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Den Mangel bewältigen

HERBERN Jeder organisiert so gut er kann. Die ersten Nachkriegsjahre forderten den Überlebensdrang der Menschen und eine Menge Improvisationstalent. Start der dreiteiligen Serie über das Leben der Herberner vor 60 Jahren.

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Den Mangel bewältigen

<p>Auch auf dem Land war es nicht leicht Privat</p>

1946 war die Kohle rationiert. Jeder Haushalt bekamen gerade einen Zentner und diesen für das ganze Jahr. Selbst im Ruhrgebiet wurde das schwarze Gold knapp. Die Landbewohner in Herbern mussten sich umso mehr darum bemühen, geeignetes Heizmaterial zu bekommen.

So versuchten die Bürger, von den Zechen Schlammkohle - das sind Überbleibsel, die beim Kohlewaschen abfallen - zu organisieren. Auch Nahrungsmittel waren schwer zu bekommen. Der Schwarzmarkt nahm beträchtlich zu. Ein Pfund Speck kostete beispielsweise 190 Reichsmark. Für ein Pfund Bohnen Kaffee musste man 300 Reichsmark bezahlen. Ein Ei kostete 5 Reichsmark oder ein Pfund Mehl 10 Reichsmark.

Göttlicher Beistand

Als die Not immer größer wurde, suchten die Herberner göttlichen Beistand. Am 10. März 1947 hielten sie, wie in allen Kirchen, einen Bittgottesdienst in der Pfarrkirche St. Benedikt ab. Die Situation sollte schwierig bleiben.

Ziegelsteine statt Geld

Da für Geld nicht viel zu bekommen war, wurde mit Naturalien oder Sachleistungen bezahlt. Einige Jungen aus Herbern wollten an einem Treffen der katholischen Jugend auf der Jugendburg Gemen in Borken teilnehmen. Geld wurde nicht verlangt. Doch die Jungen wurden aufgefordert, einen Ziegelstein als Bezahlung für ihre Unterkunft und Verpflegung zum Treffen mitzubringen. An der Burg sollten Umbauten vorgenommen werden, doch Ziegelsteine waren Mangelware.

Auch hier war Improvisationstalent gefragt. Die Jungen fuhren kurzerhand nach Münster. Dort war alles zerstört, und Ziegelsteine leicht zu bekommen. Mit dem Baumaterial im Gepäck, ging es mit dem Zug nach Borken zur Jugendburg. Dort gab es am endlich etwas richtiges zu Essen. Erbsensuppe. Ein ausgehungerter Junge aus dem Ruhrgebiet schaffte es, elf Teller davon zu verdrücken.

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