"Hälfte haben wir immer noch nicht"

LÜNEN Hinter ihrem Schreibtisch: Rosa Luxemburg, Marlene Dietrich und eine Dame auf Rot. Vor ihr ein neues Lebensjahr und der unermüdliche Kampf um die Chancengleichheit von Frauen: Annette Gehse, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lünen, wird 50 Jahre.

"Hälfte haben wir immer noch nicht"

Annette Gehse, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lünen.

Auf gutem Weg

Geändert hat sich allerdings einiges in ihrem Rathaus-Büro. Die spartanischen Lattenregale und Holzstühle sind Schränken und gemütlicheren Sitzen gewichen. Annette Gehse ist angekommen, auch in ihrer Aufgabe als Leiterin des Frauenbüros seit August 2006. Weiterkommen will sie: "Die Hälfte des Himmels, der Erde und der Macht haben wir noch nicht." 50:50 in allen Bereichen, auch den Führungspositionen, das ist ihr Ziel. "Es ist viel passiert, aber es muss auch noch viel passieren", sagt sie. Wenn man sich das vor Augen halte, sei frau auf einem guten Weg.

Annette Gehse, die Frontfrau für Frauen, sieht ihre Geschlechtsgenossinnen auch kritisch. "Wer nicht kämpft, hat schon verloren", ist ihr Leitspruch. Das Kämpferische vermisst sie bei den Frauen oft. Viele lieben die Harmonie und scheuen den Konflikt, Macht ist eher etwas Anrüchiges. Annette Gehse sieht Macht positiv als Möglichkeit, etwas zu verändern. "Der Weg ist das Ziel", ein weiterer Leitspruch.

Entwicklungen anstoßen

Auf den beruflichen Weg machte sie sich nach der Erzieherinnenausbildung durch ein Studium der Pädagogik. Persönlich unterwegs ist sie mit Ehemann Gerhard Gehse, Hund und Katze. Kinder haben sich in ihrer Lebensplanung nicht ergeben, dafür aber viele Erfahrungen mit Menschen. Die helfen ihr, Entwicklungen anzustoßen. Am 14. Oktober stößt sie mit Wegbegleitern auf ihren 50. Geburtstag an - und auf die Hälfte der Welt.