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Schülerstraftaten anzeigen? Passiver Widerstand!

LÜNEN Jede Straftat von Schülern anzeigen? Vielen Lüner Schulleitern ginge das zu weit. Sie beurteilen skeptisch, womit Nordrhein-Westfalen neue Maßstäbe bei der Verhütung und Bekämpfung von Jugendkriminalität setzten will. Wir haben uns in den Schulen der Stadt umgehört.

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Bernd Spelsberg, Leiter der Käthe-Kollwitz-Schule.

Jürgen Ortlepp, Leiter der Heinrich-Bußmann-Schule.

Wie berichtet, sind die Schulleitungen verpflichtet, Straftaten von Schülern anzuzeigen. Im Gegenzug soll die Polizei die Schulen über kriminelles Verhalten von Schülern außerhalb der Schule informieren. Die Anzeigepflicht solle zur „Aufhellung eines Dunkelfeldes führen“, hatte Innenminister Dr. Ingo Wolf angekündigt. „Das werden wir sehr restriktiv handhaben“. Bernd Spelsberg, Leiter der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule, kündigt passiven Widerstand gegen eine pauschale Anzeigepflicht an. Sie schießt für ihn übers Ziel hinaus: „Das ist ein Eingriff in die pädagogische Freiheit. Glaubt man nicht, dass wir im Sinne der Gesellschaft ermessen können, wann wir etwas weiter geben oder nicht?“ fragt er. Auch Jürgen Ortlepp, Leiter der Heinrich-Bußmann-Schule, wendet sich gegen eine „krasse Form“ der Anzeigepflicht: „Ich würde lieber noch pädagogisch eingreifen können.“ Ähnlich sieht es auch Sigrid Goer, Leiterin der Realschule Brambauer: „Ich möchte es nicht so gläsern haben.“   Den Erhalt von Ermessensspielräumen hält Dr. Jürgen Czischke, Leiter des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, für zwingend notwendig: „Es kann nicht sein, dass eine Kleinigkeit, die wir mit pädagogischen Maßnahmen regeln können, hochgepuscht wird.“ Dass Schulen und Polizei konkrete Formen von Zusammenarbeit vereinbaren, hält er aber für richtig."Eine Polizeiwache einrichten"  „Als ich das las, dachte ich zuerst, jetzt können wir gleich eine Polizeiwache an der Schule einrichten“, meint Bernd Seidler. Inzwischen ist der Leiter der Achenbach-Hauptschule deutlich entspannter: Denn der Erlass sehe vor, dass bei Delikten wie z.B. Beleidigung, Stalking oder leichter Körperverletzung die Schulleitung eine Anzeige zu prüfen habe, sie aber nicht zwingend erstatten müsse. In jedem Fall seien aber die Eltern zu verständigen. „Für mich heißt das, dass wir weiter so verfahren, wie wir es schon seit Jahren tun“, so der Schulleiter. Auch Jürgen Ortlepp hebt die seit Jahren auch an seiner Schule gängige Praxis hervor, bei Schülerkriminalität einerseits pädagogisch einzugreifen, aber auch mit der Polizei zusammen zu arbeiten. Ansprechpartner seien vor allem die Lüner Jugendkontaktbeamten. Im Polizeipräsidium sieht man Schulen und Polizei unabhängig vom neuen Erlass bereits gut vernetzt: „Über die beiden Lüner Jugendkontaktbeamten hinaus gibt es für jede Schule einen Ansprechpartner. In der Regel sind das die Bezirksbeamten“, erklärt Peter Schulz von der Pressestelle.

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Bernd Spelsberg, Leiter der Käthe-Kollwitz-Schule.

Jürgen Ortlepp, Leiter der Heinrich-Bußmann-Schule.

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