Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Die Liebe höret nimmer auf

BRAMBAUER Wer das Trauerbuch in der Martin-Luther-Kirche aufschlägt, stößt auf Worte der Liebe, Hoffnung und Dankbarkeit. Echo des Lebens. Gefühle der Lebenden, die über Zeit und Tod hinausragen.

Der Stich im Herzen. Hier kann er provisorisch geheilt werden. Wer einen lieben Angehörigen verloren hat, weiß: Das schwarze Loch der Unwiederbringlichkeit wartet auf jeden.

„Deswegen halten wir in unserer Kirche für die Hinterbliebenen etwa vier bis acht Wochen nach der Beisetzung an jedem zweiten Mittwoch eines Monats ab 16 Uhr eine Trauerandacht“, sagt Pfarrer Martin Hendler.

Es sind schlichte Andachten. Kerzen werden entzündet. Ein paar Worte werden verloren. Wer möchte, kann seine Gefühle in dem bereitliegenden Trauerbuch ausdrücken.

Wie das Leben seine Jahre und der Tod seine Stunden hat, hat die Trauer ihre Phasen. „Nach vier bis acht Wochen“, sagt Pfarrer Hendler, „ist der erste Schock der Trauer über den Tod eines lieben Menschen oft gewichen und etwas Fassbares ist gewachsen. Hier setzt unsere Trauerandacht mit dem Trauerbuch an. Das Trauerbuch soll den Menschen die Möglichkeit geben, über ihre ausgedrückten Gefühle neues Zutrauen in das Leben und zum Glauben zu finden.“

Brückenschlag

Das Trauerbuch schreibt eine eindringliche Sprache. Intime Emotionen, vertrauliche Wünsche, im Glauben gefestigte Erwartungen. Jede Zeile ist ein Zentimeter am Brückenschlag zu denen, die wir in diesem Leben verloren haben. Man liest Sätze wie: „In Dankbarkeit und Liebe für unsere Mutter. Du fehlst uns sehr, aber wir danken Dir für alles, was Du für uns getan hast.“

„Ich wünsche Dir die verdiente Ruhe.“ „Du hast einen festen Platz in unserem Herzen.“ „Vielleicht siehst Du Deinen Mann im Himmel wieder.“ Alle Trauerbücher, egal, wie viele es werden sollten, würden in der Kirchengemeinde aufgehoben, sagt Pfarrer Hendler. Mittlerweile liegt das dritte Buch seit 2004 aus.

"Kirche“, sagt der Pfarrer, „ist für uns, zumindest nach meinem Verständnis, ein Ort des Lebens, wo wir besonders eindringlich erfahren, dass wir von Gott kommen und zu Gott zurückkehren.“

Wer das Trauerbuch in der Martin-Luther-Kirche zuschlägt, weiß, was er damit meint.

Anzeige
Anzeige