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Wände auf den Kopf gestellt

Rätsel um Bildstock unter den Linden ist gelöst

Legden Als Restauratoren am Bildstock an der Neustadt arbeiteten, stießen sie auf ein Rätsel. Alte Fotos eines Hobbyfotografen haben die Gemeinde auf die richtige Spur geführt. Doch es bleiben Fragen offen.

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Bauamtsleiter Helmut Schiermann und Bürgermeister Friedhelm Kleweken sehen vor Ort bestätigt, dass die Seitenwangen falsch herum stehen. Foto: Ronny von Wangenheim

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Die Kreuzwegstation an der Linde. Foto: Ronny von Wangenheim

Reich geschmückt sind die Seiten an der Wegestation „Unter den Linden“. Sie zeigen sogenannte florale Gehänge. Aber – so stutzten die Restauratoren Robert und Ludger Wennemer im vergangenen September bei ihrer Arbeit an dem barocken Bildstock – richtig konnte das alles nicht sein: der Rundbogen unten, die Ornamente nach oben verlaufend. „Es könnte sein, dass die Wände bei der Umsetzung vertauscht und deshalb auf den Kopf gestellt wurden“, vermutete Ludger Wennemer damals.

Zwei alte Fotos zeigen, dass diese Annahme stimmte, zumindest zum Teil. Die Bilder, die Ende der 1960er-, Anfang der 1970er-Jahre entstanden sein sollen, zeigen die Wegestation an ihrem ursprünglichen Ort an der Heeker Straße, dort, wo heute die Landstraße verläuft. Damals war alles noch in Ordnung mit den Ornamenten. Und die Kugel trug auch noch ein Metallkreuz. Ein Asbecker Hobbyfotograf hat die Abbildungen Bürgermeister Friedhelm Kleweken gegeben, der anlässlich der Restaurierung über die Münsterland Zeitung dazu aufgerufen hatte, ihm alte Fotos zu schicken.

Wegestation weicht Straße

2002 musste die Wegestation der Ortsumgehung weichen und wurde mitsamt drei kleinen Linden an den jetzigen Platz versetzt. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dabei zum falschen Aufbau kam, schien hoch. Doch falsch gedacht. Jetzt blätterte Friedhelm Kleweken im Gespräch mit der Münsterland Zeitung in alten Artikeln und der Akte aus dem Bauamt und stieß auf Abbildungen aus dem Jahr 1996, die auch schon den falschen Aufbau des Bildstocks zeigen.

Der Fehler passierte also 1995/96, als die Station vom Heimatverein Legden für 18.000 Mark restauriert wurde. Damals kam das Denkmal aus Baumberger Kalksandstein zu einer Fachfirma nach Billerbeck. Schon damals wurde über einen neuen Standort nachgedacht. Doch nach rund einem Jahr kehrte sie für sechs Jahre an den alten Standort wieder. Die großen Linden, die der Station ihren Namen gaben, waren verschwunden. Drei neue Linden wurden gepflanzt, die später ebenfalls die Straßenseite wechselten.

Rätsel um Bildstock unter den Linden ist gelöst

Die Kreuzwegstation unter den Linden – mit diesem Foto aus den 1960/70er-Jahren kamen die Nachforschungen der Gemeinde Legden ins Rollen. Foto: privat

Ist der falsche Aufbau damals nicht festgestellt worden? Die alten Unterlagen und Artikel erzählen davon nichts. Doch, sagt Gerd Heuser, Vorsitzender des Heimatvereins Legden. „Das ist relativ schnell nach der Restaurierung aufgefallen.“ Man habe sich damals entschieden, die Situation so zu belassen. Dafür habe gesprochen, dass so der schlechter erhaltene Teil des Steins besser vor Wettereinflüssen geschützt war. „Ein Kompromiss“, so erinnert er sich. Das Thema geriet offensichtlich in Vergessenheit. Bei der Verlegung sechs Jahre später war der Heimatverein, so Gerd Heuser, nicht involviert. Artikel der Münsterland Zeitung zeigen, dass die Station im Ganzen versetzt wurde. Bezahlt hat das damals der Landesbetrieb Straßenbau.

Jesus und Simon mit Kreuz

Wahrscheinlich seit 1749 gibt es den Bildstock, der nach dem Standort der Wegestation „Unter den Linden“ heißt. Seit der Restaurierung im vergangenen September sind Hände, Nasen und Gewandfalten wieder an Ort und Stelle. Das schöne Relief aus Baumberger Kalksandstein zeigt Simon von Cyrene, wie er Jesus das Kreuz tragen hilft. Es ist die klassische fünfte Kreuzwegstation. Jesus trägt das Kreuz, auf der linken Seite hilft Simon von Cyrene, während zwei Soldaten die beiden mit Peitschen antreiben. Der rechte Soldat hat Jesus noch mit einem Seil gefesselt.

Bei der Entstehung vor mehr als 250 Jahren soll es das Relief angeblich noch nicht gegeben haben. Wann es angebracht wurde, ist ein Rätsel, das wohl nicht mehr gelöst werden kann.

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Bauamtsleiter Helmut Schiermann und Bürgermeister Friedhelm Kleweken sehen vor Ort bestätigt, dass die Seitenwangen falsch herum stehen. Foto: Ronny von Wangenheim

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Die Kreuzwegstation an der Linde. Foto: Ronny von Wangenheim

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