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Turbulente Tage mit dem kleinen Leif

LÜNEN Leif ist auf Mamas Arm eingeschlafen. Den kleinen Kerl interessiert weder das nur wenige Wochen ältere Katzenkind, das neugierig im Wohnzimmer herumschleicht, noch, dass Mama Viola und Papa Frank Wagner Besuch haben.

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Der niedliche Leif spielt seit drei Wochen die Hauptrolle im Hause Wagner. Das bedeutet eine große Umstellung vom bisherigen Leben des jungen Ehepaares. Bock/newspic.de

Freitag, 27. Juli 2007 - Hebamme bei Eltern eines Neugeborenen zu Hause.

Hebamme Daniela Quabs

 

Hebamme Daniela Quabs schaut nach dem Wohlergehen von Mutter und Kind. Am 13. Juli ist Leif im Lüner St.-Marien-Hospital geboren. Nach drei Tagen kamen die junge Lehrerin und ihr erstes Baby schon nach Hause. Zum Glück wurde Leif in den Sommerferien geboren, so erlebt auch Frank Wagner, der ebenfalls Lehrer ist, die ersten Tage mit seinem Sprössling richtig mit.

3360 Gramm und 52 cm - das sind Leifs Geburtsdaten. Ind den ersten zwei Wochen hat das niedliche Kerlchen 200 Gramm zugenommen. Das stellt die Hebamme mit Hilfe einer besonderen Baby-Waage fest. Da die Kleinen naturgemäß nicht auf einer normalen Waage still halten, packt sie Leif in ein weiches, weißes Stoffteil, an das sie die Waage hängt.

Jetzt ist der Säugling mit dem schwedischen Namen hellwach. So ganz scheint es ihm nicht zu passen, dass Mama Viola ihn vom Strampler befreit hat und er kurz in der Luft baumelt. Leif verzieht das Gesicht und lässt sich erst wieder in Mamas Armen beruhigen.

Atemtechnik hilft

Viola und Frank Wagner besuchten vor der Geburt einen Wochenend-Partnerkurs bei Daniela Quabs. "Ich war da in der 36. Woche und es war sehr hilfreich für die Geburt", erzählt die junge Mutter. Vor allem die Atemtechnik habe ihr geholfen.

Frank Wagner hat die Geburt live miterlebt. Und er ist überzeugt: "Auch wenn man dabei ist, als Mann kann man beispielsweise Wehen nicht nachempfinden oder weiß auch nicht so richtig etwas mit Beckenboden-Problemen anzufangen. Da ist es schon gut, wenn eine Hebamme auch nachher den Frauen zur Seite steht."

Das Stillen ist ein wichtiges Thema der Nachsorge. "Wir sind auf dem richtigen Weg", freut sich Viola Wagner. Und doch ist nicht nur das Stillen, sondern der ganze Fulltime-Job Mutter eine sehr große Umstellung. "Ich bin eigentlich ein Typ, der alles organisiert, aber mit Kind ist das gar nicht mehr so einfach", lacht Viola Wagner.

Auch wenn Stillen "in" sein soll - viele Mütter halten nicht durch, beobachtet Daniela Quabs. "Die meisten stillen nach dem dritten Wachstumsschub, der so um die zwölfte Woche einsetzt, ab. Dabei kann ich nur empfehlen, sechs Monate zu stillen und dann langsam bei zu füttern. Ideal ist es, ab dem sechsten Monat direkt von der Muttermilch zur Breiphase überzugehen." Denn Muttermilch stärkt das Immunsystem besonders, beugt Allergien vor und sorgt dafür, dass sich der Darm des Babys besser auskleidet. "Kinder lernen auch so schon, selbstständiger zu essen, müssen beim Stillen manchmal auch um die Milch kämpfen", nennt die Hebamme weitere Vorteile. Anfangs war Leif ein bisschen trinkfaul, langsam spielt es sich ein. Auch die Eltern kontrollieren das Gewicht regelmäßig.

Nicht zu viel lesen

In ihren Kursen gibt Daniela Quabs den werdenden Eltern eine Liste mit Literatur-Empfehlungen. Doch sie weiß: "Zu viel zu lesen, ist nicht unbedingt gut. Noch gefährlicher sind allerdings die Elternzeitschriften, weil da einfach zu viele verschiedene Informationen drin stehen. Und je nachdem von wem sie kommen wird dann eher die Fertignahrung favorisiert."

Irgendwann ist für junge Mütter auch der Beckenboden ein Thema. Auch hier hat Daniela Quabs gute Tipps parat. "Bei einer runden Haltung hängt der Beckenboden durch, deshalb ist es - außer beim Stillen - wichtig, dass der Rücken und die Halswirbelsäule gerade sind, man braucht eine gewisse Spannung, die durch die richtige Haltung kommt."

Dass sich alles ändert, auch eine Partnerschaft, wenn ein Baby da ist, das rund um die Uhr versorgt werden muss, bei dem es kein Wochenende und keinen Urlaub vom Kind für Mutter und Vater gibt haben auch Viola und Frank Wagner gemerkt. "Ich kann nicht einfach so spontan einkaufen fahren, jetzt geht Leif vor."

Schnuller im Mund

Im Krankenhaus war rund um die Uhr jemand da, den sie fragen konnte. Jetzt sind die jungen Eltern (fast) auf sich allein gestellt und froh, dass ihnen die erfahrene Hebamme und Mutter Daniela Quabs zur Seite steht.

So sieht es wohl auch Leif, der wieder friedlich an seinem Schnuller nuckelt, während Daniela Quabs seine Gewichtszunahme in eine Liste einträgt.

Hebamme wollte Daniela Quabs eigentlich „schon immer“ werden, nachdem sie die ersten Berufswünsche „Erzieherin“ und „Kriminalbeamtin“ ad acta gelegt hatte. „Ab der 9. Klasse hab ich in allen Ferien eine Woche Praktikum im Castroper Krankenhaus gemacht und später auch bei einer freiberuflichen Hebamme“, erzählt die Lüner Fachfrau.

Das Abitur absolvierte sie zwar trotzdem, aber danach gab es zur Hebammen-Ausbildung keine Alternative. „Es gibt verschiedene Schulen, an der man die dreijährige Ausbildung machen kann, und die jeweils mit Krankenhäusern zusammen arbeiten. Ich war in Bochum.“ Da Hebammen eine so genannte „vorbehaltene Tätigkeit“ ausüben, handelt es sich auch um eine sehr anspruchsvolle Ausbildung. „Wir müssen genau erkennen, wann wir einen Arzt einschalten müssen, bei der Geburt oder auch nachher.“ Hebammen dürfen Geburten alleine betreuen, Ärzte sollten eigentlich immer bei der Geburt eine Hebamme an ihrer Seite haben. „Mittlerweile überlegt man, ob man die Ausbildung als Studiengang anbietet.“ Der „Nachwuchs“ in diesem vielseitigen Beruf ist da – allerdings nehmen die wenigen Schulen in Deutschland immer auch nur wenige Bewerber an. Das St.-Marien-Hospital arbeitet übrigens mit der Hebammenschule in Ahlen zusammen.

Männer Magelware

Männer in diesem Beruf sind in Deutschland Mangelware. „Das hat sich hier nicht durchgesetzt.“ Anders sieht es in den Niederlanden aus. Dort sind männliche Entbindungspfleger üblich. „Eine Freundin aus Holland hatte bei beiden Geburten eine männliche Hebamme“, berichtet Daniela Quabs. Früher war es sogar „Pflicht“, dass eine Hebamme selbst Mutter ist. Das ist heute nicht mehr so streng. Daniela Quabs allerdings kennt Wehen und Geburt aus eigener Erfahrung – sie ist Mutter von Janina (11) und Julian (13). Die selbstständige Hebamme setzt bei der Geburtsvorbereitung verstärkt auf Yoga für Schwangere (ab der 12. Woche) und auf Wochenend-Kurse für Paare. „Die sind ab der 28. Woche möglich, aber auch näher am Geburtsttermin.“ Die werdenden Eltern können sich informieren und mit kleinen Entspannungs- und Atemübungen auf die Geburt und die erste Zeit mit dem Baby vorbereiten. Die Kurse finden in der Praxis Quabs an der Parkstraße statt. Allerdings gibt es noch immer viele Schwangere, die sich nicht um Geburtsvorbereitung kümmern: „Nur ein Drittel der werdenden Mütter nehmen an Kursen teil.“ Und auch nicht jede Frau geht regelmäßig zur Vorsorge.

   

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Der niedliche Leif spielt seit drei Wochen die Hauptrolle im Hause Wagner. Das bedeutet eine große Umstellung vom bisherigen Leben des jungen Ehepaares. Bock/newspic.de

Freitag, 27. Juli 2007 - Hebamme bei Eltern eines Neugeborenen zu Hause.

Hebamme Daniela Quabs

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