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Umstrittene türkische Nationalisten trafen sich in Lünen

Neues Wolfsrudel in der Stadt?

Lünen Ende März fand im Lüner Hansesaal eine Feier der „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine“ statt. Deren Mitglieder sind als „Graue Wölfe“ bekannt – und höchst umstritten.

Neues Wolfsrudel in der Stadt?

Der „Wolfsgruß“, das Zeichen der „Grauen Wölfe“, die offenbar auch in Lünen großen Zulauf finden. Foto: picture alliance / dpa

Lange wusste Bernd Riepe gar nicht, wen er sich da eigentlich ins Haus geholt hat. „Ich habe die Veranstaltung angenommen. Die Organisatoren haben sich als Verein zur Integration türkischer Mitbürger vorgestellt“, berichtet der Vermieter des Hansesaals auf Anfrage. „Integration – das klang gut, und mir hat es gefallen, dass wir damit etwas Positives unterstützen.“

Kurz vor dem Veranstaltungstermin – der 24. März – erhielt Hotelier Riepe dann einen Anruf aus Düsseldorf. „Es war eine der Landesregierung nahestehende Organisation“, erinnert er sich – doch der Name fällt ihm nicht mehr ein. „Wir haben auch versucht, zurückzurufen, doch das hat nicht geklappt.“

„Lehnen Extremismus ab“

Der Inhalt des Anrufs beunruhigte ihn: Seine Mieter seien mitnichten ein Verein für Integration, sondern eher das genaue Gegenteil: Türkische Nationalisten, die als „Graue Wölfe“ bezeichnet werden und laut der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) „Rassismus im Gewand eines ethnischen Nationalismus“ propagieren. Doch auch wenn Bernd Riepe die vermeintliche Ausrichtung seiner Saalmieter nicht schmeckte: Absagen konnte er die Veranstaltung, an der rund 400 Personen teilnahmen, auch nicht mehr. „Es lief ja auch alles gesittet ab, alle haben sich gut benommen.“ Außerdem: „Wer übernimmt die juristische Verantwortung für eine solche Absage?“

Zur Sicherheit informierte der Vermieter die Stadt Lünen über die Feier. Dort nahm man die Info zur Kenntnis, da es jedoch wie von Riepe beschrieben zu keinen Vorfällen kam, sieht man im Rathaus auch keinen weiteren Handlungsbedarf. Allerdings stellt Pressesprecherin Julia Schmidt klar: „Als Stadtverwaltung gehören wir dem Lüner Bündnis gegen Rechtsextremismus an und lehnen jegliche Form von Extremismus strikt ab.“ Sichtweisen, die andere Menschen herabsetzen, hätten in Lünen keinen Platz. „Wir sprechen uns entschieden gegen ein solches Gedankengut aus und hoffen, dass derlei Gruppierungen in unserer Gesellschaft keinerlei Unterstützung finden.“

Genau das könnte aber am 24. März im Hansesaal passiert sein. Laut Veranstaltungsplakat stand die Feier unter dem Motto „Eröffnung“. Ob die „Grauen Wölfe“ nur den Frühlingsanfang feiern wollten, oder ob sich in Lünen tatsächlich ein neues Rudel angesiedelt hat, ist nicht zu klären: Eine Anfrage der Lokalredaktion ließ die „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland“, wie der Dachverband offiziell heißt, bisher unbeantwortet.

Ziel: Großtürkisches Reich

Ob mit oder ohne Ortsgruppe – das Wirken der „Grauen Wölfe“ wird in Deutschland kritisch gesehen. Zusammen mit der Europäisch-Türkischen Union (ATB) und der Türkisch-Islamischen Union Europa (ATIB) kommen sie auf rund 18.500 Mitglieder und zählen damit laut der Bundeszentrale für politische Bildung zu den stärksten rechtsextremen Organisationen in Deutschland. Ihre Mitglieder verfolgten „das Ideal des Turan“, eines großtürkischen Reiches, und die „Eliminierung der politischen Gegner“.

Was das bedeuten kann, haben Politiker des Bundestages erfahren, die 2016 das Massaker der Türkei an Armeniern während des Ersten Weltkriegs per Resolution als Völkermord eingestuft hatten und daraufhin von türkischen Nationalisten bedroht wurden. Im Gegenzug werden die „Grauen Wölfe“ aufgrund ihrer ultranationalistischen Einstellung mittlerweile zum Ziel von Anschlägen durch militante Kurden – wie zum Beispiel in Meschede, wo zwei Wochen vor der Feier in Lünen ein türkisches Vereinsgebäude in Flammen aufging. Viele Politiker sehen ihre Befürchtung, dass der türkisch-kurdische Konflikt nach Deutschland getragen wird, damit bestätigt.

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