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Besondere Aktion

Fackeln erhellen die Geschichte

Legden Eine Fackelwanderung wie diese hat es in Legden noch nicht gegeben. Auch Kenner können hier viel lernen.

Fackeln erhellen die Geschichte

Die erste von vier Fackelwanderungen, die die Touristik Legden und Asbeck anlässlich des 925-jährigen Jubiläums der Ersterwähnung von Legden und Asbeck organisiert hat, ist vorbei. Die Wanderung bei Fackellicht und Mondschein hat die rund 30 Teilnehmer begeistert. Foto: Lena Beneke

Ein steifer Wind fegt durch die Gassen des Dorfes. Die Bürgersteige sind wie leer gefegt, kaum ein Mensch ist unterwegs. Nur vor dem Haus der Touristik steht eine kleine Gruppe Menschen. Dick eingepackt in Winterjacken, mit festem Schuhwerk. Die Fackeln in den Händen der rund 30 Legdener und Heeker, die sich am Taubenturm versammelt haben rauschen und flackern. 18 Uhr, es geht los. Die erste Fackelwanderung durch Legden startet.

Zu Fuß führt Heinz Kroschner seine kleine Gruppe vom Taubenturm über die Hauptstraße und biegt dann in die Schulstraße ein. Kroschner ist Mitglied im Legdener Heimatverein, er kennt die Gemeinde und die Geschichte, die die Menschen hier umgibt, wie kaum ein anderer. Nach wenigen Schritten bleibt er in der Schulstraße stehen, das Fackellicht seiner Begleiter erhellt die Umgebung. Das ist gut, denn so kann Heinz Kroschner die Notizen auf seinem Zettel gut lesen. „Den habe ich dabei, damit ich die Zahlen immer richtig parat habe. Wenn mal eine Jahreszahl nicht stimmt, bin ich dran“, erklärt er den Einsatz seines Hilfsmittels mit Humor – denn er weiß, Josefa Hemker und Anne Kleideiter von der Touristik Legden und Asbeck könnten ihn korrigieren.

Jubiläum der Ersterwähnung

Josefa Hemker und Anne Kleideiter haben die Wanderung organisiert. „Führungen gibt es viele, aber eine Fackelwanderung, da kann man Geschichte wahr werden lassen“, sagt Josefa Hemker. Geschichte, darum gehe es, denn mit der Fackelwanderung möchte die Touristik Legden und Asbeck auf ein Jubiläum aufmerksam machen: Vor 925 Jahren wurden Legden und Asbeck zum ersten Mal erwähnt.

Für die insgesamt vier Wanderungen haben die zwei Frauen „weit über 100 Wachsfackeln bestellt“, sagen sie. Dabei wussten sie erst gar nicht, welche Größe die Fackeln haben mussten. „Ich habe – um das mal zu testen – einen Zollstock genommen und ihn auf einen Meter gestellt. Das zu halten, war nicht so einfach. Vor allem für Kinder wäre es schwer“, sagt Josefa Hemker. Daher sind die Fackeln, die in Legden zum Einsatz kommen, ein wenig kleiner: 80 Zentimeter sind sie lang und haben dabei eine Brenndauer von 135 Minuten. Da die Fackelwanderung eineinhalb Stunden dauert, sollte das reichen.

Blick auf alte Schulzeiten

In der Schulstraße erzählt Heinz Kroschner seinen Zuhörern von der Geschichte der Schulen in Legden. Erst seit 1782 gibt es in der Gemeinde die Pflicht, zur Schule zu gehen. Allerdings nur für Kinder von fünf bis vierzehn Jahren. „Mädchen und Jungen hatten zu der Zeit noch getrennt Unterricht. Sie mussten, damit es im Winter im Schulgebäude warm war, Holz zum Heizen mitbringen. Und die Lehrerausbildung hat damals nur zweieinhalb Monate gedauert“, erzählt Kroschner. Viele lachen. Seitdem hat sich einiges geändert.

Ein Böller geht hoch, Pauline zuckt zusammen, hebt den Arm zur Seite. „Vorsicht“, lernt die Fünfjährige, ihre Fackel muss sie still halten. Auch ihr Bruder Justus (9) ist dabei. „Für die Kinder ist vor allem das Feuer interessant. Aber auch wir erfahren immer wieder etwas Neues, uns gefällt die Wanderung“, sagt Roswitha Schlätker, die gemeinsam mit ihrem Mann Bernhard mitläuft. Sie sind die Großeltern von Justus und Pauline, die neben ihrer Mutter stehen.

Vom Fackellicht durchzogene Straßen

Die Gruppe setzt sich wieder in Bewegung. Langsam, damit alle zusammenbleiben, denn nicht jeder trägt eine Fackel. Die Gruppe geht an der Sekundarschule vorbei, während die Wolken aufbrechen, immer wieder schiebt sich der Mond hervor und erhellt die vom Fackellicht durchzogenen Straßen.

An der Herkules-Statue in der Weißhauptstraße verlangsamt Heinz Kroschner seine Schritte erneut. Auch hier hat er eine Geschichte zu erzählen. „Entstanden ist die Statue von 1699 bis 1702“, sagt Kroschner. „Sie wurde für das Barockschloss in Ahaus gemacht und stand dort im Schlossgarten zusammen mit anderen Figuren.“ Dann sei 1811 Napoleon gekommen und während der Besetzung viele der Stauen verkauft worden. Auch die Herkules-Statue ereilte dieses Schicksal. Eine Familie aus Legden hatte die Statue gekauft, aufgestellt und sie zwischenzeitlich sogar unten weiß angemalt. „Das ist Sandstein, das macht man eigentlich nicht“, schüttelt Heinz Kroschner den Kopf. Heute erstrahlt Herkules mit Keule und Löwenkopf wieder in altem Glanz.

Unterschiedliche Religionen

Nur ein kleines Stück weiter in der Nähe des Mühlenbachs liegt die evangelische Gnadenkirche. Das Gotteshaus sieht im sich wiegenden Schein der vielen Fackeln besonders schön aus. Über die Historie der unterschiedlichen Religionen, die in Legden ein Zuhause fanden, kann Heinz Kroschner viel berichten. Auch Verfolgung und Auswanderung spielen eine Rolle. „Heute gibt es in Legden 77 Prozent Christen katholischen Glaubens, 9,3 Prozent evangelischen Glaubens und 13 Prozent andere“, sagt er, bevor er verrät: „Nun geht es an einen Ort, den selbst viele Legdener nicht kennen.“

Dieser Ort ist das alte Wasserwerk. Das Häuschen steht auf einem Spielplatz, der an der Mittelstraße liegt. Kalte Luft durchfährt beim Atmen die Nase, der Wind zehrt an den Fackeln, und langsam werden die Hände kalt. Der Begeisterung der Wanderer für den eigentlich so unscheinbaren Ort tut das jedoch keinen Abbruch. „Die Geschichte des Wasserwerks ist sicher für die meisten von uns neu“, sagt Bernhard Schlätker. Und auch Heike und Michael Rensing, die sich in Legden gut auskennen und bereits mehrere Führungen mitgemacht haben, können von Kroschner an diesem Abend viel lernen.

Fackeln hielten lange durch

Über Stationen am Mühlenbach und an der Bushaltestelle Stiege – hier erzählt Heinz Kroschner schließlich vom großen Brand, dem im Jahr 1884 ein ganzer Straßenzug zum Opfer fiel – geht es zurück in den Ortskern. Funken. Ein Flackern. Die erste Fackel bricht und fällt in den Rinnstein. Der anhaltende Wind fordert seinen Tribut. 135 Minuten haben die Wachsfackeln nicht gehalten – eineinhalb Stunden schaffen sie aber. „Sie halten, das ist der Beweis“, sagt Heike Rensing und hält ihre nun fast abgebrannte Fackel in den Nachthimmel.

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