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Flucht von Syrien nach Olfen

Die Geschichte einer Flucht mit Säugling von Syrien nach Olfen

Olfen Boshra Alo und ihr Ehemann Joomar Alomar verließen Ende 2014 ihre syrische Heimat Aleppo. Dort sahen sie keine Zukunft mehr, mussten um ihr Leben fürchten. Mit einem Schleuser flüchteten sie - und das auch noch mit einem Säugling.

Die Geschichte einer Flucht mit Säugling von Syrien nach Olfen

Boshra Alo, ihr Ehemann Joomar Alomar und ihre Tochter Dora Alomar Foto: Theo Wolters

Boshra Alo und ihr Ehemann Joomar Alomar sitzen auf dem Sofa in ihrer kleinen Erdgeschosswohnung und blicken zuversichtlich in die Zukunft. Das war aber nicht immer so. Ende 2014 verließen sie ihre Heimatstadt Aleppo in Syrien. „Es war damals aufgrund des Krieges kein Leben mehr in unserer Heimatstadt“, so die 29-Jährige. Sie und ihr Ehemann Joomar (30 Jahre) hätten keine Perspektive in dem zerstörten Aleppo gesehen. Boshra: „Ich war damals auch schwanger. Eine vernünftige medizinische Betreuung war in Aleppo nicht mehr möglich.“

„Angst ums Überleben“

Für das Ehepaar war klar, ihr Kind sollte an einem sicheren Ort zur Welt kommen. Das Ehepaar baute alle Brücken in seiner Heimat ab, ging in die türkische Stadt Gaziantep an der Grenze zu Syrien. Das Ehepaar ließ auch seine berufliche Ausbildung hinter sich. „Ich hatte noch ein Semester, dann wäre mein Chemiestudium beendet gewesen“, erzählt Boshra. Doch an ein Studium in Aleppo war nicht mehr zu denken. Auch ihrem Mann erging es so, denn er stand kurz vor dem Abschluss seines Jurastudiums. „Wir waren in Aleppo nicht sicher, immer musste man Angst um sein Leben haben“, so Joomar.

In der türkischen Grenzstadt blieb das Paar einige Monate. Hier wurde am 29. April 2015 auch Tochter Dora geboren. „Wir hatten eine kleine Wohnung. Joomar ging arbeiten, damit wir das Leben bezahlen konnten“, erzählt Boshra. Joomar arbeitete 14 Stunden täglich in einer Fabrik, wo Baumwolle hergestellt wurde. Boshra: „Die Stadt sollte nur eine Zwischenstation sein. Für uns war wichtig, dass unsere Tochter gesund auf die Welt kam.“

Kontakt zu einem Schluser

Als Tochter Dora vier Monate alt war, entschloss sich die Familie, die Türkei zu verlassen. Ein entfernter Bekannter des Ehemanns stellte den Kontakt zu einem Schleuser her. Boshra: „Wir haben 2000 Dollar gezahlt.“ Zunächst ging die Flucht durch die Türkei nach Izmir. Dort bestieg die Familie ein Boot zur griechischen Insel Samos. „Mit uns waren 30 weitere Menschen auf dem kleinen Boot“, erinnert sich Joomar an die Überfahrt. Man sei nachts gefahren, habe zum Glück eine sehr ruhige See gehabt.

Die Geschichte einer Flucht mit Säugling von Syrien nach Olfen

Der Weg von Aleppo nach Olfen

Von Samos ging es auf der Balkanroute durch Griechenland, Mazedonien, Serbien nach Ungarn. „In Ungarn war die Flucht erst einmal beendet“, so Boshra. Doch auch Dank der Bundeskanzlerin Angela Merkel, wie Boshra sagt, habe man die Flucht durch Österreich nach München mit dem Zug fortsetzen können. Joomar: „Wir waren glücklich, als wir München erreicht haben. Auch wenn wir da nicht wussten, wie es weitergeht.“ Man sei aber in Deutschland gewesen.

Von München ging die Reise weiter nach Düsseldorf, wo sie in der Zeltstadt am Flughafen einige Tage verbrachten. Schließlich ging die Fahrt weiter nach Dinslaken. „Dort haben wir nach zehn Tagen Aufenthalt erfahren, dass wir nun nach Olfen gebracht werden“, erinnert sich Joomar. Und man habe ihnen erzählt, es werde dann nicht wieder eine Unterkunft in Zelten sein.

Olfen auf der Landkarte gesucht

Boshra: „Wir haben Olfen auf der Landkarte gesucht, doch viel wussten wir nicht über diese Stadt. Ihnen sei aber klar gewesen, dass mit der Ankunft in Olfen ihre Flucht erst einmal beendet sei. Am 28. September 2015 erreichte die Familie die Steverstadt, die dann die neue Heimat werden sollte.

„Wir wurden im Marienheim untergebracht“, so Boshra. Der Empfang in Olfen sei sehr freundlich gewesen. „Wir sind den Olfenern sehr dankbar für die Unterstützung an den ersten Tagen und auch in den weiteren Monaten“, so Boshra. Viel habe sich seit ihrer Ankunft in Olfen ereignet. Joomar: „Wir haben viel Unterstützung erfahren.“ Seine Ehefrau Boshra ergänzt, wichtig sei aber auch gewesen, dass sie selbst Initiative ergriffen hätten.

„Es wäre schön“

Die Familie fühlt sich in Olfen sehr wohl. „Wir haben eine schöne kleine Wohnung mit einem Garten“, so Boshra. Ihre Tochter Dora gehe in den Kindergarten, habe dort Freundinnen gefunden.

Über das Internet haben sie noch Kontakt zu ihren Eltern, die in Syrien geblieben sind. Ob sie die Eltern wiedersehen, können sie noch nicht sagen. Fest steht aber, dass sie nicht nach Syrien zurückkehren.

„Mein Mann hat keinen Wehrdienst geleistet, würde sofort verhaftet“, erzählt Boshra. So könne man die Eltern wohl auch nur bei einem Treffen in der Türkei wiedersehen.

Doch dies sei erst einmal ein Traum. Boshra: „Es wäre schon schön, wenn sie ihr Enkelkind kennenlernen würden.“

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