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Tagesgruppe bietet Kindern Orientierung

„Kompass“ bietet ein Zuhause auf Zeit

Legden/Heek. Kindern eine Richtung geben im Leben, das will „Kompass“ in Legden. Sie finden hier ein Zuhause auf Zeit. Dazu gehört auch ein Wutraum.

„Kompass“ bietet ein Zuhause auf Zeit

„Wir sind eine Familie“, so steht es auf dem Herz, das neben dem Eingang der Tagesgruppe Kompass hängt. Foto: Ronny von Wangenheim

Berner Sennenhund Charly freut sich über Besuch. Für den Therapiehund ist es ein wenig einsam in den Ferien in dem Landhaus am Holtkamp 10 in Legden. Er liebt die Kinder, die jeden Tag nach der Schule kommen. Die hier spielen, lernen, arbeiten, toben, kochen, im Garten arbeiten. Und dabei lernen, ihren Alltag zu bewältigen und sich zu entwickeln.

Jedes von ihnen hat seine eigene Geschichte, kämpft mit psychischen Problemen, bringt Lehrer oder Eltern an den Rand der Verzweiflung, hat Konzentrationsschwierigkeiten oder gar eine posttraumatische Belastungsstörung, kann nicht mit anderen Kindern Kontakt aufnehmen oder braucht nach einem längeren Klinikaufenthalt Unterstützung. Immer sind es die Jugendämter, die die Eltern an die Tagesgruppe Kompass und ihre Leiterin Gabriele Blömer verweisen.

Zwei Kinder, ein Pädagoge
Acht Kinder und Jugendliche zwischen sieben und 15 Jahren werden in Legden betreut, acht weitere am zweiten Standort in Ahaus am Wittenkamp 15. „Auf zwei Kinder kommen zwei Sozialpädagogen“, erläutert Gabriele Blömer den guten Personalschlüssel. Dazu zählen eine Traumapädagogin und eine systemische Beraterin. Die Leiterin selbst ist Sexualpädagogin. Die Kinder und Jugendlichen kommen aus dem ganzen Kreis in die Tagesgruppe, in der das soziale Lernen ein zentrales Anliegen ist.

„Sie werden von uns von der Schule abgeholt und bleiben bis 16.30 Uhr bei uns. Danach bringt sie der Fahrdienst nach Hause“, beschreibt Gabriele Blömer. Die Schule berichtet, wie der Schultag verlaufen ist, am Abend erfahren die Eltern das Notwendige – das enge Netzwerk ist den Sozialpädagogen ganz wichtig. „Wir haben jeden Tag Elterngespräche“, betont Gabriele Blömer.

„Kompass“ bietet ein Zuhause auf Zeit

Gabriele Blömer im großen Gruppenraum im Haus am Holtkamp 10. Hier spielen und arbeiten acht Kinder, wenn sie nicht gerade im großen Garten sind. Beliebtes Versteck und Rückzugsort ist der Bienenkorb. Foto: Ronny von Wangenheim

Ein großer Gruppenraum, Küche, Lernräume, Bäder – es gibt viel Platz. Auch ein Wut- und Toberaum gehört dazu. Hier kann jeder, der zu viel Aggressionen in sich spürt, mit weichen Gegenständen nur so um sich werfen und sich richtig austoben.

Viel Platz mit Swimmingpool

Auch wenn der Winter das Außengelände am Ortsrand von Legden nicht gerade in den buntesten Farben malt – der Blick auf insgesamt 5000 Quadratmeter zeigt, wie gut es die Kinder hier haben. Der Swimmingpool ist jetzt abgedeckt. Im Sommer lernen alle Kinder hier schwimmen und legen dann in den Schwimmbädern ihre Sportabzeichen ab. Gerade überängstliche Kinder profitieren davon, so erzählt es Gabriele Blömer. Ein paar Meter weiter steht ein eigenes Kunsthaus und auch ein Garten wurde in Legden angelegt. Dass die Kinder hier selbst pflanzen, jäten, ernten und später dann in der Küche auch die Lebensmittel verarbeiten, gehört zum Konzept der Tagesgruppe. „Kinder sind viel zu wenig in der freien Natur“, beobachtet die Kompass-Leiterin zunehmend. Stattdessen würden viele mit Fernseher oder Tablet ruhig gestellt. Alle Sinne einzusetzen, das erleben die Kinder im Garten oder in der Küche. „Wir kochen mit den Kindern und gehen mit ihnen einkaufen“, erzählt Gabriele Blömer weiter.

Ehrenamtliche machen mit
Auch bei anderen alltäglichen Arbeiten machen die Kinder mit. Dabei helfen auch Ehrenamtliche. Dazu gehören die Ehepaare Silke und Thomas Nacke und Jessica und Josef Nacke aus Heek. Nicht nur, dass sie vor Ort aktiv sind. Kurz vor Weihnachten brachten sie auch noch eine Geldspende vorbei. Für Gabriele Blömer eine große Freude: „Es soll der Grundstock für eine Ferienfreizeit sein.“

Grundlage der sozialpädagogischen Arbeit ist der Paragraf 27 des Sozialgesetzbuches „Hilfe zur Erziehung in einer Tagesgruppe“.

Die Entwicklung des Kindes oder des Jugendlichen soll durch soziales Lernen in der Gruppe, durch Begleitung der schulischen Förderung und Elternkooperation unterstützt werden.

Die Vermittlung erfolgt nur mit dem zuständigen Jugendamt. Die Kinder bleiben maximal 18 Monate.

Die Tagesgruppe wurde als „Lebensraum Halle“ 1998 in Ahaus gegründet. Seit 2009 gibt es die zweite Tagesgruppe in Legden.

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