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Täglich Schuhe putzen gehörte dazu

LÜNEN Strümpfe stopfen beherrscht Irene Schubert aus dem Effeff: "Ich glaube so viele Strümpfe gestopft und Schuhe geputzt wie in Schwansbell hab ich mein Leben nicht", lacht die Lünerin. Gut acht Jahre war sie Erzieherin und Gruppenleiterin im Kinderheim der evangelischen Kirche im Schloss Schwansbell.

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In passender Sportkleidung durften die Kinder in den 60er Jahren durch den Schlosspark Schwansbell toben. Repro Goldstein

Viele Erinnerungen an ihre Zeit in Schwansbell stecken in Irene Schuberts Fotoalbum. Rottgardt

 

Von 1960 bis kurz nach ihrer Heirat 1965 war Irene Schubert dort tätig. "Als unser Sohn dann zweieinhalb Jahre alt war, hab ich ihn mitgenommen und war dann noch einige Zeit als so genannte ,Springtante` in den Gruppen tätig, wenn die Erzieherinnen frei hatten."

Zu dieser Zeit waren Arthur und Ilsedore Pfeiffer die Hauseltern in dem Kinderheim. "Es war kein Waisenhaus, die Kinder waren Sozialwaisen, hatten jeder noch mindestens ein Elternteil", berichtet Irene Schubert. Auch die Tochter der Pfeiffers, Dorle, war als Erzieherin tätig. Immerhin wurden über 80 Kinder zwischen drei und 14 Jahren dort betreut.

Bis zur Konfirmation

"Meistens sind sie bis zu ihrer Konfirmation geblieben und dann in die Lehre gegangen." Und diese Ausbildungsplätze wurden entweder von der Schule oder sehr oft auch von Arthur Pfeiffer, einem Diakon aus Remscheid, besorgt.

Irene Schubert betreute erst eine Mädchen- und dann eine Jungengruppe mit Kindern zwischen fünf und 14 Jahren. "Im Keller war ein Raum, in dem die Kinder immer ihre Schuhe ließen und die Hausschuhe anzogen. Dort wurden täglich die Schuhe geputzt, das haben die Kinder eigentlich selbst gemacht, aber ich war immer dabei."

Die Arbeit mit den Mädchen und Jungen war etwas Besonderes für sie: "Alle waren sehr liebebedürftig und ich hab am Wochenende auch mal ein Kind mit nach Hause zu meinen Eltern genommen, wenn es keinen Besuch bekam." Morgens um 7 Uhr begann die Arbeit mit dem Wecken. "Die Kinder haben selbst die Betten gemacht und sind dann runter zum Frühstück, wo auch schon die Schulbrote bereit lagen." Hausaufgaben wurden auch beaufsichtigt. "Als ich mit meinem späteren Mann dann verlobt war, hat er auch mal beim Rechnen geholfen." Um 19.30 Uhr kam dann der Nachtdienst, den die Betreuerinnen abwechselnd absolvierten.

Alle sechs Wochen hatten die Erzieherinnen ein Wochenende von Samstag bis Montag frei, ansonsten einen Tag in der Woche. "Als ich ein Zimmer im Schloss hatte, kam es schon vor, dass einige der neuen Kinder nachts an meine Tür klopften, weil sie traurig waren."

Mit den Älteren standen auch Urlaubsreisen auf dem Programm, mal in die nähere Umgebung, aber auch nach Interlaken in der Schweiz. Ausflüge gab es regelmäßig, oft in den Dortmunder Tierpark, der mit Bus und Straßenbahn erreicht wurde.

Kleidung

Arthur Pfeiffer sorgte für die Kleidung der Kinder, fuhr zu einer Fabrik nach Wuppertal und kaufte ein. Freitags war Duschtag und den "bezahlte" Irene Schubert oft mit einer Erkältung: "Die Jungs haben immer mit Badehose geduscht und ich war natürlich komplett bekleidet. Wenn ich dann aus dem warmen Duschraum in den kalten Keller kam, hab ich mir was weggeholt."

Die Kinder, die nicht zu ihren Familien fuhren, erlebten ein stimmungsvolles Weihnachtsfest: "In jeder Gruppe gab es einen Baum mit echten Kerzen und einem Eimer Wasser daneben." Und wenn die Erzieherinnen sich heimlich nachmittags eine Tasse Kaffee gönnten, war immer ein Kind informiert: "Das hat dann Alarm gegeben, wenn die Hauseltern kamen."

 

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In passender Sportkleidung durften die Kinder in den 60er Jahren durch den Schlosspark Schwansbell toben. Repro Goldstein

Viele Erinnerungen an ihre Zeit in Schwansbell stecken in Irene Schuberts Fotoalbum. Rottgardt

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