Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.

Trickbetrügerin

Legdenerin kannte den Häkeldecken-Trick

Legden „Ich habe hier Häkeldeckchen aus dem Erzgebirge“ – mit diesen Worten drängte sich am Montag eine Frau in Heidemarie Traudts Wohnung. Die war gleich alarmiert. Die Frau war frech“, sagt Heidemarie Traudt.

Legdenerin kannte den Häkeldecken-Trick

Heidemarie Traudt konnte die Trickdiebin wieder aus ihrer Wohnung drängen. Foto: Ronny von Wangenheim

Den Zutritt konnte die Legdenerin der Trickbetrügerin am Montag nicht verwehren. Aber stehlen konnte sie bei ihr nichts. Bei einer anderen Bewohnerin in der Einrichtung für betreutes Wohnen am Trippelvoetsweg hatte die unbekannte Frau kurz danach dagegen mehr Glück. Dort konnte sie Schmuck und Bargeld erbeuten (wir berichteten).

„Das ging alles ganz fix“, erinnert sich Heidemarie Traudt am Mittwoch, wie schnell die etwa 65-Jährige in ihrer Wohnung war. „Sie muss schon im Haus gewesen sein.“ Sofort habe die Frau die Tür zum Schlafzimmer mit den Worten „Lassen Sie mich wenigstens einmal gucken“ geöffnet und eine Schachtel in die Hand genommen, in der Schmuck lag.

„Ich hätte mich gewehrt„

Das ist aber eine hübsche Schachtel, habe sie gesagt, so berichtet Heidemarie Traudt von dem Wortwechsel und von ihrer Antwort: „Ja, die ist hübsch und jetzt legen Sie sie wieder hin.“ Die Frau ließ nicht locker, fragte nach Nähtisch und einem Schrank, so erzählt sie weiter und Entrüstung schwingt noch immer mit. Angst habe sie nicht gehabt, sagt die resolute 72-Jährige. „Ich war Bäckerin von Beruf“, sagt sie und zeigt ihre kräftigen Hände. „Ich hätte mich gewehrt.“

Den Betrug hat sie sofort geahnt, auch das erzählt sie. „Bei meiner Mutter kam ins Pflegeheim auch eine Frau, die Häkeldeckchen aus dem Erzgebirge verkaufen wollte.“ Dass die Frau tatsächlich aus dem Erzgebirge kommt, hat sie an deren Dialekt erkannt. Heidemarie Traudt ist selbst in der Nähe von Dresden aufgewachsen und hat dort gelebt, bis sie kurz vor der Wende über Ungarn nach Deutschland ausreiste. Aber das ist eine andere Geschichte.

Schutz gegen Einbrecher

Seit neun Jahren lebt sie am Trippelvoetsweg. „Ich mache immer die Rollos runter“, erzählt sie, dass sie sich bewusst gegen Einbrecher schützt. Den ungebetenen Besuch hat sie schnell abgehakt. Psychologische Beratung, die ihr die Polizei anbot, hat sie deshalb auch abgelehnt: Da hat sie schon andere Sachen unbeschadet überstanden.

Fast wäre die Trickbetrügerin aufgeflogen. Als die Frau weg war, hat Heidemarie Traudt Wilhelm Winter, den Leiter des Altenwohnhauses St. Josef, angerufen. Der machte sich sofort auf den Weg und rief unterwegs die Polizei an. Auf dem Weg zum Haus kam ihm die Trickdiebin mit ihrem Trolley entgegen. „Ich dachte, die Frau ginge einkaufen“, erzählt Winter. Er grüßte freundlich, sie grüßte zurück. Im Haus sah Heidemarie Traudt ohnmächtig die Begegnung. „So laut konnte ich nicht schreien.“

Die Polizei, die schnell vor Ort war, konnte die Frau nicht finden. Heidemarie Traudt glaubt deshalb auch, dass sie nicht alleine war. „Das war eine Bande.“ Der dreiste Diebstahl war Gesprächsthema Nummer 1 im Altenwohnhaus St. Josef und den umliegenden Häusern. Gelegenheit für Wilhelm Winter, noch einmal für das Thema Trickdiebstahl zu sensibilisieren. „Wir haben offen mit allen gesprochen.“ Große Besorgnis hat er allerdings nicht bei den Bewohnern erkennen können.

Seit er im Altenwohnhaus ist, gab es nur einen ähnlichen Vorfall und der liegt immerhin schon mehr als zehn Jahre zurück. Damals versuchte ein Mann, in das Zimmer eines Bewohners zu gelangen, der gerade im Krankenhaus war. „Das ist aber aufgefallen“, erzählt Wilhelm Winter, „den haben wir gekriegt.“

Anzeige
Anzeige