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Alles andere als eine Abgabestelle

LÜNEN Der kleine Schatz am fremden Platz oder lieber daheim? In der evangelischen Kindertageseinrichtung „Zur Arche“ in Niederaden ist das keine Frage, sondern ein Kinderspiel – ganz wie in einer Familie.

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Melina und Chiara machen es richtig: Nach dem Essen werden die Zähne geputzt.

Nach dem Spielen im Garten löscht Jonas seinen Durst.

Viel diskutiert wird die Frage, welche Bedürfnisse eine moderne Familienpolitik erfüllen muss. Dabei kommt auch die Baby-Betreuung im Kindergarten ins Spiel. Sind die Einrichtungen „Abgabestellen“ für „Rabeneltern“ oder schätzen junge Familien Kindertagesstätten, weil sie einen unterstützenden Erziehungsbeitrag zur Möglichkeit der Berufstätigkeit leisten? Wie ist das, wenn Minis ohne Mama sind? Eben fast wie eine Familie, wie in der evangelischen Kindertageseinrichtung „Zur Arche“ leicht festzustellen ist.

Für die Küken der Kitas Anna-Lena (3) verteilt sandige Eiskugeln. Lara (20 Monate) bekommt eine, Tim (19 Monate) auch. Geben und Nehmen kann so einfach sein. Die Kinder lachen draußen mit der Sonne um die Wette. Nur eine der Zwillinge Chiara und Melina (22 Monate) mag den Sand nicht. Wenn er in ihre Sandale rieselt, braucht sie Hilfe und findet sie bei Silvana Allert. Die 31-jährige Kinderpflegerin, seit elf Jahren in der Arche, befreit die Füße von den Körnchen - nicht zum ersten Mal heute. Silvana Allert arbeitet gern in der kleinen altersgemischten Gruppe, „da kann man schon mal üben“, lacht sie. Die Entwicklung der Minis mitzuerleben, das sei faszinierend.

Ben (bald 3) und Lara haben in der Arche Laufen gelernt und die ersten Wörter gebrabbelt. Von den 15 Kindern sind sieben unter 3, Dilara ist mit sechs Monaten die Jüngste.

Individuelle Bezugspersonen

Jedes hat sich individuell eine eigene Bezugsperson gesucht. Für Lara ist das Leiterin Gabriele Krämer. Seit letztem Sommer kommt die Kleine mit den großen, rehbraunen Augen in die Arche. Damals war sie gerade ein halbes Jahr alt. Anfangs wollte sie sich nicht wickeln lassen. Inzwischen mag Lara die Phase, in der sie Gabriele Krämer ganz für sich hat. Auf dem Wickeltisch schauen sich beide die Mobiles an und haben Spaß an dem Zeigespiel: „Wo ist die Nase?“

Für Lara ist Gabriele Krämer bis 14.30 Uhr die Mama. Das sagt sie auch so. Dass sie sich heute außnahmsweise von mir mit Fisch und Kartoffeln füttern lässt, ist etwas Besonderes. „Früher wäre das nicht möglich gewesen“, sagt Gabriele Krämer. Lara ist ein Beispiel dafür, wie viel Kinder in kurzer Zeit in der Gruppe lernen. Wenn sie nach dem Mittagessen schlafen geht, erzählt ihr Gabriele Krämer so lange von Tieren, bis sie eingeschlummert ist.

Noch vor zwei Jahren betreute die Arche Kinder bis 14. Dann kam die Offene Ganztagsschule und mit ihr die Kehrtwende: Von den Großen zu den Kleinsten. Nach einigen baulichen Veränderungen wie Wickelraum, Esszimmer und Bereich für Kinderbettchen, mussten sich Erzieherinnen und auch Eltern umstellen. „Die hatten Angst, dass die Großen zu kurz kommen“, erinnert sich Gabriele Krämer.

Mini, midi oder max.

Doch da hat die Arche vorgebaut. Montags und Freitags haben die Älteren gesondert turnen. Es gibt Angebote für mini, midi und max. Den Großen macht die 52-Jährige ein großes Kompliment: Auch sie spielen prima mit. „Anfangs war das alles auch für uns eine Umstellung. Wir haben gelernt, lockerer zu werden, das Pflegerische ist mehr geworden.“ Obwohl die Mitarbeiterinnen mit Handschuhen wickeln, fingen sie sich im ersten Jahr jeden Magen-Darm-Virus ein. Das ist Vergangenheit.

Zwischenzeitlich hat Mitarbeiterin Helga Hecht mit Lara ein ein Lotto gelegt. Die Erzieherin gehört seit der Eröffnung 1993 zum Team. Auch sie freut sich: Unglaublich, dass die Kleine schon genau weiß, wohin Puppe oder Schaukelpferd gehören.

Immer ist jemand zum Spielen da, ob Erzieherinnen oder größere Kinder. An Regeln halten müssen sich auch schon die Kleinsten. Eigentlich ist alles wie in einer Familie - nur eben in etwas größeren Dimensionen.

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Melina und Chiara machen es richtig: Nach dem Essen werden die Zähne geputzt.

Nach dem Spielen im Garten löscht Jonas seinen Durst.

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