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Die letzte Fahrt des Milchbauern

Heek/Ahaus Freitag, kurz vor zwölf im Windhuk: Der weiße Bulli von Bernhard Lütke Vestert aus Ahle biegt um die Ecke und fährt die Häuser an, um pünktlich wie seit Jahrzehnten die Milch auszuliefern. Eigentlich ist alles wie immer, doch der Schein trügt - es ist die letzte Fahrt des Milchbauern, denn Lütke Vestert hört nach 56 Jahren auf.

Die Tradition des Familienunternehmens reicht allerdings noch viel weiter zurück, denn sein Vater Heinrich begann damit im Jahr 1933. Insgesamt 74 Jahre Milchlieferung stehen somit zu Buche, und Bernhard Lütke Vestert ist seit 1951 aktiv dabei: zunächst bis 1957 mit dem Fahrrad, dann mit Pferd und Wagen - noch zusammen mit seinem Vater, der ein weiteres Gespann fuhr - ob es stürmte oder schneite. 1961 dann kam das erste motorisierte Fahrzeug hinzu, was vieles erleichterte. Lütke Vestert musste nicht mehr bereits um 5 Uhr morgens mit der Arbeit beginnen, und der Wagen bot mehr Schutz - geliefert werden musste jedoch immer noch bei Wind und Wetter. Ausgefallen ist kaum eine Milchlieferung: Selbst als Bernhard im Jahr 1966 an der Molkerei an der Heeker Straße einen schweren Unfall hatte, sprang sein Bruder Alois ein und fuhr.

Treue Kundschaft

Schlechtes Wetter bei der Auslieferung hat Bernhard Lütke Vestert in den ganzen Jahren ohnehin nicht viel ausgemacht. "Ich habe es immer gerne getan", sagt er. Das bestätigt auch Franzis Schücker vom Windhuk, seit vielen Jahren Milchkundin: "Wir sind ganz traurig, dass er aufhört. Er ist so ein prima Mensch, es hat die ganzen Jahre über nie Probleme gegeben." Und Nachbar Bernhard Wittebrock ergänzt: "Er wird regelrecht vermisst hier. Man konnte sich immer nett unterhalten" - auch über die alten Zeiten, als es noch gar keine richtigen Straßen gab.

Überhaupt hat Lütke Vestert "auf Oldenburg" und im Moorbach, wo er bis zuletzt geliefert hat, seine treuesten Kunden. Früher jedoch war sein Gebiet weitaus größer: Er versorgte das ganze Rosenthal, die Wessumer Straße, den Kusenhook - immer pünktlich, immer freundlich, immer korrekt, wie überall zu vernehmen ist.

Schulmilch bleibt

So viel Lob gibt Bernhard Lütke Vestert gern zurück: "Ich möchte mich ganz herzlich bei allen meinen bisherigen Kunden für ihre Treue bedanken." Warum er überhaupt aufhören will, etwa aus Altersgründen? - Nein, das liege an den weiter steigenden Milchpreisen: "Was soll ich auf den Preis, zu dem ich einkaufen muss, noch draufschlagen? Das nimmt doch keiner mehr ab", beklagt der 71-Jährige.

Ganz an den Nagel hängt er den Job allerdings dann doch noch nicht: "Seine" elf Schulen und Kindergärten im Stadtgebiet und den Ortsteilen will er auch weiterhin mit Milch versorgen. mel

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