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Gruppe Nathan säubert den jüdischen Friedhof in Herbern

Gärtnern gegen das Vergessen

Herbern Seit 2001 kümmert sich die Gruppe Nathan zweimal im Jahr um den jüdischen Friedhof am Waterforwinkel. Die freiwilligen Schüler der Profilschule gärtnern. Es geht darum, zu erhalten und zu erinnern.

Gärtnern gegen das Vergessen

Zweimal im Jahr treffen sich die Freiwilligen der Gruppe Nathan, um den jüdischen Friedhof am Waterforwinkel auf Vordermann zu bringen. Dafür erhielten sie schon eine Auszeichnung. Foto: Claudia Hurek

Auf den jüdischen Friedhöfen ruhen die Toten und warten, bis sie am Jüngsten Tag auferstehen, um nach Jerusalem zu ziehen und dort das himmlische Königreich zu errichten. Bis zu dieser Zeit gehört das Grab dem Toten und darf nicht aufgelöst werden. So steht es im Handbuch Jüdischer Kulturgeschichte geschrieben.

Gruppe pflegt Friedhof seit 2001

In Herbern im Waterforwinkel befindet sich ein jüdischer Friedhof, der seit 1985 in der Denkmalliste eingetragen ist. Der Friedhof wurde zwischen 1800 und 1927 für die Beerdigung der jüdischen Gemeindemitglieder belegt. Nach zweimaliger Schändung mit vollständiger Zerstörung von 18 Grabsteinen, hat man ihn im Jahr 1946 wiederhergestellt.

Seit dem Jahr 2001 sorgt die von der Lehrerin Elisabeth Juhl in der Theodor-Fontane-Hauptschule gegründete Gruppe Nathan für den Erhalt und die Pflege des Baudenkmals. Nach dem Wechsel zur Profilschule begleitete Juhl das Projekt bis zum Jahr 2016; bis sie es dann aufgrund beruflicher Veränderung aufgab.

Zwei Lehrerinnen haben Amt übernommen

Das Amt von Juhl haben nun die Lehrerinnen Anne Gerth und Carolin Kock von der Profilschule Ascheberg übernommen. Auch Birgit Homann und Petra Haverkamp von der SPD sind wie in den vergangenen Jahren mit von der Partie und sponsern die Getränke und belegte Brötchen für die fleißigen Helfer.

Die Gemeinde Ascheberg steuert noch süßes Naschwerk bei. „Wir waren mit unseren Schülern im März bei einer Lesung mit Sally Perel, der als jüdischer ‚Hitlerjunge Salomon‘ den Krieg unbeschadet überstanden hat,“ erzählt Carolin Kock. „Das hat die Schüler tief beeindruckt.“

16 Schüler helfen mit

Zwölf Schüler des neunten Jahrgangs sowie vier Schüler des zehnten Jahrgangs fanden sich am Samstagvormittag dann im Waterforwinkel zum „Großreinemachen“ ein. Birgit Homann sorgte für Eimer, Handschuhe, Schüppen und Harken. Auch Tochter Caja ist, obwohl sie die Profilschule Ascheberg im vergangenen Jahr erfolgreich abgeschlossen hat, noch mit von der Partie.

„Für mich ist das eine ganz wichtige Sache und ein Teil unserer Geschichte, der unbedingt erhalten bleiben sollte,“ sagt die junge Frau. Zweimal im Jahr, im April und November, wird der kleine Friedhof von den engagierten Schülern vom Unkraut befreit, herabgefallene Äste werden aufgesammelt und die Wege gesäubert. Vor einigen Jahren hat die Gruppe Nathan für ihr Engagement eine Auszeichnung vom Bündnis für Demokratie und Toleranz in Berlin erhalten.

Teilweise erhaltene Schriftzeichen

„Auch für Marga Spiegel (versteckte sich mit ihrer Mutter während des Zweiten Weltkrieges unter anderem in Herbern, Anmerkung der Redaktion) war die Gruppe Nathan der Anlass, den Friedhof hier zu besuchen“, weiß Werner Bergerbusch, engagierter Vater und Schulpflegschaftsvorsitzender, der ebenfalls an der Aktion teilnimmt.

Die nur noch teilweise erhaltenen Schriftzeichen und Symbole auf den Grabsteinen geben Auskunft über das Leben der Toten, Berufe, Stellung in der Gemeinschaft sowie Familie. Blumenschmuck, wie auf christlichen Friedhöfen, wird man hier nicht finden. Auf jüdischen Friedhöfen lässt man die Gräber mit Efeu überwachsen. Als kleinen Gruß legen die Besucher kleine Steine auf den Grabstein.

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