bank nicht.

Größerer Anlagebetrag fehlte

Mehr über den Inhalt der Strafanzeige weiß Rechtsanwalt Werner Dillerup. Ihm liegt die Akte vor, in der auch die bis jetzt bekannte Schadenssumme genannt wird. So sei der Fall ins Rollen geraten, als sein Mandant Ende vergangenen Jahres Unregelmäßigkeiten auf einem Girokonto entdeckte. „Unser Mandant ließ sich im Dezember 2017 in der Volksbank-Filiale einen Vermögensstatus geben. Die von der Bank vorgelegten Zahlen stimmten nicht mit seinen Unterlagen überein. Ein größerer Anlagebetrag fehlte und auf einem, meinem Mandanten bis dahin unbekannten Konto war ein Negativbetrag von 30.000 Euro.“

Der Bank-Mitarbeiter soll laut Werner Dillerup für seinen Mandanten ohne dessen Wissen ein Konto angelegt und dieses Konto mit einem Dispolimit bis zu einer Höhe von 30.000 Euro ausgeschöpft haben. Werner Dillerup: „Um hinterher zu verschleiern, dass der Dispokredit in Anspruch genommen wurde, hat der Bankmitarbeiter die Zinsen auf einem Unterkonto zuerst in bar in Nienborg und anschließend per Karte eingezahlt.“

Offenbar gefälschte Kontoauszüge ausgehändigt

Sein Mandant sei zudem der Auffassung gewesen, einen größeren Geldbetrag bei der Bank in einen sogenannten Wachstumssparer angelegt zu haben. Seinem Mandanten seien hierfür offenbar gefälschte Kontoauszüge und Wachstumssparunterlagen ausgehändigt worden. In Wirklichkeit, so Werner Dillerup, habe der Mitarbeiter das Wachstumssparen-Konto offenbar taggleich angelegt und sofort wieder aufgelöst.

Zusätzlich seien die Fälligkeit des Wachstumssparens, die Kontoauszüge und die Zinsstaffel gefälscht worden. Der Rechtsanwalt vermutet, dass der Mitarbeiter die Kundengelder in bar auf sein eigenes Konto eingezahlt hat. Werner Dillerup: „Die Fälschungen haben dazu geführt, dass unser Mandant in dem Glauben gelassen wurde, über ein mehrjähriges Wachstumssparkonto zu verfügen, welches ihm über die Jahre ein steigendes Zinsversprechen suggerierte.“

Anwalt spricht von „krimineller Energie“

Aus der Strafanzeige ergebe sich, dass der Mitarbeiter der Bank offenbar ohne Einbindung der sonst üblichen Bankensoftware und „vermeintlich ausschließlich unter Einsatz einer Schreibmaschine“ die Vorgänge abwickelte. Nicht ersichtlich sei derzeit, weshalb dieses System so lange bei der Bank unerkannt bleiben konnte. „Ebenfalls ungeklärt bleibt vorerst, dass unserem Mandanten eine Girokarte zu einem von ihm nicht angelegten Konto ausgehändigt wurde, die offenbar ohne Nutzungsmöglichkeit war. Dies gibt Einblick in die kriminelle Energie, die der Mitarbeiter offenbar aufgebracht hat, um die Vorgänge abzuwickeln.“

Darüber hinaus sei es dem Mitarbeiter offenbar möglich gewesen, selbst einfache Sparbücher zu manipulieren. „Uns liegen Unterlagen vor, dass ursprünglich bestehende Guthaben durch manuelle Eintragungen verändert wurden, um tatsächliche Entnahmen zu verschleiern“, erklärt der Rechtsanwalt. Über welchen Zeitraum der ehemalige Mitarbeiter die Konten manipulierte, sei noch offen. Auch die Zahl der betroffenen Kunden steht nach Auskunft des Rechtsanwaltes noch nicht fest. Werner Dillerup rät Kunden der Bank, eigene Vertragsunterlagen und Belege durchzusehen und Kontoauszüge zu prüfen.

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