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Arabisches Gedicht sollte Antisemitismus beweisen

Rechter Troll provoziert neues Mitglied der Jusos

Lünen Die Jungsozialisten aus Lünen sind ungewollt Teil der Debatte über „importierten Antisemitismus“ geworden. Ihr neuestes Mitglied hatte ein besonderes Gedicht auf Facebook gepostet.

Rechter Troll provoziert neues Mitglied der Jusos

DIe Jusos hatten Ärger mit einem Troll aus der rechten Ecke.

In den vergangenen Wochen hatten einige überregionale Medien deutschlandweit versucht, die Angst vor israelfeindlicher Stimmung durch eingewanderte Muslime zu schüren. Wohin das führen kann, musste nun auch Falyun Al-Dimashqi erfahren. Der 24-jährige Syrer lebt seit drei Jahren in Deutschland, macht eine Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration und besucht zwischendurch noch Deutschkurse.

Kurzum: „Er ist so was von integriert“, sagt Nina Kotissek, Vorsitzender der Jusos Lünen. Nicht nur deshalb war sie erfreut darüber, dass Al-Dimashqi sich den Jungsozialisten anschließen wollte und begrüßte ihn am 24. März auch öffentlich auf Facebook als Neumitglied.

Arabisches Gedicht

Diesen Post nahm ein User, der auf dem öffentlich einsehbaren Teil seines Facebook-Profils lediglich die Rede eines thüringischen AfD-Abgeordneten geteilt hat, zum Anlass, Al-Dimashqi Antisemitismus vorzuwerfen. Grund: Der Neu-Juso hatte auf seinem Facebook-Profil einen Text des syrischen Dichters Nizar Qabbani öffentlich – also für jedermann sichtbar – geteilt. Und zwar in Originalsprache. Dabei dürfte es sich um Qabbanis berühmtestes Gedicht gehandelt haben – gewidmet seiner Frau Balqis, die bei einem Anschlag in Beirut Anfang der 80er-Jahre ums Leben kam. Qabbani macht in diesem Gedicht die gesamte arabische Welt für ihren Tod verantwortlich, darunter auch Israel.

Nutzt man nun den Facebook-eigenen Übersetzungsdienst, könnte man aus den Textfragmenten durchaus eine Israel-Kritik herauslesen. Selbst das würde aber keinen Anti-Semitismus begründen, findet auch Nina Kotissek: „Er hat keine Probleme mit Juden oder mit Israel. Aber mit Leuten, die in Syrien schlimme Dinge tun.“ Und da passt das Gedicht von Nizar Qabbani, dem Zeit seines Lebens nie Antisemitismus vorgeworfen wurde, wiederum sehr gut.

„Wir freuen uns!“

Al-Dimashqi hat den Text mittlerweile auf „privat“, also nicht für die Öffentlichkeit sichtbar, gestellt. Er selbst zog es vor, nicht mit unserer Zeitung zu sprechen. „Er wird bei uns Mitglied, und plötzlich prasseln solche Vorwürfe über ihn herein, mit denen er weder gerechnet hat, noch etwas zu tun haben will. Ist doch klar, dass er verunsichert ist“, berichtet die Juso-Vorsitzende, die für das Neumitglied die Hand ins Feuer legen würde: „Nicht umsonst habe ich auf Facebook unter das Foto geschrieben: Wir freuen uns!“

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