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Schüsse in Lüner Friseursalon

Wegen Schusswaffe angeklagt, wegen Messerbesitzes verurteilt

LÜNEN Mehr als ein Jahr nach mehreren Schüssen in einem Friseursalon in der Lüner Fußgängerzone hat das Amtsgericht ein zweites Urteil gesprochen. Angeklagt war ein 40-jähriger Bauhelfer aus Dortmund.

Wegen Schusswaffe angeklagt, wegen Messerbesitzes verurteilt

„Aufgrund von Renovierungsarbeiten geschlossen“, hieß es auf dem Zettel, der am Tag nach den Schüssen an der Schaufensterscheibe des Friseursalons klebte. Foto: Marc Fröhling

Er kassierte eine Geldstrafe in Höhe von 4500 Euro – mit dem eigentlichen Vorfall vom 15. Januar 2017 hatte diese Bestrafung aber null Komma nichts zu tun. Dass der Angeklagte an dem fraglichen Sonntagnachmittag in dem Lüner Friseursalon anwesend war, hat er gleich zu Beginn des Prozesses zugegeben. Auch berichtete der 40-Jährige von einem Streit um angebliche Schulden mit einem bereits im Februar verurteilten Castrop-Rauxeler. Und auch davon, dass irgendwann Schüsse gefallen seien. Er selbst, das beteuerte der Angeklagte, habe damals jedoch definitiv „keine Schusswaffe“ dabei gehabt, sondern allenfalls einen Schlagstock. Den Stock habe er aber auch letztlich nicht eingesetzt, weil er nach dem ersten Schuss „sofort weggelaufen“ sei.

Kein Zeuge bestätigte

Nachdem kein einziger Zeuge am Mittwoch, 18. April, im Prozess bestätigen konnte oder wollte, dass der 40-Jährige damals eine Schusswaffe bei sich geführt hatte, blieb dem Amtsrichter am Ende gar nichts anderes übrig, als von einer Verurteilung wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz abzusehen. Auch der damalige Castrop-Rauxeler Kontrahent des Angeklagten wollte zum Sachverhalt keine Angaben machen. Der 46-Jährige machte von dem ihm zustehenden Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch, weil sein Verfahren noch nicht rechtskräftig abgeschlossen ist

Schüsse in Lüner Friseursalon

Revolver-Schütze muss zwei Jahre ins Gefängnis

Lünen Ein Jahr nach einer Schießerei in einem Friseursalon in der Lüner Fußgängerzone hat das Amtsgericht einen der Schützen verurteilt. Der 46-jährige Bauhelfer aus Castrop-Rauxel muss für zwei Jahre ins Gefängnis. Denn: Mit etwas Pech hätten auch Unbeteiligte tödlich getroffen werden können.,mehr...

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Der Castrop-Rauxeler hatte am 9. Februar 2018 in seinem Prozess zugegeben, mit mehreren „Geschäftspartnern“ in dem Friseursalon gestritten und dabei drei Schüsse abgefeuert zu haben. Wegen einer möglichen Notwehrlage war der Pistolenschütze von vorneherein schon „nur“ wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz angeklagt worden und am Ende zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hat er zwischenzeitlich Berufung eingelegt

„Gut herausgekommen“

„Alles in allem sind sie hier heute gut aus der Sache herausgekommen“, sagte der Amtsrichter an die Adresse des Angeklagten. Es sei denkbar, dass der Angeklagte geschossen habe, aber eben nicht sicher. „Wenn wir hier keinen Zeugen haben, der eindeutig eine Schusswaffe beim Angeklagten gesehen hat, dann kann man den Angeklagten hier und heute nicht verurteilen.“ In einem Rechtsstaat gelte nun einmal der Grundsatz: „Im Zweifel für den Angeklagten.“ Wie es im Prozess hieß, waren von der Polizei aufgrund der Spurenlage (unter anderem Fundorte der Projektile) insgesamt mindestens vier Schussabgaben rekonstruiert worden. Mehrere Kugeln waren in Richtung der Fußgängerzone abgefeuert worden, eine in der Fassade eines Hotels gegenüber eingeschlagen.

Gänzlich unbestraft verließ der Dortmunder am Ende aber nicht den Gerichtssaal. Weil er im Dezember 2017 bei einer Polizeikontrolle auf der Brackeler Straße mit einem verbotenen Butterfly-Messer im Auto erwischt worden war, muss der vorbestrafte 40-Jährige eine 4500-Euro-Geldstrafe bezahlen.

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