Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.

Zurück in Asbeck:

Ein Kirchenschatz im Pappkarton

Legden. „Wir haben da eine Kiste, die gehört nach Asbeck“ – so ähnlich stand es in der Mail, die Bernhard Laukötter aus dem Kult in Vreden erhielt. Als er sie dann auspacken konnte, entdeckte er einen verloren geglaubten Kirchenschatz.

Ein Kirchenschatz im Pappkarton

Henricus steht auf der beidseitig gestalteten Votivtafel, die etwa 250 Jahre alt ist. Foto: Foto: Ronny von Wangenheim

Weiße Pappe, in Großbuchstaben steht „Asbeck“ auf dem Karton – ganz unprätentiös zeigt sich der Fund. Umso kostbarer ist, was Bernhard Laukötter vorsichtig aus dem Seidenpapier wickelt. Votivtäfelchen, Kreuze, Medaillen oder eine Messpollengarnitur sind einige der Objekte, die nach Asbeck zurückkehren. Der Vorsitzende des Heimatvereins Asbeck sagt: „Das ist eine große Freude.“ Die Begeisterung war auch beim Kirchenvorstand groß, dem er auch angehört. Zur letzten Sitzung des Jahres brachte er den Karton mit. Der Kirchengemeinde gehören all diese Dinge.

In der Kiste lag ein handgeschriebener Zettel, der Aufklärung bringt. „Asbeck, den 21.3.86“ steht ganz oben darauf, danach folgt eine Aufzählung aller Dinge angefangen von einer Totenlaterne bis zu einem Versehgefäß aus Zinn. „Als Leihgabe heute empfangen für Alte Kirche Reken, für den Kreis Borken, Amt 41“ – so einfach war es vor mehr als 30 Jahren, Dinge für eine Ausstellung mitzunehmen. „Einen offiziellen Leihvertrag gab es nicht“, so Laukötter.

Wann die Exponate im Museum Alte Kirche gezeigt wurden, konnte er nicht mehr in Erfahrung bringen. Klar ist, dass die Objekte im Zuge der Eröffnung des Kult in das Kulturhistorische Zentrum in Vreden kamen, wo Dr. Annette Menke dann den Kontakt zu Laukötter suchte.

Frage nach dem Verbleib

Die Liste selbst war mir nicht unbekannt“, erzählt Bernhard Laukötter. Und auch Fotos gab es teilweise. Ab 2001 sichtete der Asbecker alle im Besitz des Heimatarchivs und der Kirchengemeinde befindlichen Objekte, die als Leihgabe zu einer Ausstellung ins Westpreußische Landesmuseum Münster-Wolbeck gingen. Schon da und später auch, als das Stiftsmuseum in Asbeck aufgebaut wurde, fragte er sich, wo die Exponate geblieben waren. Sorgfältig hat er jetzt Liste, Bilder und Exponate verglichen – alles war da.

Viele der Exponate haben ihren Ursprung im adeligen Damenstift in Asbeck. „Die Damen haben Qualität eingekauft“, sagt Bernhard Laukötter. Fein ziseliert und bis ins Detail ausgearbeitet sind die Abbildungen auf den Votivtäfelchen. „Wir haben schon welche im Museum, aber die hier sind die schönsten“, sagt Bernhard Laukötter ganz begeistert. Ein Beispiel ist rund 250 Jahre alt und zeigt in königlichem Gewand „Henricus“. Auf der anderen Seite ist die heilige Margareta mit Schwert, Kreuz und dem Drachen abgebildet, der ihr der Überlieferung nach im Gefängnis erschien.

Mit Anliegen verbunden

Weitere Tafeln zeigen die Heilige, nach der die Kirche in Asbeck benannt ist. Aber auch eine Kreuzigungsszene ist auf einer Tafel aus dem 18. Jahrhundert abgebildet. „Die Votivschilder sind immer mit einem Anliegen verbunden“, erläutert Bernhard Laukötter, „entweder einer Bitte oder auch einem Dank.“ Bei einem der Schilder vermutet er, dass es sich um den Mittelteil einer Votivgabenkette handelt.

Votivgaben waren wohl auch die 19 Kreuze aus Silber. Drei miteinander verbundene kleine Gefäße bilden ein Versehgefäß, in dem die Zutaten für die Krankensalbung aufbewahrt wurden. Eine vergoldete Medaille von 1626 zeigt das Coesfelder Kreuz. Aber auch Schmuckschließen, Ringe, ein Konvolut von Brustkreuzen und ein versilberter Knopf fanden sich im Karton. Insgesamt sind es 59 Teile.

Bernhard Laukötter hat eine These, die er jetzt wieder bestätigt sieht: „Jedes Jahr kommt ein Exponat von Bedeutung ins Stiftsmuseum.“ Zuletzt war es eine Brigidenstatuette von 1330. Aber auch eine rund 500 Jahre alte Reliquienstatuette der Heiligen Margareta oder das Missale Notatum, eine Pergamenthandschrift von etwa 1450, zählt Laukötter auf. Für die empfindliche Handschrift, die 2014 aus dem Bistumsarchiv Münster nach Asbeck zurückkehrte, wurde eigens eine Vitrine angeschafft.

Hocherfreut über die Rückkehr

Auch der „neue“ Kirchenschatz wird irgendwann im Museum im Dormitorium ausgestellt. „Beim Heimatverein ist er in guten Händen“, sagt Pfarrer Axel Heinekamp, der sich hocherfreut über die Rückkehr der wertvollen Exponate zeigt. Seinem Amtseid, dass er das Vermögen bewahren werde, so scherzt er, habe er ja sogar etwas draufgesetzt. Eines wird es allerdings nicht mehr geben: einen schnell geschriebenen Zettel. Für die Leihgabe, so Heinekamp, wird ein ordentlicher Leihvertrag mit dem Heimatverein geschlossen.

Anzeige
Anzeige