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U23-Mannschaften im Amateursport

U23-Teams – Alles nur fürs Image?

Lünen/Werne/Selm. Bayer Leverkusen hat es getan, der VfL Bochum ebenso, der FC Schalke 04 überlegt noch: Immer mehr Fußballvereine melden ihre U23-Mannschaften vom Meisterschaftsspielbetrieb ab. Der Amateurbereich trotzt dem Trend, allerdings nicht in jeder Sportart.

U23-Teams – Alles nur fürs Image?

Die Verantwortlichen Nadim Karsifi (oben links, VfL Brambauer), Rolf Nehling (oben rechts, Westfalia Wethmar), Frank Heidemann (unten links, SV Herbern) und Norbert Zander (unten rechts, SuS Olfen) sprechen über die U23-Mannschaften, über die es verschiedene Meinungen gibt.

Die U23-Teams kommen aus der Mode. Zumindest im Profifußball. Immer mehr Mannschaften melden ihre U23-Mannschaften vom Spielbetrieb zurück. Aus unterschiedlichen Gründen. Mal rechtfertigen die Vereine die Abmeldung mit finanziellen Gründen, mal mit sportlichen. Aktuellstes Beispiel: die Oberliga-U23-Mannschaft des DSC Arminia Bielefeld, die nach dieser Saison vom Spielbetrieb abgemeldet wird. Im Amateurbereich sieht das aber gewaltig anders aus, zumindest im Fußball.

Der TuS Westfalia Wethmar hat zu der Saison 2013/2014 eine U23-Mannschaft eingeführt, die aktuell in der Kreisliga A gegen den Abstieg spielt. Trotz der momentan sportlichen Krise will Rolf Nehling (Foto, rechts oben), Sportlicher Leiter des Vereins, an diesem Konzept unbedingt festhalten. „Die U23 ist ein Bindeglied zwischen der A-Jugend und der ersten Mannschaft“, sagt Nehling und verweist darauf, dass die Jugendspieler in der U23 erste Erfahrungen im Seniorenbereich nutzen und sich dort weiterentwickeln sollen. „Ein Abstieg in die B- oder C-Liga wäre für die Entwicklung deswegen schlecht“, sagt Nehling, der betont, dass seine Mannschaft überwiegend aus jungen Spielern besteht. Dennoch setzt der TWW auch Spieler ein, die über 23 Jahre alt sind, ein. Das darf er auch, denn vom Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) gibt es keine Vorgaben dazu. „Die Vereine dürfen die Spieler einsetzen, die sie wollen. Das ist in der Satzung so festgeschrieben“, sagt zum Beispiel Norbert Krevert, stellvertretender Kreisvorsitzender des Fußballkreises Münster. Lothar König, Vorsitzender des Fußballkreises Dortmund bestätigt das. „Mir sind keine weiteren Regelungen bekannt“, so König, der ergänzt: „Bei der Namensgebung geht vieles aber auch um das Image“.

Brambauer profitiert

Davon profitiert somit auch der BV Brambauer, dessen A-Liga-Team ebenfalls über eine U23-Mannschaft verfügt, in der kommenden Saison aber wohl in der Kreisliga B beheimatet sein wird. Aktuell steht der BVB nämlich auf dem letzten Tabellenplatz der Kreisliga A2 Dortmund. Mario Kranich, Sportlicher Leiter des BVB, betont dennoch die Wichtigkeit einer solchen Mannschaft: „Die jungen Spieler zwischen 18 und 22 Jahren sollen in dieser Mannschaft Fuß fassen. In unserer Situation muss man auf die Jugend bauen“, sagt Kranich.

Nicht nur im Lüner Raum bauen Fußball-A-Ligisten auf U23-Mannschaften. Auch im Kreis Münster gibt es Teams, die eine U23 anbieten. Dazu gehört beispielsweise der SV Herbern, der in der Kreisliga A2 Münster eine gute Saison spielt und aktuell auf Rang vier der Tabelle steht. „Wir haben die U23 im vergangenen Sommer eingeführt. Es ist ein Projekt, um junge Spieler aus der Jugend im Seniorenbereich zu integrieren“, sagt Frank Heidemann (Foto, links unten), Sportlicher Leiter des SVH. Der Altersdurchschnitt der Herberner liege zwar bei etwa 21 Jahren, „ein paar Leitwölfe“ müssen laut Heidemann aber trotzdem auf dem Platz stehen. Dass der SVH sein Team im Sommer umbenannt hat, hängt auch mit der Außendarstellung zusammen. „Der Name „Zweite Mannschaft“ hat immer einen negativen Touch, U23 nicht“, so Heidemann weiter.

Im Kreis Ahaus-Coesfeld setzt A-Ligist SuS Olfen ab Sommer wieder auf eine U23-Mannschaft, will diese allerdings nicht offiziell so beim Namen nennen. Bereits in der Vergangenheit haben die Steverstädter das ausprobiert – nur mit mäßigem Erfolg. „Wir haben damals Fehler gemacht und uns in der Breite nicht gut aufgestellt“, sagt Norbert Sander (Foto, rechts unten), Sportlicher Leiter beim SuS. Aktuell spielt Olfens Reserve in der Kreisliga B. „Wir wollen leistungsorientierter arbeiten als bisher“, sagt Sander und ergänzt: „Die A-Jugendlichen sollen dies als Sprungbrett nutzen.“ Der grundsätzliche Trend geht insgesamt also dorthin, dass die Fußballer an ihrer U23 festhalten oder diese neu installieren wollen. Das ist allerdings nur im Fußball so.

Bei den Basketballern der LippeBaskets Werne werde nicht auf das Alter geachtet, es gehe nur um die Leistung. „Wir haben keine guten jungen Spieler, sondern nur gute Spieler“, sagt LippeBaskets Geschäftsführer Jens König. Mit 16 oder 17 Jahren führen die LippeBaskets die Jugendspieler an die Senioren-Mannschaften heran, wer nicht gut genug ist, „muss in die zweite Mannschaft“, so König weiter. Die Dichte von jüngeren talentierten Spielern, die in ein „Auffangbecken“ müssen, sei beim Fußball, laut Jens König, viel größer als beim Basketball. „Im Alter von 17 Jahren sollte man den Sprung in die erste Senioren-Mannschaft schaffen, ansonsten bleiben nur die zweiten oder dritten Mannschaften“, so König.

Auch im Amateurhandball gibt es nur wenige junge Erwachsenenteams. Den Grund dafür nennt Nadim Karsifi (Foto, links oben), Trainer der Landesliga-Handballer des VfL. „Das kommt darauf an, wie gut die Spieler sind. Es ist ein Unterschied zwischen der Jugend und sagen wir mal Landesliganiveau. Das ist körperlich ganz anders, da geht es nicht nur um Schnelligkeit.“ Zum Unterschied, dass im Handball weniger solcher Teams existieren, die nur zur Jugendförderung dienen, sagt Karsifi: „Ich glaube, das ist gar nicht so krass. Einige Vereine, die höherklassig spielen wie beispielsweise Hagen, (Karsifi hat beim Zweitligisten mal eine Jugendmannschaft trainiert, Anm. d. Red.) verfolgen schon dieses Konzept, nur nicht offiziell. Ich finde das Konzept eigentlich gut. Es ist aber schade, wenn Spieler dann nur da spielen und nicht mal als Bonbon in der ersten Mannschaft.“ So bleiben U23-Teams, zumindest offiziell, überwiegend ein Phänomen des Fußballs, das im Profibereich immer mehr an Wert verliert, im Amateurbereich aber nach wie vor von Vereinen geschätzt wird.

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