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Pferdeprofi Alexander Madl in Nienborg

Bayer mit Pferdeverstand gibt Tipps im Reitstall

Nienborg „Ja mei“ – Die Sprachfärbung ist unverkennbar: Hier ist ein Bayer am Werke. Ein Naturbursche, wie er im Buche steht. Klar, dass ihn Pferde verstehen. Der Pferdeprofi Alexander madl war zu Besuch im Pferdestall in Nienborg.

Bayer mit Pferdeverstand gibt Tipps im Reitstall

Im Dialog mit den Zuschauern: Immer wieder geht Alexander Madl auch auf Zwischenfragen aus dem Publikum ein. Foto: Susanne Menzel

Alexander Madl ist „bekannt aus Funk und Fernsehen“. Wie er da so steht in der Reithalle, die langen Haare zum Zopf gebunden, Bart, derbes Schuhwerk und robuste Arbeitskleidung, merkt man, der Titel scheint ihm kaum etwas zu bedeuten. Wo sich andere seiner Branche gerne mit dieser Bezeichnung schmücken, gibt sich der 38-jährige Pferdetrainer ganz unkapriziös. Der wache Blick auf den Vierbeiner vor ihm gerichtet, im Dialog mit Pferd und Besitzerin.

Zwei Tage ist der Pferdeprofi an diesem Wochenende zu Gast beim Reitverein St. Georg Heek-Nienborg. „Ich habe Alexander Madl im letzten Jahr auf der Equitana kennengelernt“, erzählt Reitsprecherin Katharina Deitmers. „Wir hatten schon damals überlegt, ob wir nicht mal einen besonderen Kurs anbieten sollen. Ich habe daraufhin mehrere Trainer angesprochen, Alexander Madl hat letztlich zugesagt.“

Schwierige Terminsuche

Wobei sich die Terminsuche zunächst schwierig gestaltete: „Madl ist nur während der Wintermonate unterwegs. Und da war die Zeit zwischen Oktober und Februar schon vollends ausgebucht. So mussten wir auf den März ausweichen“, sagt Katharina Deitmers. Dass es geklappt hat, den prominenten Fachmann an die Dinkel zu holen, freut zahlreiche Reitfreunde, die sich am Samstagmorgen in der Halle eingefunden haben.

Mit den verschiedensten Anliegen sind sie nicht nur aus der Umgebung, sondern zum Teil sogar aus Dortmund oder Ibbenbüren samt ihrer Pferde angereist. „Zum Teil haben einige Besitzer kleinere Probleme mit ihren Tieren, zum anderen erhoffen sie sich von Madl Tipps, wie sie ihrem Tier bessere Hilfen vom Boden aus oder aus dem Sattel geben können“, umschreibt Deitmers das breite Spektrum. Zahlreiche Gäste sind aber auch nur zum Zuschauen dabei und hoffen, sich den ein oder anderen Kniff abschauen zu können.

Fokus auf gemeinsame Arbeit

Alexander Madl widmet sich unterdessen „Choco“, einem 14-jährigen Deutschen Reitpferd, das seine Besitzerin gerade durch die Bahn führt. „Die Stute hat zwei Gesichter“, schildert die junge Frau: „Mal ist sie völlig ausgeglichen, lieb, anhänglich und ruhig. Dann gibt sie sich von der einen auf die andere Minute bockig und rücksichtslos.“ Der Pferdeprofi hört ruhig zu und fordert die Reiterin auf, ein paar Übungen mit ihrer Stute zu machen. Das Problem hat er nach wenigen Minuten erkannt: „Sie ist mit der Hinterhand unkoordiniert, besitzt ein schlechtes Gleichgewicht.“ Madl nimmt den Strick selbst in die Hand und zeigt der Reiterin, welche Übungen sie in Zukunft mit ihrem Vierbeiner ausführen kann, um die Situation zu verbessern. Immer wieder auf den Einzelfall eingehend, nimmt der 38-Jährige auch das zuschauende Publikum mit. Geht geduldig auf die Zwischenfragen ein, erklärt und zeigt.

Wer an diesem Wochenende eine Art „Knochenbrecher“ erwartet hat, der mit viel Tammtamm seine „Wunder“ vorführt, sieht sich (zum Glück) getäuscht. Pferdeprofi Madl legt seinen Fokus auf die gemeinsame Arbeit – nicht ohne den gesundheitlichen Aspekt aus dem Blick zu verlieren. „Chef im Ring ist der Reiter“, betont der Bayer, „nicht das Pferd. Das hat den Abstand zum Reiter zu akzeptieren.“

Der Anfang ist gemacht

Als nächste bringt Katharina ihren Tinker „Gammon“ herein. Der ist an und für sich cool und brav, wie die Ahauserin erzählt, er kann aber auch anders: „Wenn er Stress bekommt, rennt er los. Und Longenarbeit mag er gar nicht. Da verweigert er sich. Das, was er zu wenig an Energie an den Tag legt, muss ich doppelt so viel leisten.“ Was „Gammon“ umgehend demonstriert. Im Schneckentempo zockelt er über den Sand.

Da kann Katharina noch so schnalzen oder mit dem Strick wedeln: Der Tinker hat die Ruhe weg. Bis Madl kommt, ihn kurz provoziert – und wieder zurückholt. „Technisch ist dein Problem eigentlich simpel zu lösen“, sagt er. Und erklärt, „dass Pferde jede kleinste Regung des Menschen beobachten, registrieren und darauf reagieren.“ Katharina scheint verstanden zu haben. Ebenso wie „Gammon“. Zwar ist es noch ein längerer Weg, bis die beiden perfekt miteinander harmonieren, aber der Anfang ist gemacht. Menschen und Pferde sprechen besser als zuvor eine gemeinsame Sprache. Es muss ja nicht unbedingt bayerisch sein.

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