Lüner Remondis-Gruppe greift nach Grünem Punkt

Kommunale Müllabfuhren warnen vor Verkauf an Entsorgungsriesen

Lünen Kommunale Müllabfuhren schlagen Alarm: Sie warnen vor einem Verkauf des Dualen System Deutschland an Remondis. Das führe zu einer Wettbewerbsverzerrung zum Nachteil der Verbraucher.

Kommunale Müllabfuhren warnen vor Verkauf an Entsorgungsriesen

Ein Blick auf das Firmengelände der Remondis-Gruppe in Lünen. Foto: Foto KlimaExpo.NRW

Die von der weltweit agierenden Lüner Remondis-Gruppe geplante Übernahme des Grünen Punktes steht laut „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) und „Handelsblatt“ kurz bevor. Das sorgt bei den kommunalen Müllabfuhren für Aufregung. Sie befürchten eine Einschränkung des Wettbewerbs. Remondis machte zu den „Marktgerüchten“ keine Angaben.

Der Grüne Punkt ist eine Marke des Kölner Unternehmens Duales System Deutschland (DSD). Es organisiert für Einzelhändler Abholung, Sortierung und Verwertung von Verpackungsabfall. Vor einem Jahr hatten die Fonds HIG Capital und Bluebay ihre Anteile von insgesamt 80 Prozent am Grünen Punkt zum Verkauf gestellt. An dem Bieterverfahren war auch Remondis beteiligt. Die Unternehmensgruppe ist jedoch im Sommer vergangenen Jahres aus dem Verfahren ausgestiegen.

Unterschiedliche Preisvorstellungen

Wie Herwart Wilms, Geschäftsführer der Remondis Assets und Service GmbH & Co. KG, im August 2017 im Gespräch mit unserer Zeitung sagte, seien dafür unterschiedliche Preisvorstellungen der Grund gewesen. Wilms hatte aber auch deutlich gemacht, dass Remondis weiter an einer Übernahme von DSD interessiert sei. Laut Branchenkreisen soll Remondis den DSD-Eigentümern seinerzeit 100 Millionen Euro für den Grünen Punkt geboten haben, die Fonds sollen jedoch 130 Millionen Euro gefordert haben. Wie es aussieht, ist wieder Bewegung in die Sache gekommen.

Die FAZ berichtete jüngst, dass Herwart Wilms mit dem Remondis-Justitiar und einem renommierten Kartellanwalt im Dezember beim Bundeskartellamt war, um Chancen einer wettbewerbsrechtlichen Genehmigung auszuloten. Auch dazu machte Remondis keine Angaben.

„Wettbewerbssituation würde sich verschlechtern“

„Wenn der größte deutsche Entsorger den größten dualen Systemanbieter kauft, dann würde sich die Wettbewerbssituation auf dem Markt deutlich verschlechtern“, sagte der Vizechef des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Patrick Hasenkamp, am Wochenende der Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Das wäre in etwa so, als würde der Autokonzern Volkswagen mit Bosch Deutschlands größten Zulieferer kaufen – die Marktmacht wäre immens.“ Hasenkamp, der zugleich Chef der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster ist, spricht für die 450 kommunalen Entsorgungsunternehmen in Deutschland, unter ihnen die städtischen Müllabfuhren. Die Unternehmen haben insgesamt 72.000 Mitarbeiter.

Der VKU-Vizechef zeigte sich besorgt, dass Remondis über seine mögliche Tochterfirma DSD Einsicht in die Kalkulation der kommunalen Müllabfuhr erhalten könnte: „DSD wird zwar weiterhin dem günstigsten Abfallsammler den Zuschlag geben, könnte dessen Angebotsdetails aber an seine Remondis-Mutter weiterreichen.“ Bei der nächsten Ausschreibung im gleichen Sammelgebiet drei Jahre später, sagte Patrick Hasenkamp weiter, hätte Remondis einen Vorteil gegenüber der kommunalen und der mittelständischen Konkurrenz, da das Unternehmen deren Kalkulationsgrundlage kenne. Das ginge zu Lasten der Verbraucher. An sie würden Handelskonzerne höhere Kosten zur Abfallentsorgung weiterreichen müssen.