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Anwalt ließ seine Mandanten im Regen stehen

LÜNEN/HANNOVER Ein Anwalt aus Hannover hat hochverschuldete Personen in ganz Deutschland mutmaßlich betrogen - unter anderem in Lünen, wie RuhrNachrichten.de erfuhr.

Die Zahl der Opfer in der Lippestadt ist derzeit unklar. Nach der Durchsuchung eines Büros ist die Staatsanwaltschaft in Hannover noch mit der Auswertung von beschlagnahmten Unterlagen beschäftigt.

Allein in Dortmund handelt es sich nach Informationen von RuhrNachrichten.de um 220 Fälle. Dabei ging der Jurist offenbar immer gleich vor: Mit Anzeigen lockte er ab August 2005 hochverschuldete Personen, versprach schnelle Hilfe beim Entschuldungs-Verfahren. Viele Schuldner meldeten sich, die meisten von ihnen Hartz IV-Empfänger. Ihnen bot der Anwalt die Durchführung eines außergerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahrens an.

Kassiert und verschwunden

Doch anscheinend wurde er nur so weit tätig, dass er die Kostenübernahme beantragen konnte - etwa 500 Euro pro Mandat. Er kassierte und verschwand.

Nun haben die Betroffenen gleich mehrfach das Nachsehen: Erstens gibt der Anwalt die Unterlagen nicht heraus, die sie zur Wiederaufnahme ihres Verfahrens benötigen. Zweitens verlängert sich mit jedem Tag die Zeit bis zur Entschuldung, während der Schuldenberg wächst.

Weiteres Unglück für die Betroffenen: Der Antrag zur Kostenübernahme lässt sich nur einmal stellen.

Das Gesetz, das der Anwalt in weit mehr als 200 Fällen missbraucht haben soll, dient eigentlich dem Schutz der Mandanten: Wer die Kosten eines außergerichtlichen Verfahrens nicht selbst bezahlen kann, darf deren Übernahme beim Amtsgericht beantragen (BeratHiG, §1).

"Der Vorwurf lautet auf Untreue, versuchter Betrug und Urkundenunterdrückung", erklärte gestern der Hannoveraner Oberstaatsanwalt Thomas Klinge.

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