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Streit um Semmelrogge bleibt im Hintergrund

Dramatischer „Othello“ in Lünen

Lünen Machtgier, Eifersucht, Rassismus: Dank solch zeitloser Themen bleiben Shakespeares Stücke ewig aktuell. Dass es auch hinter den Kulissen von „Othello“ brodelte, blieb dem Publikum verborgen.

Dramatischer „Othello“ in Lünen

Martin Semmelrogge als Jago (rechts) intrigiert gegen Jean-Philipe Adabra als Othello. Foto: Foto: Johanna Mack

Liegt es an der Professionalität der Schauspieler? Von den Diskussionen, die es im Vorfeld um die Besetzung der Rolle des Jago mit Martin Semmelrogge gab, war bei der Aufführung im Heinz-Hilpert-Theater am Donnerstagabend für den unbefangenen Zuschauer nicht viel zu spüren.

Ärger um Semmelrogge vor „Othello“ in Lünen

Schauspieler angeblich nicht textsicher

Lünen Eine Theateraufführung, vor der Regisseur und Gastbühne quasi warnen, gibt es auch nicht alle Tage: Am Donnerstagabend (15. März) soll „Othello“ mit dem prominenten Schauspieler Martin Semmmelrogge in Lünen über die Bühne gehen. Und um Martin Semmelrogge gibt es Ärger.mehr...

„Wenn so ein berühmter Name dabei ist, hält mich das eigentlich eher davon ab, ein Stück anzusehen“, erklärte Theaterbesucherin Britta Kirschbaum. „Aber in dem Fall hat es die Vorstellung nicht zu sehr dominiert.“ Rebecca Stähler kritisiert, Semmelrogges Aussprache sei manchmal schwer zu verstehen gewesen.

Dramatischer „Othello“ in Lünen

Martin Semmelrogge als intriganter „Marionettenspieler“ Jago. Foto: Foto: Johanna Mack

Falls der aus verschiedenen Filmen (z.B. „Das Boot“) bekannte Schauspieler, wie zuvor vom Regisseur kritisiert, textunsicher gewesen sein sollte, haben die anderen Schauspieler dies so gut aufgefangen, dass es nicht auffiel.

Um es mit Othello zu sagen: „Unheil beklagen, das nicht mehr zu bessern, heißt umso mehr das Unheil nur vergrößern.“

Dramatische Inszenierung

Das Ensemble der Landesbühne Rheinland-Pfalz betont in der Inszenierung von Marcel Krohn die Dramatik des Klassikers um den maurischen Feldherrn Othello in Venedig (Jean-Philipe Adabra), dessen Schwiegervater die Hochzeit mit der schönen Desdemona (Joanna Semmelrogge) wegen Othellos Hautfarbe nicht akzeptiert. Als Othello zum Feldzug gegen die Türken nach Zypern geschickt wird und Cassio zu seinem Leutnant ernennt, beginnt der Fähnrich Jago einen Rachefeldzug.

Dramatischer „Othello“ in Lünen

Jago lässt Othello an Desdemonas Treue zweifeln. Foto: Foto: Johanna Mack

Sein Netz aus Intrigen lässt Othello an der Treue seine geliebten Desdemona zweifeln und bringt dessen Gefolgsleute gegeneinander auf. Jean-Philipe Adabra reizt Othellos extreme Emotionspalette von Hingabe und Leidenschaft bis hin zu Mordlust, Leid und Raserei sehr dramatisch und mit Talent zur Vielseitigkeit aus. Am Ende der düsteren Tragödie fließt und spritzt literweise Kunstblut. Der Opulenz des Shakespearestoffs steht ein reduziertes Bühnenbild mit schlichten Metallelementen gegenüber.

Intrigen und Manipulation

Gut und Böse sind in der Inszenierung klar abgesteckt. Joanna Semmelrogge als Desdemona ist von Anfang bis Ende unschuldig und opfert sich noch auf dem Sterbebett für ihren Mann auf. Martin Semmelrogge verkörpert einen diabolischen Jago, der aus Machtgier die anderen Figuren skrupellos manipuliert, besticht, in den Wahnsinn treibt und tötet, ohne sein Handeln nur eine Sekunde in Frage zu stellen.

Als „psychopathischen Machtmenschen“ beschreibt Krohn die Figur. Zwischentöne gibt es nicht. Semmelrogge spielt den Jago durchgehend so unsympathisch, dass es beinahe unglaubwürdig scheint, wie eine Figur nach der anderen auf sein hinterlistiges Fädenziehen hereinfällt. Rebecca Stähler: „Auch in den vertrauten Momenten mit seinem „Freund“ Othello erscheint dieser Jago absolut bösartig. Nicht sehr facettenreich.“

Regisseur Marcel Krohn hat sich auf diese Veröffentlichung hin gemeldet. Er legt Wert auf die folgende Feststellung:

„Auch wenn die gestrige Vorstellung weniger Pannen hatte als die beiden vorausgegangenen (teils weil die Kollegen aus den gemachten Erfahrungen gelernt haben, teils weil Herr Semmelrogge nun wohl doch den Druck verspürte, mal intensiver in sein Buch zu schauen), bleibt die Tatsache, dass er der Rolle in keiner Weise gerecht zu werden vermag. Es entspricht nicht annähernd dem von mir inszenierten Jago.“

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