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42 Jahre Sozialpädagogin

Ein Dinosaurier geht

LEGDEN/HEEK. Wörter mit Z am Anfang - das ist ganz schön schwer. Aber Paul findet schnell zwei Teile, aus denen er "Zebra" zusammenlegt. "Toll hast Du das gemacht", sagt Cornelia Eigner und schiebt die Lesehexe weiter zu Marlen und Fawaz. Eine Stunde wie so oft in der Mäusegruppe der Legdener Brigidenschule. Doch jetzt ist Schluss. Cornelia Eigner geht in den Ruhestand.

Ein Dinosaurier geht

Mäusebart und -ohren trugen Schüler und Lehrer bei der Abschiedsfeier für Cornelia Eigner gestern in der Brigidenschule – Mäusegruppen hat sie ihre Fördergruppen genannt. privat

42 Jahre hat die Sozialpädagogin an Schulen in Legden und Heek gearbeitet. Am Mittwoch wurde sie in der Brigidenschule in einer heiteren Feierstunde geehrt, am Donnerstag nimmt sie an der Alexander-Hegius-Schule in Heek Abschied. Und auch wenn sie den Ausstieg aus dem Berufsleben bewusst geplant hat, fällt es ihr jetzt schon schwer. "Damit muss ich schon kämpfen," sagt sie mit feuchten Augen.

"Man bekommt viel zurück"

Die Arbeit mit den Schülern hat ihr immer Spaß gemacht. "Man versucht, den Kindern viel zu geben, und bekommt sehr viel zurück", sagt Cornelia Eigner, "die Kinder hängen sehr an einem." Das sehen Silvia Florack und Kirsti Döbertin, die Schulleiterinnen in Legden und Heek, genauso. "Die Kinder genießen es sehr, dass sie in kleinen Gruppen arbeiten können", sagt Kirsti Döbertin. An der Heeker Grundschule begann Cornelia Eigner 1975. "Ich bin dort der Dinosaurier", sagt sie und lacht. Studiert hat sie in Bielefeld, von dort ging es an den Schulkindergarten in Heek. "Ich musste damals erst auf der Landkarte gucken, wo das liegt", erinnert sie sich lächelnd.

30 Jahre den Schulkindergarten geleitet

30 Jahre hat sie den Schulkindergarten geleitet, hat Jahr für Jahr in den Eingangsklassen die Kinder beobachtet. Diejenigen, die noch nicht reif für die Schule waren, kamen für ein Jahr zu ihr. Dann wurden die Schulkindergärten abgeschafft. "Wir waren alle geschockt, auch die Eltern", erinnert sich die Sozialpädagogin. Sie konnte bleiben, musste aber ihre Arbeit auf zwei Schulen aufteilen. Seitdem ist Cornelia Eigner auch an der Brigidenschule tätig. Legden als zweiter Einsatzort lag nahe: Seit 25 Jahren wohnt sie im Dahliendorf. "Es war ein großer Umbruch damals", sagt sie über "das schwere erste Jahr".

Die Schulkindergärten gibt es nicht mehr. Die Aufgaben sind geblieben. Vor allem in den ersten beiden Klassen wird Cornelia Eigner aktiv, beobachtet, testet, zieht einzelne Kinder aus dem Unterricht heraus. Konzentration, Sozialverhalten, Wortschatz - zu allem macht sie sich Notizen. "Nach sechs Wochen kann ich den Kollegen sagen, so sehe ich das Kind und so sehe ich den Förderbedarf."

Ein anderer Blick auf die Kinder

"Wir sind im Kreis Borken 15 Sozialpädagoginnen, die an Grundschulen arbeitet", berichtet die Legdenerin. Regelmäßig trifft man sich in einem Arbeitskreis. Nicht jede Grundschule hat also den Luxus einer Sozialpädagogin. Silvia Florack sagt: "Das ist ein Glücksgriff für eine Schule. Eine Sozialpädagogin hat einen anderen Blick auf die Kinder als die Lehrkräfte." Die Legdener Schulleiterin erläutert: "Lehrer vermitteln vor allem Unterrichtsinhalte und haben einen Erziehungsauftrag. Sozialpädagogen haben den Bereich der Wahrnehmung im Blick." Grob- und Feinmotorik, Gleichgewichtssinn, Sozialverhalten, Konzentration sind hier Stichworte. Das alles übt Cornelia Eigner mit den Kindern auf sehr spielerische Weise. 

Wie hat sich die Arbeit in den mehr als 40 Jahren verändert? Die Kinder sind anders, sagt die 64-Jährige. "Sie sind nicht mehr so viel draußen. Das merkt man". Aber auch die Eltern haben sich verändert. "Elternarbeit ist schwieriger geworden."

Außerdem sind Kinder heute bei der Einschulung jünger. "Sie sind kognitiv oft weit, aber andererseits noch zappelig, unkonzentriert oder gehemmt in der Klasse." Dann kann die kleine Gruppe bei Cornelia Eigner die richtige sein. "Sie merken, ich kann ja schon eine Menge", erläutert sie, "sie bekommen mehr Selbstbewusstsein." Auch die Legdener Erstklässler Paul, Marlen und Fawaz kommen gerne und zeigen, was sie können. Lesen können sie und ihre Mitschüler auch weiter mit Cornelia Eigner. So ganz auf die Arbeit mit Kindern will sie nicht verzichten. An der Brigidenschule will sie ehrenamtlich Leseförderung anbieten.

 

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