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Hat Behörde zu Unrecht vor Sexualstraftäter gewarnt?

HERBERN/MÜNSTER Darf eine Gemeinde Eltern vor einem verurteilten Sexualstraftäter warnen? Seit knapp zwei Monaten beschäftigt diese Frage das Verwaltungsgericht Münster.

Eine Antwort gab es aber auch gestern – am zweiten Prozesstag – noch nicht. Im konkreten Fall geht es um einen ehrenamtlich tätigen Sozialarbeiter und Nachhilfelehrer aus Herbern, der 1994 wegen sexuellen Kindesmissbrauchs zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden ist.

Als der heute 66-Jährige später an der Werner Barbara-Schule auftauchte, war das Kollegium sofort sensibilisiert. Die Schulsekretärin erinnerte sich gestern noch ziemlich genau an das Zusammentreffen: Der Kläger sei während eines Schulfestes aufgetaucht und habe gesagt, dass er der Betreuer eines ausländischen Schülers sei, den er abholen wolle. Der Hausmeister will später eine ähnliche Begegnung gehabt haben. „Wir hatten alle ein ungutes Gefühl“, sagte die Sekretärin dem Gericht.

Sie selbst war es schließlich, die die Polizei und das Jugendamt Ascheberg informierte. Und dort wurde nicht lange gezögert. Die Behörde verfasste und verschickte einen Brief, in dem sie Eltern vor dem vorbestraften Nachhilfelehrer warnte. Für den 66-Jährigen ein Skandal. Er fühlte sich zu Unrecht an den Pranger gestellt und verklagte das Jugendamt.

Ob er wirklich Schüler von der Barbara-Schule abgeholt hat, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Dass er sich als Betreuer vorgestellt hat und damit den Eindruck vermittelte, er sei vom Jugendamt offiziell eingesetzt, wurde von den Zeugen dagegen eindeutig bestätigt. Und auch der Kläger selbst sagte vor Gericht: „Ich fühlte mich legitimiert, mich um einen der Schüler zu kümmern.“ Er habe zuvor sowohl mehrere Gespräche mit dem Schulleiter als auch mit der Jugendgerichtshilfe geführt. Wurde der Warnbrief des Jugendamtes nun zu Recht verschickt? Urteil voraussichtlich in zwei Wochen.

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